- VonJennifer Battagliaschließen
Über einen traditionellen Eintopf herrscht seit Jahren Streit zwischen Russland und der Ukraine. Eine Sprecherin verleitete das kürzlich zu grotesken Aussagen im Ukraine-Konflikt.
München — Ausgebombte Städte, zerstörte Existenzen, getöteten Zivilisten. Täglich erreichen erschütternde Bericht aus dem Ukraine-Konflikt Deutschland. Der Angriffskrieg von Russlands Präsident Putin auf seinen osteuropäischen Nachbarn lässt viele fassungslos und ohnmächtig zurück.
In Anbetracht dessen können jüngste Aussagen der Sprecherin des russischen Außenministeriums grotesk und surreal wirken. Maria Sacharowa äußerte sich zur „Ausländerfeindlichkeit“, dem „Nazismus“ und dem „Extremismus“ der Ukrainer. Diese Eigenschaften machte die 46-Jährige just am Umgang der Ukraine mit einem traditionellen Suppengericht fest, das die Ukrainer angeblich für sich beanspruchen.
Ukraine-Konflikt: Um den traditionellen Eintopf „Borschtsch“ herrscht seit Jahren Streit
Es handelt sich dabei um die „Borschtsch“ genannte Suppe. Darin enthalten sind üblicherweise Rote Beete und Weißkohl, wobei es unzählige Varianten des traditionellen Eintopfs gibt. 2019 war zwischen Russland und der Ukraine ein Streit entbrannt, ob das Gericht nun russischer oder ukrainischer Herkunft ist. Ein offizieller Twitter-Account Russlands hatte das Gericht laut MDR für sich beansprucht. Dort hieß es: „Borschtsch ist eine der bekanntesten Speisen Russlands“.
Die Reaktion der Ukraine ließ damals nicht lange auf sich warten. Wie ebenfalls der MDR berichtete, stieß der ukrainische Starkoch Ievgen Klopotenko eine Initiative an, um zu verhindern, dass „Borschtsch“ zur russischen Küche gerechnet wird. Er gründete eine NGO mit Namen „Institut der ukrainischen Kultur“ und schickte Freiwillige in der gesamten Ukraine auf Suche nach Rezepten.
Ukraine-Konflikt: Der Umgang mit dem Eintopf zeige die „Fremdenfeindlichkeit“ der Ukraine
Ziel war es, den Suppeneintopf von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Ukraine anerkennen zu lassen. Dazu wollte man im März 2021 einen Antrag einreichen. Ob dies geschehen ist, ist nicht bis nach Deutschland durchgedrungen. Jedoch steht „Borschtsch“ bis heute (Stand April 2022) nicht auf der Liste.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums nahm diese Vorgeschichte nun als Beispiel für die „Ausländerfeindlichkeit“ und den „Nazismus“ der Ukrainer. Sacharowa behauptete, dass in der Ukraine russische Kochbücher verboten worden seien. Es sei für Ukrainer „unmöglich, dass Borschtsch geteilt werden sollte und jede Hausfrau in jeder Region das Gericht auf ihre eigene Weise zubereiten kann, nein! Sie wollten keinen Kompromiss schließen. Darüber reden wir die ganze Zeit. Über die Ausländerfeindlichkeit, den Nazismus, den Extremismus in allen Formen.“
In den sozialen Netzwerken erntete der Auftritt der Sprecherin viel Spott. Der User und Journalist Julian Hans schrieb beispielsweise: „Natürlich bleibt da keine andere Wahl, als mit Bomben zu antworten.“ Andere Nutzer fragten sich, ob Sacharowa betrunken gewesen sei.
Heute lernen wir von der Sprecherin des russischen Außenministeriums, dass die Ukrainer Nazis sind, weil sie darauf bestanden haben, dass der Borschtsch ihr Nationalgericht ist (natürlich bleibt da keine andere Wahl, als mit Bomben zu antworten).
— Julian Hans (@juli_anh) April 8, 2022
Via @novayagazeta_eu pic.twitter.com/zhVdJa1HST
Ukraine-Konflikt: „Esst Borschtsch — Rettet die Ukraine“
Mit dem Slogan „Esst Borschtsch — Rettet die Ukraine“ hatte Ende März eine ukrainische Starköchin für Aufsehen erregt. Wie RTL berichtet, hatte sich die Köchin Olga Martynovska, die mit ihrer sechsjährigen Tochter aus der Ukraine nach Prag geflohen war, eine besondere Spendenaktion überlegt.
Die Spitzenköchin kochte das Traditionsgericht „Borschtsch“ auf dem Bauernmarkt am Prager Náplavka-Damm. Die Aktion kam bei Passanten gut an. Eine Frau in der Schlange sagte laut RTL: „Ich liebe Borschtsch und ich unterstütze die ukrainische Armee, weil ich glaube, dass sie Europa und die ganze Welt beschützen.“ (jb)