VonAndreas Apetzschließen
Ein ukrainischer Soldat berichtet über die Erfahrungen während seiner Militärausbildung in Deutschland. Sein Urteil fällt ernüchternd aus.
Hammelburg – In Deutschland sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs 5.000 ukrainische Soldatinnen und Soldaten ausgebildet worden. Wie ein Sprecher des Trainingskommandos unter Leitung der Bundeswehr im Juli mitteilte, könnten dieses Jahr bis zu 5.000 weitere folgen. „Für die Ukrainer ist klar: Ausbildung ist überlebenswichtig“, so Oberleutnant Heiko Diehl über die Zusammenarbeit mit den Streitkräften der Ukraine. Doch nicht alle Soldaten scheinen von der Ausbildung begeistert zu sein.
„Problematisches Thema“: Keine Drohnen-Ausbildung für ukrainische Soldaten
Ein ukrainischer Soldat berichtete auf der Plattform Twitter über den 40-tägigen Lehrgang in Deutschland. Sein Fazit fällt enttäuschend aus: Er berichtet von veralteten Kampfstrategien des US-Militärs und altmodischen Technologien aus Deutschland. Besonders die von den Ukrainern viel benutzte Drohne kam im Training gar nicht zum Einsatz. „Wir haben sofort darum gebeten, bei diesen Übungen Drohnen starten zu dürfen“, so der Soldat. Doch vergebens, denn in Deutschland wird für den Start einer Drohne die entsprechende Zulassung benötigt.
Тред про навчання в Німеччині. Частина 1
— Рядовий Шутнік 2.0 (@WT3ll) July 12, 2023
Розкажу про них з точки зору простого солдата. Тоді я був у відділенні БПЛА, взводу розвідки, одного з батальйонів.
Наша бригада направляється на закордонні навчання для опанування нової техніки та бойового злагодження. pic.twitter.com/3H8r5SGmsV
„Das war ein sehr problematisches Thema, denn in Deutschland braucht man für den Start einer Drohne eine Genehmigung und einen Pilotenschein“, fügt er hinzu. Die Ausbilder hätten versprochen, sich dafür einzusetzen, dass die Drohnen schon bald im Ausbildungstraining verwendet werden dürfen. „Unsere Vögel blieben in den Rucksäcken“, schrieb der Soldat. Experten fordern seit langem den verstärkten Einsatz von Drohnen in der Bundeswehr.
Wenig Technik, viel Papier: Ausbildung in Deutschland irritiert Soldaten
Der Einsatz von Drohnen ist im Ukraine-Konflikt zum integralen Baustein der Kriegsführung beider Parteien geworden. Seit Beginn des Jahres ist es ein Wechselspiel um die Lufthoheit über den Kampfgebieten. Während Russland seine Drohnen offensiv nutzt, um kritische Infrastruktur anzugreifen und die Bevölkerung zu terrorisieren, greift die Ukraine damit überwiegend militärische Ziele an.
Drohnen dienen zudem der militärischen Aufklärung. Das Ausspähen feindlicher Positionen gehört zum Alltag für die Soldaten im Ukraine-Krieg. Während der Ausbildungslehrgänge in Deutschland wollten die Ukrainer neue Techniken für den Drohneneinsatz lernen. Doch die Bundeswehr setzte dabei eher auf ein Training mit Landkarten aus Papier: „Eine Woche lang wurde uns beigebracht, Karten zu lesen, die Koordinaten zu spiegeln“, so der Soldat auf Twitter. „Als wir ihnen sagten, dass wir elektronische Karten auf Tablets und Handys benutzen, nahmen sie uns nicht ernst.“
US-Militär soll altmodische Kriegs-Taktiken schulen
Die Ausbildung der ukrainischen Kräfte ist vergleichsweise stark auf das Wesentliche verkürzt. Das Erlernte soll schnell auf dem Gefechtsfeld angewendet werden können, heißt es auf der Homepage der Bundeswehr. Dabei stehen neben den technischen Grundlagen auch das Erlernen neuer Taktiken im Mittelpunkt, „damit die Ukrainer eine größtmögliche Wirkung gegen ihren Gegner erzielen können.“
Dennoch fiel das Fazit des ukrainischen Soldaten nach mehreren Wochen taktischen Trainings mit den Amerikanern ernüchternd aus. Obwohl die USA als stärkste Streitmacht der Welt gilt, würden die altmodischen Methoden deutlich zeigen, „dass die Amerikaner, abgesehen von den Kriegen im Irak, in Afghanistan, Syrien usw., schon lange nicht mehr an einem ernsthaften Krieg beteiligt waren“.
Bislang 24.000 ukrainische Soldaten in der EU ausgebildet
Nach dem russischen Einmarsch vor mehr als 16 Monaten haben mehrere EU-Staaten – darunter Deutschland – mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten begonnen. Tausende weitere Ukrainer sind auch in den USA, Kanada, Großbritannien und Norwegen auf Kampfeinsätze vorbereitet worden. Mit der Ausbildung an westlichen Waffensystemen und in moderner Taktik soll die ukrainische Armee befähigt werden, die russischen Besatzer vom eigenen Staatsgebiet zu vertreiben. Laut Angaben aus Kiew sind bislang etwa 24.000 Soldaten in den Staaten Europäischen Union ausgebildet worden.
Im April hatte Deutschland der Ukraine zudem das Flugabwehrsystem Patriot zur besseren Verteidigung gegen russische Luftangriffe übergeben. Die Bundeswehr hatte auch die Ausbildung von Soldaten in einem Schnellprogramm übernommen. Patriot zählt zu den modernsten Flugabwehrsystemen der Welt. Damit können feindliche Flugzeuge, ballistische Raketen und Marschflugkörper bekämpft werden. (aa/afp)
Rubriklistenbild: © LIBKOS/dpa

