VonMarie Riesschließen
Moskau will eine ukrainische Großoffensive verhindert haben – doch ein Kommandeur aus den eigenen Reihen blickt anders auf die Lage im Donbass.
Donezk – Ein Kommandeur Russlands hat Meldungen Moskaus über den Fehlschlag einer ukrainischen Großoffensive im Donbass widersprochen. Die Truppen der Ukraine seien bei ihren Angriffen westlich von Wuhledar bisher erfolgreich, schrieb Feldkommandeur Alexander Chodakowski am frühen Montag auf seinem Telegram-Kanal.
Moskau spricht von „großangelegter“ Offensive - Kommandeur von begrenzter Operation
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau hatte in der Nacht zum Montag den Fehlschlag einer ukrainischen Großoffensive im Süden Donezks gemeldet. Sprecher Igor Konaschenkow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, dass Angriffe auf insgesamt fünf verschiedenen Bereichen an der Front zurückgeschlagen worden seien. Zudem hätten die ukrainischen Truppen dabei mehr als 250 Soldaten verloren. Auf Telegram veröffentlichte das Ministerium ein Video, das aus der Luft gefilmte ukrainische Panzerfahrzeuge unter starkem Beschuss zeigen soll.
Bei Chodakowski klingt das aber anders. Seinen Angaben zufolge setzt die Ukraine bei ihren bisher erfolgreichen Angriffen in der Region nur begrenzte Kapazitäten an Streitkräften ein. Schon am Sonntag hätten die ukrainischen Truppen einen Durchbruch an der Front nahe auf Welyka Nowosilka, einer kleinen Ortschaft mit etwa 5.800 Einwohnern, erreicht.
Chodakowski: Russische Truppen im Ukraine-Krieg vor Ort in „schwieriger Lage“
Durch ein Täuschungsmanöver sei ein Stoßtrupp später fast unbemerkt weiter vorgedrungen. Es sei der Ukraine gelungen, die örtlichen russischen Truppen in „eine schwierige Lage zu bringen“, so Chodakowski auf Telegram. Die ukrainischen Streitkräfte störten seiner Darstellung nach den Funkverkehr vor Ort. Die Lage sei dynamisch.
Der Feldkommandeur Chodakowski steht seit 2014 an der Spitze der pro-russischen Separatistenbrigade „Wostok“. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 wurde die Brigade Teil der Armee von Russland.
Kiew äußerte sich bisher nicht zu den Berichten
Die ukrainische Regierung in Kiew äußerte sich bisher nicht zu den Darstellungen. Im täglichen Lagebericht des ukrainischen Generalstabs wurde von keinen besonderen Aktivitäten in der beschriebenen Region berichtet. Dort hieß es lediglich, dass Wuhledar und die anliegenden Ortschaften von russischer Seite beschossen worden seien.
Militärbeobachter spekulieren seit Monaten über eine groß angelegte Gegenoffensive im Ukraine-Krieg. Als mögliche Ziele werden Vorstöße im südlichen Gebiet Saporischschja oder zur russisch eroberten Hafenstadt Mariupol im Gebiet Donezk gehandelt. 2022 hatte die Ukraine bereits die Gebietshauptstadt Cherson sowie den Großteil der Region Charkiw zurückerobert.
Militärbeobachter: Ukraine signalisiert, für Großoffensive bereit zu sein
Nach Einschätzungen der Militärbeobachter des Institute for the Study of War (ISW) signalisieren ukrainische Politiker, nun startklar für den nächsten großen Gegenangriff zu sein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt mehrfach betont, sein Land sei für die seit langem angekündigte Offensive zur Befreiung seiner Gebiete von der russischen Besatzung bereit. (mit dpa und AFP)
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