Krieg in der Ukraine

Ukraine-Krieg: Westlicher „Überlegenheitskomplex“ – Lawrow erhebt schwere Vorwürfe

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  • Stephanie Munk
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In der Nähe der Hafenstadt Sewastopol auf der Krim kommt wohl zu einer Explosion. Lawrow kritisiert den Westen scharf. News-Ticker zur Lage im Krieg.

Hinweis der Redaktion: Dieser Ticker ist beendet. Über die aktuelle militärische Lage im Ukraine-Krieg informieren wir in unseren neuen News-Ticker.

Update vom 20. September, 20.20 Uhr: Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat den westlichen Staaten im UN-Sicherheitsrat schwere Vorwürfe gemacht. In der Rhetorik der westlichen Gegner Russlands höre man die Slogans „Invasion“, „Aggression“, „Annexion“ und nicht ein Wort über die Ursachen der Probleme, sagte Lawrow am Mittwoch im UN-Sicherheitsrat in New York. Er äußerte sich im Rahmen einer langen geschichtlichen Abhandlung über die Entwicklungen auf der von seinem Land 2014 besetzen Krim und den darauf folgenden Verhandlungen mit dem Westen. Es scheine, als ob man Angst vor Fachdiskussionen habe, sagte Lawrow, der dem Westen Demagogie vorwarf.

Lawrow warf dem Westen einen „Überlegenheitskomplex“ vor. Von Fall zu Fall greife der Westen selektiv auf Normen und Prinzipien zurück, „ausschließlich auf der Grundlage seiner engstirnigen geopolitischen Bedürfnisse“. Dies habe zu einer Erschütterung der globalen Stabilität sowie zur Verschärfung und Entstehung neuer Spannungsherde geführt. „Die Risiken globaler Konflikte sind gestiegen“, anstatt sie einzudämmen und die Dinge auf einen friedlichen Weg zu bringen, sagte der russische Außenminister.

Sergej Lawrow, Aussenminister von Russland, nimmt an der Sitzung des UN Sicherheitsrat zum Thema Ukraine teil.

Waffen für die Ukraine – Biden soll Donnerstag neues Hilfspaket präsentieren

Update vom 20. September, 17.20 Uhr: Waffenhilfe für die Ukraine: US-Präsident Joe Biden soll Medienberichten zufolge am Donnerstag ein neues Unterstützungspaket für Kiew verkünden. Demnach wollen die USA auf die Lieferung der Langstrecken-Raketen ATACMS-Raketen und ATGM verzichten und stattdessen eher Minenräum-Ausrüstung, mehr Streumunition sowie gepanzerte Fahrzeuge und Panzerabwehrausrüstung transferieren, um russische Hubschrauber zu zerstören. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. In der US-Regierung sei die Erkenntnis gewachsen, dass man sich zunächst auf die Beseitigung der Minenfelder konzentrieren müsse, um der Ukraine-Offensive zum Durchbruch zu verhelfen, hieß es.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Update vom 20. September, 16.23 Uhr: Die Ukraine kann einen bemerkenswerten Erfolg in ihrer Offensive verbuchen: Im letzten Jahr wurde der Ukraine durch eine Crowdfunding-Kampagne ein Satellit zur Verfügung gestellt – und laut dem ukrainischen Militärgeheimdienst (HUR) bringt dieser Satellit den Streitkräften des Landes „zahlreiche Vorteile“. Das berichtet die Kyiv Independent. Der ICEYE-Satellit ermöglicht es der Ukraine, „täglich entscheidende Informationen für militärische Operationen zu erhalten“. Berichten zufolge hat diese Technologie sogar bei dem Drohnenangriff auf den Hafen von Sewastopol auf der Krim eine entscheidende Rolle gespielt. Während dieses Angriffs gelang es der Ukraine, ein Landungsboot und zwei U-Boote der russischen Marine zu zerstören.

Gegenoffensive der Ukraine: Drohnen-Angriff auf russische Lager auf der Krim

Update vom 20. September, 15.05 Uhr: Die Ukraine macht weiter Druck auf den Frontverlauf: Im Zuge ihrer Gegenoffensive haben ukrainische Einheiten auch wieder russische Militärstützpunkte auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim mit Raketen angegriffen. Die Folgen der Attacken würden später veröffentlicht, teilte der Sprecher des Militärgeheimdienstes in Kiew, Andrij Jussow, laut der Nachrichtenagentur dpa mit. In den sozialen Netzwerken tauchten umgehend Videos auf, in denen Explosionen zu hören und dichte Rauchwolken zu sehen sind. Medienberichten zufolge sollen Ziele im Gebiet der Militärflughäfen Belbek und Katscha angegriffen worden sein. Lokale, russische Behörden sprachen aber davon, dass man alle Angriffe abgewehrt habe.

