Russische Kampfjets dringen in Luftraum über Alaska ein
VonUlrike Hagen
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Zweimal innerhalb von drei Tagen dringen russische Kampfjets in den Luftraum über Alaska ein. Die Luftverteidigung stuft die Vorfälle jedoch nicht als Bedrohung ein.
Colorado Springs – Zwei russische Flugzeuge sind in eine Luftverteidigungszone außerhalb des Luftraums von Alaska eingedrungen. Es war bereits das zweite Mal in dieser Woche, dass sich ein solcher Vorfall ereignet hat, wie das North American Aerospace Defense Command NORAD (Nordamerikanisches Luftverteidigungskommando) am Freitag (9. Februar) mitteilte.
Zwei russische Militärflugzeuge im Luftraum von Alaska entdeckt
Die Militärjets wurden am Donnerstag in der Alaska Air Defense Identification Zone (ADIZ) geortet, blieben aber im internationalen Luftraum und drangen nicht in den souveränen amerikanischen oder kanadischen Luftraum ein, wie NORAD weiter erklärte. Bereits am Dienstag waren vier russische Flugzeuge in die ADIZ eingedrungen, woraufhin NORAD, eine gemeinsame Einrichtung der USA und Kanadas zur Luftraumüberwachung und Luftverteidigung, eine ähnliche Stellungnahme abgegeben hatte.
— North American Aerospace Defense Command (@NORADCommand) February 9, 2024
„Regelmäßige russische Luftaktivität“ um Alaska: Luftverteidigung sieht keine Bedrohung
Eine ADIZ beginnt dort, wo der souveräne Luftraum endet, und wird als ein Abschnitt des internationalen Luftraums definiert, in dem die Identifizierung von Flugzeugen im Interesse der nationalen Sicherheit erforderlich ist. „Diese russischen Aktivitäten in der ADIZ von Alaska finden regelmäßig statt und werden nicht als Bedrohung angesehen“, erklärte NORAD am Freitag.
Die Erklärung folgt nach Andeutungen Moskaus, Anspruch auf die Souveränität über Alaska erheben zu wollen und der Forderung eines Putin-Vertrauten nach der Rückgabe Alaskas, was die USA jedoch zurückwiesen. Die Vereinigten Staaten hatten Alaska 1867 vom damaligen Russischen Kaiserreich gekauft und 1959 zu ihrem 49. Bundesstaat erklärt. Alaska und Russland sind durch die Beringstraße getrennt und nur etwa 85 Kilometer voneinander entfernt.
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Institute for the Study of War: „Parameter, was russisches Eigentum darstellt, unklar“
Unklar sei, aus welchem Grund das russische Militärflugzeug in der ADIZ Alaskas geflogen sein könnte, berichtet das Nachrichtenportal Newsweek. Eine Bitte an das russische Außenministerium um eine Stellungnahme sei unbeantwortet geblieben.
Die Denkfabrik „Institute for the Study of War“ mit Sitz in Washington, D.C. erwähnte in seiner „Bewertung der russischen Offensivkampagne“ im Januar derweil, dass Putin ein Dekret zur Bereitstellung von Mitteln für die Suche, Registrierung und den „Schutz“ russischen „Eigentums“ im Ausland erlassen habe. Darum gehe es auch um Eigentum auf ehemaligem Gebiet des Russischen Reichs und der Sowjetunion. Auch das Außenministerium soll sich daran beteiligen.
Wie „Eigentum“ in diesem Falle definiert werde, war allerdings unklar. Die Experten gaben auch an, Russland könnte den „Schutz“ solchen „Eigentums“ nutzen, um Druck auf postsowjetische Länder und andere Nachbarregionen – wie beispielsweise Alaska – auszuüben. Militärblogger forderten daraufhin laut dem ISW, mit der Umsetzung des Dekretes etwa dort, in Osteuropa und dem Kaukasus zu beginnen. Ein Zusammenhang mit den Kampfjet-Flügen im Luftraum über Alaska lies sich aber nicht bestätigen.
Russische Flugzeuge tauchen wiederholt über Alaska auf: USA entsandte Abfangjäger
Bereits im Februar 2023 wurden russische Militärflugzeuge über Alaska entdeckt. Auch im Mai sowie im Juli waren die USA gezwungen, Kampfjets zu entsenden, um ein russisches Militärflugzeug abzufangen, nachdem es während einer groß angelegten amerikanischen Militärübung in der Region in die Alaska-ADIZ eingedrungen war.
Am 11. Mai hatten die USA sechs russische Militärjets abgefangen, ebenfalls während einer amerikanischen Übung. Der Pressesprecher des Pentagons, Brigadegeneral Patrick S. Ryder, sagte damals: „Das ist nicht der erste russische Flug. Es wird wahrscheinlich auch nicht der letzte sein.“