Atomare Gefahr

Polens Präsident glaubt nicht an Atomschlag – fürchtet aber um AKW Saporischschja

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Immer wieder droht Russland mit Atomwaffen. Polens Präsident Duda hält im Ukraine-Krieg ein anderes Szenario jedoch für wahrscheinlicher. Die nukleare Gefahr bleibt jedoch.

Warschau – Atombomben zählen zu den gefährlichsten Waffen der Welt. Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine droht Russland immer wieder mit dem Einsatz von atomaren Sprengkörpern. Zuletzt drohte der Vize-Chef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, über Telegramm mit einem nuklearen Angriff.  

Dass Wladimir Putin im Ukraine-Krieg zu einem Atomschlag greifen wird, hält der polnische Präsident Andrzej Duda jedoch für unwahrscheinlich, wie er zuletzt gegenüber der Washington Post sagte. Der 51-Jährige warnte allerdings vor einer anderen atomaren Gefahr.

Atomschlag durch Russland: Duda hält ein anderes Szenario für wahrscheinlicher

Der polnische Präsident sieht das Atomwaffenarsenal von Russland nicht nur in der Hand Putins. „Ich glaube, dass das Atomwaffenarsenal in Russland unter der kollektiven Kontrolle vieler Menschen steht – und dass dies nicht nur im alleinigen Ermessen Wladimir Putins liegt“, so Duda gegenüber der Washington Post. Die Gefahr einer Explosion in einem der Kernkraftwerke in der Ukraine hält er für viel wahrscheinlicher.

Das Kernkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine, steht beispielsweise seit März 2022 unter russischer Kontrolle. Immer wieder entfachen Meldungen aus dem Kraftwerk die Angst vor einem Atomaren Zwischenfall.

Erst am Donnerstag (10. August) meldete der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko, dass das Kraftwerk nur noch über eine Notstromleitung versorgt werde, wie der osteuropäische Sender Radio Free Europe schreibt. Die Internationale Atomenergie Behörde (IAEA) teilte ebenfalls mit, dass die der Hauptstromleitung „weiterhin unterbrochen“ bleiben wird.

Ukraine: IAEA warnt vor „prekärer Sicherheitslage“

Die „wiederholten Unterbrechungen der Stromleitungen, unterstreichen die anhaltend prekäre nukleare Sicherheitslage in der Anlage“, warnte zuletzt der IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi. Derzeit wird der Reaktorblock 4 des Kraftwerks abgeschaltet. Zuvor wurde dort ein Kühlwasserleck entdeckt. Laut der IAEA kam es bisher jedoch zu keiner „radiologischen Freisetzung in die Umwelt“.

„Ich fürchte, es ist wahrscheinlicher, dass etwas passieren könnte, das wie ein nuklearer Unfall aussieht“, sagte Präsident Duda zu der nuklearen Gefahr, die von Russland ausgeht. Weiter verwies der 51-Jährige gegenüber der Washington Post auf die Atomkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Damals sei Russland ein Atomkraftwerk „in den eigenen Händen explodiert“. Zu dieser Zeit war das heutige Staatsgebiet der Ukraine, auf dem sich das Kraftwerk befand, Teil der Sowjetunion. (Lucas Maier)

Rubriklistenbild: © Dmytro Smolienko/IMAGO-Images

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