Angriff hinter der Front: Partisanen greifen Flugplatz bei Moskau mit Drohnen an

Update vom 20. September, 14.03 Uhr: Offensive hinter der Frontlinie: Ukrainische Partisanen haben Russland einen neuen Gegenschlag versetzt. So sollen auf dem streng bewachten Militärflugplatz Tschkalowski bei Moskau zwei Flugzeuge und ein Hubschrauber mit einer Sprengladung zerstört worden sein. Das teilte der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) am Mittwoch bei Telegram mit. Eine schnelle Reparatur der Maschinen vom Typ Mi-28, An-148 und Il-20 sei nicht zu erwarten. Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht. Russland hat die Attacke bislang nicht bestätigt.

Update vom 20. September, 12.54 Uhr: Russlands Präsident Putin wird heute den chinesischen Außenminister Wang Yi zu Gesprächen in St. Petersburg treffen. Dies gab Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bekannt. Wang hält sich zu einem viertägigen Besuch in Russland auf und hat am Montag bereits seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow getroffen.

Zwischenfall bei Ukraine-Offensive: Schwedische Journalisten geraten in Schusslinie an der Front

Update vom 20. September, 12.05 Uhr: Ein schwedisches TV-Team ist im Frontgebiet der Ukraine offenbar von einer russischen Drohne angegriffen worden. Ihr Auto und ihre Kameraausrüstung seien komplett zerstört worden. „Die russische Rakete, die von einer Drohne abgeworfen wurde, die wir gehört haben, schlug in unserem Auto direkt im Kofferraum ein. Zum Glück befand sich niemand im Auto“, sagte Reporter Johan Fredriksson vom Sender TV4.

Frederiksson und der Fotograf Daniel Zdolsek seien bei dem Vorfall unverletzt geblieben, berichtete der Sender auf seiner Webseite. Der lokale Produzent sowie zwei ukrainische Polizisten, die die Journalisten eskortierten, seien dagegen leicht verletzt worden. Das Vorgehen der ukrainischen Polizei habe vermutlich Leben gerettet, schrieb der Sender.

Die beiden kriegserfahrenen Journalisten waren nach Senderangaben in der Region Saporischschja auf dem Weg zu Aufnahmen von der ukrainischen Gegenoffensive, als die Attacke verübt wurde. Die Angaben zum genauen Hergang konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Ukraine-Krieg: Russischer Kampfjet stürzt ab - „könnte technisches Versagen sein“

Update vom 20. September, 11.15 Uhr: Im Westen von Russland ist ein Kampfjet vom Typ Su-34 bei einem Trainingsflug abgestürzt. „Die zweiköpfige Crew des Flugzeugs hat sich herauskatapultiert und wurde zum Heimatflughafen gebracht“, teilte das russische Verteidigungsministerium laut Nachrichtenagentur Interfax mit. Beide Piloten sind demnach wohlauf.

Die Maschine sei im Gebiet Woronesch weitab von einer Ortschaft abgestürzt und habe keine Munition an Bord gehabt. Es gebe keine Schäden am Boden. „Ursache des Absturzes könnte ein technisches Versagen sein“, heißt es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Nähere Details wurden nicht bekannt.

Die Su-34 gilt als moderner Jagdbomber, der zwar noch zu Sowjetzeiten entwickelt wurde, aber erst 2006 in Serienproduktion ging. Insgesamt wurden offiziellen Angaben nach rund 150 Stück produziert.

Russische Armee setzt Luftangriffe fort – Feuer in Ölraffinerie 

Update vom 20. September, 10.00 Uhr: Russlands Luftangriffe auf die Ukraine gehen weiter: 24 Drohnen hat die russische Armee nach Angaben der Ukraine in der Nacht abgefeuert. 17 davon hätten die ukrainischen Truppen zerstört. Es habe sich um Kamikaze-Drohnen vom Typ Schahed-136/131 gehandelt, teilte der ukrainische Generalstab mit.

In der Region Poltawa in der Zentralukraine wurde nach Angaben des örtlichen Gouverneurs bei einem russischen Angriff eine Ölraffinerie getroffen. Dort sei ein Feuer ausgebrochen und die Arbeit vorübergehend unterbrochen worden, teilte Dmytro Lunin im Onlinedienst Telegram mit.

