Explodierende Lebensmittelpreise in der Türkei – Mindestlohn liegt deutlich unter „Hungergrenze“
VonErkan Pehlivan
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Der Mindestlohn in der Türkei reicht inzwischen nicht einmal mehr für reine Lebensmittel einer Familie. Um eine Familie ernähren braucht man inzwischen das Vierfache.
Ankara – Inflation und Währungsverfall setzen den Menschen in der Türkei kräftig zu. Alleine die Lebensmittelpreise sind in den vergangenen zwölf Monaten um 72,18 Prozent gestiegen, schreibt die Gewerkschaft TÜRK-İŞ in ihrem aktuellen Bericht. Die sogenannte „Hungergrenze“ für eine vierköpfige Familie liegt inzwischen bei 10.630 TL (485,74 Euro). Darin sind nur die Kosten für eine ausgewogene Ernährung enthalten. „Der Anstieg der Lebensmittelinflation führt zu einer weiteren Verschlechterung der Lebensbedingungen und der Lebensqualität der Bürger. In erster Linie sollte das Einkommensniveau der kleinen und festen Einkommen angehoben werden, um den Kaufkraftschwund zu beseitigen und den Wohlstand gerecht zu verteilen“, schreiben die Autoren des Berichts.
Währungsverfall in der Türkei – Zukunftsängste und kurzfristiges Denken
Die seit Monaten anhaltende hohe Inflation verzerrt zudem die Preiswahrnehmung. „Diese Situation wirkt sich auf das Konsumverhalten aus und führt dazu, dass sich das Konsumverhalten ändert und das schnellstmögliche Ausgeben des Geldes zum Hauptziel wird“, warnt die Gewerkschaft. Bei den Menschen herrschen Zukunftsängste sowie kurzfristiges Denken. Besonders betroffen von den Preissteigerungen seien die Einkommensschwachen.
Mindestlohn reicht nicht einmal für Lebensmittel einer Familie
Wer also den Mindestlohn von 8.500 TL (388 Euro) bekommt, wird nicht einmal seine Familie ernähren können. Die sogenannte Armutsgrenze ist dagegen auf 33.752 TL (1.542 Euro) gestiegen. Darin sind neben den Lebensmittelpreisen auch die übrigen Kosten wie Miete und Heizung für eine vierköpfige Familie enthalten.
Erdogan versucht es nach Türkei-Wahl mit Durchhalteparolen
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