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„Wirft Fragen auf“: Drohnen gegen Putins Flugplätze womöglich aus Russland gestartet

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Erneut wird ein russischer Militärflugplatz für Langstreckenbomber angegriffen. Britische Beobachter stellen eine für Russland heikle These auf.

Moskau – Die Ukraine schlägt im Ukraine-Krieg immer wieder auf dem Boden Russlands zurück. Also auf dem Territorium jenes Staates, der den ersten Krieg in Europa seit dem Kosovokrieg 1998/99 losgetreten hat.

Ukraine-Krieg: Russischer Langstreckenbomber wird offenbar durch Drohne zerstört

Jüngstes Beispiel: Das russische Verteidigungsministerium hatte am Samstag (19. August) vermeldet, eine ukrainische Drohne habe den Flugplatz Solzy im westrussischen Gebiet Nowgorod angegriffen. Besagter Flugplatz liegt auf halber Strecke zwischen den Metropolen Moskau (rund 13 Millionen Einwohner) und Sankt Petersburg (rund 5 Millionen Einwohner). Und zwar etwa 650 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Laut Angaben aus Moskau sei ein Brand ausgebrochen, wodurch eine Maschine beschädigt worden sei. Das britische Verteidigungsministerium berichtete am Dienstag (22. August) dagegen, dass es sich bei der Maschine um einen Langstreckenbomber vom Typ Tupolew Tu-22M3 (Nato-Code: „Backfire“) gehandelt habe. Dieser sei nicht nur beschädigt, sondern zerstört worden. Durch eine Drohne von russischem Boden?

In Russland von einer Drohne attackiert: eine russische Tupolew Tu-22M3. (Symbolfoto)

Laut Informationen der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) sollen sogar zwei Überschall-Bomber Tu-22M3 stark beschädigt beziehungsweise zerstört worden sein, was sich nicht unabhängig überprüfen lässt. „Dies ist mindestens der dritte erfolgreiche Angriff auf einen Langstrecken-Flugplatz, was erneut Fragen über die Fähigkeit Russlands aufwirft, strategische Standorte tief im Landesinneren zu schützen“, erklärte indes das britische Ministerium, das täglich offizielle Einschätzungen zum Kriegsgeschehen abgibt. Weswegen der Kreml London – ohne Beweise – eine gezielte Desinformationskampagne vorwirft.

Ukraine-Krieg: Angriff in Russland mit „helikopterähnlicher Drohne“?

Das britische Ministerium verwies seinerseits auf russische Angaben, wonach der Angriff mit einer „helikopterähnlichen Drohne“ geflogen worden sei. „Wenn dies zutrifft, unterstreicht dies die Einschätzung, dass einige Drohnen-Angriffe auf russische Militärziele vom russischen Territorium aus gestartet werden“, hieß es aus Großbritannien weiter. Denn solche Drohnen hätten in der Regel nicht genügend Reichweite, um über die ukrainische Grenze bis nach Solzy zu gelangen, erklären die Briten ihre Einschätzung in einem Tweet.

„Helikopterähnlich“ deutet indes darauf hin, dass nicht die Kamikaze-Drohne „Biber“ für den Angriff verantwortlich sein soll, mit der die Ukrainer am 30. und 31. Juli angeblich Hochhäuser des Stadtviertels Moskau-City mitten in der russischen Hauptstadt beschädigt hatten, wobei es keine Verletzte gegeben haben soll. Moskau liegt im Schnitt ebenfalls rund 650 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Ukraine-Krieg: Woher kommen die Angriffe auf russische Luftwaffenstützpunkte?

Über den „Biber“ ist bislang wenig bekannt, die Drohne soll allerdings der im Iran hergestellten Shahed-Drohne ähneln, wie Justin Bronk, leitender Forscher der in London ansässigen Denkfabrik Royal United Services Institute, dem amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek erklärt hatte. Die Shaded hat wiederum keine Propeller, wie beispielsweise bei Hubschraubern. Bereits an Weihnachten 2022 wurde der russische Luftwaffenstützpunkt Engels laut Kreml von einer ukrainischen Drohne angegriffen. Dabei soll es drei Tote gegeben haben.

Engels, das ebenfalls Langstreckenbomber beherbergt, liegt bei Saratow sogar rund 870 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Kommen die Angriffe von russischem Boden selbst, während in Russland wohl die Zweifel am Ukraine-Krieg wachsen? (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / StockTrek Images

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