Der Gouverneur der Region Dnipropetrowsk, Serhij Lysak, erklärte, der Bezirk Nikopol sei die zweite Nacht hintereinander angegriffen worden. Mehrere Häuser, Autos und Stromleitungen wurden demnach beschädigt. Ersten Erkenntnissen zufolge gebe es keine Verletzten.

Selenskyj spricht vor UN über „Genozid“ – dann kündigt er „globalen Friedensgipfel“ an

Update vom 19. September, 22.47 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Dienstag bei einem Auftritt vor der UN-Vollversammlung über die Zukunft der Ukraine und forderte die Weltgemeinschaft auf, gemeinsam gegen Russlands vorzugehen. „Wir müssen gemeinsam handeln, um den Angreifer zu besiegen und alle unsere Fähigkeiten und Energie auf die Bewältigung dieser Herausforderungen konzentrieren“, so Selenskyj in seiner Ansprache.

Der Aufritt des ukrainischen Präsidenten war der erste vor der UN-Vollversammlung, seitdem Russland in die Ukraine einmarschiert ist. Es war daher nicht überraschend, dass Selenskyj seine Ansprache nutzte, um mit dem Angreifer hart ins Gericht zu gehen. Weiter warf er dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder Völkermord vor. Den Kindern werde in Russland beigebracht, die Ukraine und damit ihre Familie zu hassen. Alle Verbidungen zur Heimat würden unterbrochen. „Das ist eindeutig ein Genozid.“

Zum Schluss kündigte Selenskyj einen „globalen Friedensgipfel“ an: „Ich lade Sie alle - Sie alle, die keine Aggression tolerieren - ein, gemeinsam diesen Gipfel vorzubereiten.“ Gleichzeitig warnte er Länder vor „zwielichtigen Geschäften“ mit Russland und betonte, der Regierung nicht zu vertrauen.

Russland setzt Luftangriffe fort – Warnung vor „sehr harten Monaten“

Update vom 19. September, 16.27 Uhr: Das deutsche Verteidigungsministerium rechnet offenbar mit „sehr harten“ Monaten, die der Ukraine bevorstehen. Die parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Siemtje Möller, warnte am Rande des Verbündeten-Treffens in Ramstein vor den kommenden Monaten. „die kalt werden, die schlammig werden, die nass werden“. Gleichzeitig betonte sie die Bedeutung des deutschen Beitrags zur Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte. „Deutschland wird bis Ende des Jahres 10.000 ukrainische Soldaten ausgebildet haben“, sagte Möller.

Möller, die den erkrankten Verteidigungsminister Boris Pistorius auf dem Treffen mit den Verbündeten vertreten hatte, erklärte weiter, dass es keine Neuigkeiten mit Blick auf die mögliche Lieferung von Taurus-Raketen gäbe. „Ich kann zu Taurus keinen neuen Sachstand sagen“, betonte sie. „Der Minister hat dazu am Freitag alles gesagt.“ Die von Kiew geforderten Marschflugkörper seien auch bei dem Treffen in Ramstein kein Thema gewesen.

Russland setzt Beschuss fort – Artillerieangriff auf Cherson

Update vom 19. September, 14.52 Uhr: Russland hat den Beschuss ukrainischer Städte auch im Norden und Süden des Landes fortgesetzt, mindestens vier Personen kamen dabei ums Leben. In der südukrainischen Stadt Cherson traf russische Artillerie einen Trolleybus, wodurch nach Angaben lokaler Behörden ein Polizist getötet und zwei Zivilisten verletzt wurden. In der Stadt Kupjansk im Nordosten des Landes starben drei Menschen nach dem Einschlag einer russischen Fliegerbombe.

In der benachbarten Region Sumy wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei weitere Personen durch russischen Beschuss ziviler Gebäude verwundet. In Cherson gab der Militärgouverneur Olexander Prokudin an, dass die Region Cherson innerhalb der letzten 24 Stunden 95 Mal beschossen worden sei. Alleine in der Stadt selbst sollen elf Geschosse niedergegangen sein.

US-Abrams-Panzer bald in der Ukraine

Update vom 19. September, 10.40 Uhr: Die Ankunft von US-Kampfpanzern in der Ukraine steht nach Angaben von US-Verteidigungsminister Lloyd Austin kurz bevor. „Ich freue mich, ankündigen zu können, dass die M1 Abrams-Panzer, die die Vereinigten Staaten zugesagt hatten, bald in die Ukraine geliefert werden“, sagte Austin zu Beginn des Treffens der Ukraine-Kontaktgruppe auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz.

