„Einer muss sich bewegen“

Ukraine-Gipfel bei Trump: Wadephul verlangt Putins Einlenken bei Waffenstillstand

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Beim ersten Besuch in Japan bespricht der deutsche Außenminister das Washington-Treffen zur Ukraine. Er richtet zusätzlich eine Botschaft an Putin.

Yokosuka – Außenminister Johann Wadephul (CDU) fordert von Kremlchef Wladimir Putin, als Bedingung für das geplante Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, einem Waffenstillstand zuzustimmen. Nach dem konstruktiven Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Selenskyj, Kanzler Friedrich Merz und anderen europäischen Staats- und Regierungschefs im Weißen Haus am Montag (18. August) „muss sich einer bewegen. Und das ist Präsident Putin“, zitiert die Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA, die den Außenminister auf seiner Reise nach Japan begleitet hat.

Außenminister zum Ukraine-Gipfel: Trump und EU stehen für Sicherheitsgarantien im Ukraine-Krieg bereit

Ein Friedensabkommen erfordere starke Sicherheitsgarantien für die Ukraine, betonte Wadephul. „Dazu sind wir und die Amerikaner bereit. Klar bleibt auch: Die Waffen müssen endlich schweigen.“ Auf die Frage nach der Gestaltung solcher Garantien antwortete er: „Wir stehen gemeinsam mit den Vereinigten Staaten als europäische Partner bereit, diese Sicherheitsgarantien auszubringen und auch wirksam werden zu lassen.“ Zunächst sei jedoch Putins Bereitschaft erforderlich, „wirklich substanziell zu verhandeln und vor allen Dingen einen Waffenstillstand einzugehen“.

