- VonBettina Menzelschließen
Russland schoss in der vergangenen Woche seinen modernsten Kampfjet selbst ab. Womöglich ist der gleiche Fehler nun erneut passiert.
Mariupol – Erst am Freitag (6. Oktober) hatte ein Militärexperte bescheinigt: Russische Truppen lernen nicht aus ihren Fehlern. Wie zum Beweis holte Russland nun offenbar über Mariupol erneut sein eigenes Kampfflugzeug des Typs Su-35 vom Himmel. Das berichtete das US-Magazin Newsweek am Freitag unter Berufung auf unbestätigte Berichte und Videos. Erst in der vergangenen Woche war der russischen Luftverteidigung im Ukraine-Krieg über der ukrainischen Stadt Tokmak mutmaßlich der gleiche Fehler passiert, wie aus einem britischen Geheimdienstbericht hervorging.
Gegenoffensive im Ukraine-Krieg: Russische Luftabwehr holt offenbar erneut eigenen Kampfjet vom Himmel
Der mutmaßlich erneute Abschuss eines russischen Kampfjets durch die eigenen Truppen soll sich am Freitag bei Mariupol zugetragen haben, wie laut Newsweek aus zahlreichen unverifizierten Berichten hervorgeht. „Bei diesem Arbeitstempo unserer tapferen Luftverteidigung werden wir bald ohne Luftfahrt dastehen“, schrieb der russische Militärblogger Fighterbombe auf der Plattform Telegram ironisch über den Vorfall.
Anton Geraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministeriums, teilte ein Video auf der Plattform X (vormals Twitter), das die Absturzstelle des Kampfjets zeigen soll. Das Flugzeug sei nach Angaben von Militärblogger aus Russland von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden, schrieb Geraschtschenko in dem Beitrag. Die Kosten des Verlustes schätzen Experten auf einen Betrag zwischen 43 Millionen und 85 Millionen US-Dollar (etwa 40 Millionen bis 80 Millionen Euro), so viel ist jeder Su-35-Jet in etwa wert.
Russian Telegram channels report a Russian aircraft crash near Mariupol.
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) October 6, 2023
According to them, the aircraft was shot down by Russian air defense. pic.twitter.com/6ANxaeZxgi
Sowohl das vorhandene Videomaterial zum mutmaßlichen Abschuss des Kampfjets durch die eigene Luftabwehr als auch die Berichte dazu ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren. Weder das russische noch das ukrainische Verteidigungsministerium bestätigten den Vorfall zunächst.
Kiew will im Ukraine-Krieg Kontrolle über Luftraum wiedererlangen – Friendly Fire Russlands hilft
Deutschland sagte der Ukraine am Donnerstag ein weiteres Flugabwehrsystem vom Typ Patriot zu. Zusammen mit den vom Westen bereits gelieferten Flugabwehrsystemen sowie den angekündigten F16-Kampfjets will Kiew damit die Kontrolle über den ukrainischen Luftraum wiedererlangen. Jeder verlorene Kampfjet auf russischer Seite hilft diesem Ansinnen.
Gerade der Verlust einer Su-35 trifft Moskau schwer, wie ein Auszug aus dem Bericht des britischen Verteidigungsministeriums über den Eigenbeschuss in der vergangenen Woche über Tokmak zeigt. „Obwohl Russland seit Beginn der Invasion rund 90 Starrflügler verloren hat, ist dies wahrscheinlich erst der fünfte Verlust einer Su-35S, Russlands modernstem Kampfjet, der in großem Umfang eingesetzt wird“, hieß es dazu aus London.
Mehr als ein Fünftel der russischen Verluste an Flugzeugen und Hubschrauber ging seit Beginn des Kriegs laut Newsweek von den eigenen Truppen aus. „Friendly Fire“, also irrtümlicher Eigenbeschuss, kommt aufgrund von verschiedenen Faktoren - darunter auch falsche oder unzureichende Identifizierung des Zieles - in Kriegen immer wieder vor.