Thema bei dem Treffen hochrangiger Verteidigungspolitiker und Militärvertreter aus aller Welt im sogenannten Ramstein-Format ist unter anderem die seit Juni laufende ukrainische Gegenoffensive im Krieg gegen Russland. Bundesverteidigungsminister Pistorius wird wegen seiner Corona-Erkrankungen nicht an dem Treffen teilnehmen.

Ukraine meldet Luftangriffe und Explosionen in Lwiw

Update vom 19. September, 9.30 Uhr: Die westukrainische Stadt Lwiw (Lemberg) ist am Dienstagmorgen Ziel eines russischen Luftangriffs geworden. Der Einschlag einer Kamikaze-Drohne löste örtlichen Behörden zufolge einen Brand in einem städtischen Lagerhaus aus und verletzte zwei Menschen – einen davon schwer. Lwiw liegt mit dem Auto nur knapp 80 Kilometer östlich der Grenze zum Nato- und EU-Staat Polen.

Auch andere Teile der Ukraine meldeten russische Angriffe – alleine über der südukrainischen Region Mykolajiw wurden nach Angaben der Militärverwaltung im Morgengrauen zehn Drohnen iranischer Bauart vom Typ „Shahed-136/131“ abgeschossen. In der südlichen Stadt Kriwyj Rih traf eine Drohne ein mehrstöckiges Wohngebäude und löste den Behörden zufolge einen Brand aus. Eine weitere Drohne sei abgeschossen worden.

Ukraine schießt 27 russische Drohnen ab

Update vom 19. September, 8.20 Uhr: Die Ukraine ist nach eignen Angaben in den frühen Morgenstunden erneut von Russland mit Drohnen angegriffen worden. 27 der 30 im Iran hergestellten unbemannten Fluggeräte habe man zerstören können, teilt die ukrainische Luftwaffe mit. Außerdem sei eine russische Iskander-Rakete abgeschossen worden.

Ukraine-Krieg: China soll Russland zum Abzug aus der Ukraine bewegen

Update vom 19. September, 6.00 Uhr: Die Außenminister der G7-Staaten fordern China auf, Russland zum sofortigen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aus der Ukraine zu drängen. Man ermutige die Volksrepublik, sich für einen gerechten und anhaltenden Frieden einzusetzen, unter anderem durch einen direkten Dialog mit der Ukraine, heißt es weiter in einer gemeinsamen Erklärung der Außenminister. Sie wird am Rande der anlaufenden UN-Generalversammlung in New York veröffentlicht. China und Russland sind im Zuge des Kriegs näher zusammengerückt. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin demnächst nach Peking reisen könnte.

Ukraine durchbricht wohl wichtige Verteidigungslinie

Erstmeldung: Kiew – Die ukrainischen Streitkräfte haben die erbittert verteidigte russische Verteidigungslinie nahe Bachmut durchbrochen. Das berichtet die Zeitung Ukrainska Pravda und beruft sich dabei auf eine Mitteilung des Kommandeurs der ukrainischen Bodentruppen, Oleksandr Syrskyi. Demnach hätten die Russen nach dem Verlust ihrer Stellungen in den Ortschaft Andriivka und Klischtschijiwka versucht, von verschiedenen Seiten aus zahlreiche Gegenangriffe durchzuführen und die Frontlinie mit allen zur Verfügung stehenden Reserven zu schließen.

Die verlorenen Dörfer waren für die russischen Defensivkräfte von entscheidender Bedeutung. Die Russen wurden dem Bericht zufolge dabei regelrecht aufgerieben und sollen laut Syrskyi einige ihrer best-trainierten Einheiten verloren haben, darunter die 72. motorisierte Schützenbrigade und die 31. sowie die 83. Luftangriffsbrigade.

Syrskyi erklärte, dass die Situation an der Ostfront insgesamt weiterhin kompliziert sei. Die Russen versuchten weiterhin, die Offensivaktionen an den Fronten Kupjansk und Lyman wieder aufzunehmen und bereiten sich aktiv darauf vor. In der Gegend um Bachmut werde weiterhin erbittert gekämpft. Sysrkyi zeigt sich allerdings optimistisch: „Natürlich schreiten wir weiter voran. Dies ist nur ein weiterer Schritt zur vollständigen Befreiung unserer Gebiete.“ (Mit Agenturmaterial)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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