Ukraine-Verhandlungen in Washington: Trump-Gipfel mit Merz und Co. in Bildern

Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus.
Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus. Auf Einladung Donald Trumps verhandelt der ukrainische Präsident dort über einen möglichen Frieden im Krieg mit Russland. © afp
Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg
Der Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg wurde in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Noch vor wenigen Tagen war nichts über ein Treffen Trumps mit Selenskyj bekannt gewesen. © imago
Trump und Putin in Alaska
Dem Treffen Trumps mit Selenskyj ging der historische Gipfel des US-Präsidenten mit Russlands Machthaber Wladimir Putin in Alaska zuvor. Die beiden Staatsoberhäupter berieten im nördlichsten US-Bundesstaat über den Ukraine-Krieg und einen möglichen Frieden. © afp
Ukraine Gipfel in Washington
Die Erwartungen an den Ukraine-Gipfel sind so hoch wie die Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wird. Ursache sind unter anderem Selenskyjs letzter Besuch im Weißen Haus und die Dynamik, die seit Trumps Treffen mit Putin in die Ukraine-Verhandlungen gekommen zu sein scheint. © dpa
Selenskyj bei Trump
Im Gegensatz zum letzten Treffen Trumps mit Selenskyj im Weißen Haus war die Atmosphäre diesmal deutlich besser. Endete der letzte Auftritt noch im hitzigen Wortgefecht und im diplomatischen Debakel, waren beide diesmal um eine freundliche Beziehung bemüht. © afp
Selensky und Trump im Oval Office
Brian Glenn, Journalist beim rechtsextremen Sender Real America, hatte Wolodymyr Selenskyj beim letzten Besuch noch für seine Kleidung kritisiert. Der ukrainische Präsident erschien damals in einem Millitär-Pullover. Diesmal trug Selenskyj Anzug und Hemd. „Sie sehen in diesem Anzug fantastisch aus“, kommentierte Glenn Selenskyjs Outfit. Mit seiner Antwort hatte der ukrainische Präsident die Lacher auf seiner Seite. „Sie tragen denselben Anzug. Ich habe mich umgezogen, Sie offenbar nicht“, so Selenskyj. © afp
Vance im Oval Office
Am Treffen mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office nahmen neben Trump US-Außenminister Marco Rubio (r.) und Vizepräsident JD Vance teil. Der hatte den ukrainischen Präsidenten beim letzten Besuch im Weißen Haus noch attackiert und ihm Undankbarkeit vorgeworfen. © afp
Pete Hegseth
Ein weiterer Vertreter der Regierung Trumps beim Besuch Wolodymyr Selenskyjs: Verteidigungsminister Pete Hegseth. © imago
Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus
Nicht nur Wolodymyr Selenskyj reiste spontan nach Washington, DC. Unterstützung erhielt er beim Treffen mit Donald Trump von einer großen Delegation aus Europa. Hier kommt die Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus an. © imago
Meloni bei Trump
Meloni gilt als politische Verbündete Donald Trumps. Wie der Rechtspopulist in den USA setzt Italiens Ministerpräsidentin und Chefin der rechtsextremen Partei „Fratelli d‘Italia“ auf harte Abschiebepolitik und geschlossene Grenzen. In Sachen Ukraine-Krieg steht Meloni aber fest an der Seite Selenskyjs und ihrer europäischen Begleiter. © afp
Emmanuel Macron in Washington
Donald Trumps Protokollchefin Monica Crowley begrüßt Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron an der Tür des Weißen Hauses. Diese Rolle hat in der Vergangenheit bei solchen Besuchen Melania Trump übernommen. Von der First Lady war beim heutigen Ukraine-Gipfel aber zunächst nichts zu sehen. © afp
Ukraine-Treffen in Washington
Hier begrüßt Crowley Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Weißen Haus. © dpa
Alexander Stubb in Washington
Der wohl überraschendste Name auf der Liste der europäischen Delegation bei Trumps Gipfel gehört wohl Alexander Stubb. Finnlands Präsident dürfte aber eine Schlüsselrolle beim Versuch zukommen, Trump von Europas Position im Ukraine-Krieg zu überzeugen. Sein Land teilt sich mehr als 1.300 Kilometer Landgrenze mit Russland. Stubb dürfte die Aufgabe zukommen, Trump davon zu überzeugen, dass bei den Verhandlungen mit Russland nicht nur die Zukunft der Ukraine, sondern die Sicherheit Europas auf dem Spiel steht. © afp
Merz bei Trump
Mit von der Partie in Washington, DC ist Friedrich Merz. Dem Bundeskanzler wurde nach seinem letzten Besuch bei Donald Trump ein guter Auftritt attestiert. Diesmal will der CDU-Chef Wolodymyr Selenskyj bei seinen Verhandlungen über Frieden im Ukrainekrieg unterstützen. © afp
Merz bei Trump in Washington
Gegenüber der ARD bezeichnete Merz, hier bei der Ankunft am Weißen Haus, die Entwicklungen nach dem Treffen Trumps und Putins als „Licht und Schatten“. Der Bundeskanzler übte geschickt verpackte Kritik am US-Präsidenten. „Die Presse in Russland jubelt. Ein bisschen weniger wäre auch gut gewesen“, so der CDU-Chef in der Tagesschau. © afp
Ukraine Trump
In ähnlicher Besetzung hatte eine Delegation aus Europa in Sachen Ukraine-Krieg schon einmal Kontakt zu Donald Trump aufgenommen. Damals waren Keir Starmer, Emmanuel Macron, Polens Ministerpräsident Donald Tusk und Friedrich Merz in die Ukraine gefahren. Gemeinsam mit Wolodymyr Selenskyj berieten sie telefonisch mit Trump © imago
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer scheint frohen Mutes, als er zum Ukraine-Gipfel bei Donald Trump eintrifft. © dpa
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg
Die Europäische Union (EU) vertritt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg in Washington, DC. Von der Leyens letzter Besuch bei Trump endete mit einem Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. © dpa
Von der Leyen und Selenskyj
Kurz vor dem Ukraine-Gipfel mit Trump in Washington, DC empfing Ursula von der Leyen Wolodymyr Selenskyj in Brüssel. Dort beriet die EU-Kommissionspräsidentin sicherlich auch das gemeinsame Vorgehen mit dem Präsidenten der Ukraine. © imago
Ukraine Gipfel in Washigton
Die große Runde in Washington, DC zum Ukraine-Gipfel versammelt: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der britische Premier Keir Starmer, die Präsidenten Alexander Stubb (Finnland), Wolodymyr Selenskyj (Ukraine), Donald Trump (USA), Emmanuel Macron (Frankreich) stellen sich mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz und Nato-Generalsekretär Mark Rutte (v.l.n.r.) zum Gruppenbild auf. © afp
Macron und Trump in Washington
Bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz verteilte Donald Trump Komplimente in alle Richtungen. Sein Treffen mit Wolodymyr Selenskyj sei wunderbar gewesen. Friedrich Merz als Freund zu haben, sei eine „große Ehre“ für ihn, so der US-Präsident. Über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (im Bild) sagte Trump: „Ich mag ihn seit dem ersten Tag. Und ich mag ihn immer noch. Das ist ungewöhnlich.“ © afp
Meloni bei Trump in Washington
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte Donald Trump „eine großartige Führungspersönlichkeit, die viele inspiriert“. Sie habe „trotz ihres jungen Alters schon viel erreicht“, so Trump über die Rechtspopulistin. „Sie regiert auch schon eine ganze Zeit lang. Andere haben nicht so lange durchgehalten wie sie“, scherzte der US-Präsident über seine Kollegin aus Italien, das berühmt ist für seine häufigen Regierungswechsel. © afp
Vance und Starmer
JD Vance im Gespräch mit dem britischen Premier Keir Starmer. Der Vizepräsident war erst vor kurzem zum Urlaub auf den britischen Inseln. Sein Besuch im südenglischen Cotswolds löste Protest der heimischen Bevölkerung aus. © afp
Merz nach Treffen mit Trump
Nach dem ersten Gespräch mit Donald Trump beim spontanen Ukraine-Gipfel im Weißen Haus zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz sich optimistisch. Der Weg sei „offen für komplizierte Verhandlungen“. Vom US-Präsidenten forderte Merz, den Druck auf Wladimir Putin zu erhöhen. Der Kanzler wiederholte außerdem die Forderung der europäischen Vertreter nach einer Waffenruhe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein weiteres Treffen ohne eine Waffenruhe stattfinden kann“, stellte Merz klar. © dpa
Selenskyj und Trump nach Treffen im Weißen Haus
Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den vorangegangenen Austausch mit Donald Trump als „sehr gute Unterhaltung“. Man habe über „viele sensible Dinge“ gesprochen, so der ukrainische Präsident. Trump wiederum kündigte bereits ein Dreiertreffen zwischen ihm, Selenskyj und Russlands Präsidenten Wladimir Putin an. Die Frage sei „nicht, ob, sondern wann“ ein solcher Gipfel stattfinden würde. © afp

