Russischer Exil-Oppositioneller

Putin-Sturz wegen Ukraine-„Fehlkalkulation“? Nawalny-Vertrauter hat Rat für den Westen

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Leonid Wolkow
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Der russische Oppositionelle Leonid Wolkow attestiert Putin drastische Fehler und hält einen Regimewechsel für möglich. Auch andere Experten hinterfragen Putins Position im Kreml.

Genf - Der russische Exil-Oppositionelle Leonid Wolkow hat Wladimir Putin bezüglich des eskalierten Ukraine-Konflikts eine verheerende Fehlkalkulation bescheinigt: „Putin hat eindeutig seine Amtszeit verkürzt“, sagte Wolkow, ein Vertrauter des in Russland inhaftierten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Es sei offensichtlich, dass Putin sich im Ukraine-Krieg „verkalkuliert“ habe und die Invasion des Nachbarlandes zum Scheitern verurteilt sei.

Ukraine-Krieg: Putin habe seine Herrschaft selbst gefährdet

Durch seine Entscheidung für eine Invasion in der Ukraine habe Putin „dramatisch die Wahrscheinlichkeit eines Szenarios verringert, in dem er einfach im Kreml bleibt, bis er stirbt“, so wie der langjährige Staatschef es eigentlich „geplant“ habe. Das sagte Wolkow am Rande des Gipfels für Menschenrechte und Demokratie in Genf. Dem Oppositionellen zufolge ist Putin bisher einigermaßen erfolgreich darin, „sein Propaganda-Narrativ“ zum Ukraine-Krieg über die russischen Staatsmedien zu „verkaufen“. Die russischen Eliten seien aber bereits „sehr unglücklich über die wirtschaftliche Verwüstung, die Opfer, die Restriktionen und Sanktionen“.

Ukraine-Krieg: Russische Eliten sollen über einen Regimewechsel nachdenken

Er rechne damit, dass die russischen Eliten „über einen Regimewechsel, über einen Wechsel des Systems nachdenken werden“. Der Nawalny-Vertraute appellierte an die internationale Gemeinschaft, in Kontakt zum „inneren Zirkel Putins“ zu treten, „um ihnen einige Sicherheitsgarantien vorzuschlagen für den Fall, dass sie entscheiden, die Seiten zu wechseln“.

Auch Andreas Heinemann-Grüder hält ein Ende von Putins Herrschaft nicht für ausgeschlossen: „Der Krieg kann durch einen Sieg Russlands, die Erschöpfung der Kriegsparteien oder durch Zerfall des Putin-Regimes enden“. Der Politikwissenschaftler vom International Centre for Conflict Studies in Bonn äußerte sich in einem Interview mit Focus Online zum Ukraine-Krieg. Der Einschätzung des Experten zufolge wäre ein militärischer Sieg für Russland jedoch ohnehin ein „Pyrrhussieg“, der nur mit einer „Terrorherrschaft“ stabilisiert werden könnte. Zudem würde ein militärischer Sieg für den Kreml eine „dauerhafte Isolation“ vom Westen mit sich ziehen.

Ukraine-Krieg: Ein Regimewechsel in Moskau würde Nawalnys Freiheit bedeuten

Der IT-Experte Wolkow ist einer der wichtigsten Vertrauten des prominenten Kreml-Kritikers Nawalny, der kürzlich erneut verurteilt wurde und bereits seit Anfang vergangenes Jahr in einem Straflager östlich von Moskau inhaftiert ist. Auf Nawalny war im August 2020 in Russland ein Giftanschlag verübt worden, für den er Putin verantwortlich machte. Der Kreml weist den Vorwurf zurück. Er sei zuversichtlich, dass ein politischer Wechsel in Moskau Freiheit für Nawalny bedeuten würde, sagte Wolkow, „Nawalny ist der persönliche politische Gefangene Putins“. Es sei „allein an Putin zu entscheiden, ob er ihn im Gefängnis oder frei lässt.“ (afp/lp)

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