„Ich halte es für einen entscheidenden Schritt, dass es gestern gelungen ist, noch einmal auch mit dem amerikanischen Präsidenten zu dem Ergebnis zu kommen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich an diesen Sicherheitsgarantien beteiligen werden“, zitiert die Frankfurter Rundschau den Außenminister. Das sei sozusagen eine Grundvoraussetzung dafür, dass sie wirksam sein können.

Die Sicherheitsgarantien müssten so gestaltet sein, „dass die Ukraine sich darauf verlassen kann, sicher zu sein und nicht erneut angegriffen zu werden“, sagte Wadephul. „Dann wird die Ukraine sehr sorgfältig darüber nachzudenken haben, welche Verhandlungen sie führt und welches Ergebnis sie akzeptieren kann.“

Wadephul zum möglichen Einsatz der Bundeswehr in der Ukraine: Beteiligung erfordert Bundestagsmandat

Kanzler Merz hatte zu den Verhandlungen im Ukraine-Krieg gesagt, dass Deutschland in hoher Verantwortung wäre und auch ein mögliches Bundestagsmandat ins Gespräch gebracht. Zum Hintergrund: Ein Bundestagsmandat bedeutet, dass die Bundeswehr nur mit Zustimmung des Bundestages ins Ausland geschickt werden darf. Die Regierung kann das nicht allein entscheiden – das Parlament muss vorher abstimmen und zustimmen.

Ukraine-Gipfel mit Trump und Selenskyj in Washington: Die Teilnehmer aus Europa

  • Friedrich Merz, Bundeskanzler
  • Ursula von der Leyen, EU-Kommissionschefin
  • Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich
  • Giorgia Meloni, italienische Regierungschefin
  • Keir Starmer, britischer Premierminister
  • Alexander Stubb, Präsident von Finnland
  • Mark Rutte, Nato-Generalsekretär

Das ist ein wichtiger demokratischer Schutz: Über Kriegseinsätze entscheidet nicht nur die Regierung, sondern das gewählte Parlament. In der Ukraine-Diskussion würde das bedeuten, dass der Bundestag über mögliche deutsche Friedenstruppen abstimmen müsste, bevor Soldaten entsandt werden könnten. Auf die Frage, wie diese Sicherheitsgarantien Deutschlands aussehen könnten, eventuell über eine Luftraumüberwachung oder Peacekeeping-Kräfte antwortet Wadephul nicht direkt.

Wadephul sagte nur, wenn Kanzler Merz in diesem Zusammenhang über ein mögliches Bundestagsmandat spreche, sei dies selbstverständlich. „Jede mögliche Beteiligung Deutschlands setzt auf jeden Fall eine Mandatierung voraus“, sagte Wadephul. Er fügte hinzu: „Aber da sind wir noch lange nicht.“ Es komme nun auf Sorgfalt und Verlässlichkeit an. 

Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland: Außenminister sieht erstmal Waffenstillstand als Priorität

Ebenfalls im Weißen Haus am Montag (18. August) waren auch die möglichen Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland Thema. Russland forderte stets, dass die Ukraine für einen Waffenstillstand den Verlust eigener Gebiete anerkennen solle. Die annektierten ukrainischen Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson werden seit 2022 in der russischen Verfassung als neue Regionen aufgeführt.

Nach dem Ukraine-Gipfel: Wadephul verlangt von Putin Zustimmung zu Waffenstillstand

Im Interview in Japan antwortet Wadephul auf die Frage der möglichen Gebietstausche etwa im Donbas zu Flüchtlingsbewegungen führen könnte, und wenn ja, wie sich Deutschland und die EU darauf einstellen würden, ausweichend: „Zunächst einmal noch mal: Grundvoraussetzung dafür, dass die Ukraine überhaupt derartige Verhandlungen eintreten kann, ist ein Waffenstillstand. Weitere Grundvoraussetzung ist, dass wirklich die Sicherheitsgarantien so wirksam sind, dass die Ukraine sich darauf verlassen kann, sicher zu sein und nicht erneut angegriffen zu werden.“

Es sei noch ein langer, schwerer Weg, Aber: „In der Tat: Es gibt das erste Mal eine ernsthafte Chance, dass dieser schreckliche Krieg, der ja zum Teil tagtäglich eine vierstellige Zahl von Opfern fordert, zu einem Ende gebracht werden kann. Und dafür lohnt jeder Einsatz.“ (bg/dpa)

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