Ukrainischer Widerstand

Schlacht um Bachmut: Welche Rolle die Stadt im Ukraine-Krieg spielt

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Der Kampf in Bachmut ist zum Symbol für den ukrainischen Widerstand geworden – ein Widerstand, den Putin unbedingt brechen will. Doch wieso ausgerechnet Bachmut?

Bachmut – Die Stadt Bachmut, auch unter dem Namen Artemiwsk bekannt, zählte vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs rund 74.000 Einwohner. Infolge des blutigen Konflikts ist laut Wolodymyr Selenskyj jedoch alles „völlig zerstört, es gibt fast kein Leben mehr“. Doch „Bachmut hält durch, trotz allem“, so der ukrainische Präsident am Sonntagabend (8. Januar) in einer Videoansprache.

Einst nur eine von vielen kleinen Industriestädten im Donbass, ergebe sich ihre heutige Bedeutung „aus der Tatsache, dass sie eine der am stärksten befestigten Städte in der Region Donezk war und in der Nähe der Frontlinie von 2014 lag“, heißt es in einem Expertenbeitrag des ZDF. In jenem Jahr sei die Stadt bereits wochenlang von pro-russischen Separatisten besetzt gewesen – eine mögliche Erklärung, warum man die Stadt Jahre später nicht erneut (pro-)russischen Truppen überlassen will.

Serhij Grabskyj, Militäranalyst und früherer Oberst der ukrainischen Streitkräfte, glaubt jedoch, dass bei den Russen eine ganz andere Motivation herrscht: „Es geht ums Geld“, sagte Grabskyj dem kanadischen Sender CBC News. Mittendrin: die Söldnergruppe Wagner – Wladimir Putins berüchtigte Schattenarmee.

Ukrainische Soldaten bereiten einen Panzer für den Kampf an den Fronten von Bachmut im Donbass vor. (Archivfoto)

Heftige Gefechte um Bachmut: Ist die Strategie der Ukraine eine Falle?

Dem Ukrainer zufolge soll der Kreml den Kämpfern der Wagner-Gruppe für den Fall der Eroberung von Bachmut eine „signifikante finanzielle Belohnung“ versprochen haben. Für den Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin soll es hingegen um Prestige gehen: angeblich will er beweisen, dass er im russischen Militär eine wichtige Rolle spielen kann. Prigoschin selbst, der auch „Putins Koch“ genannt wird, heizte zudem Spekulationen auf seinem Telegram-Kanal an, als er behauptete, dass sich ein riesiges Tunnelsystem unterhalb der Stadt befände.

Weiter ist die Gegend um Bachmut laut Grabskyj der einzige Teil entlang der Frontlinie im Donbass, an dem Russland effektiv in die Offensive gehen könne – ein weiterer Grund für Moskau, die Stadt zu erobern. Analysten vom Institute for the Study of War (ISW) äußern sich jedoch skeptisch und trauen dem russischen Militär, selbst im Falle einer Einnahme von Bachmut, keinen militärischen Durchbruch zu: „Die russischen Truppen werden in winzigen, unbedeutenden Siedlungen festgenagelt“, sagte Karolina Hird vom ISW zu CBC News.

Die Expertin vermutet, dass die Ukraine die russischen Truppen möglichst lange in die Schlacht um Bachmut verwickeln will, um dann anderenorts neue Offensiven zu eröffnen. Dieselbe Strategie verfolgte Kiew in den Kämpfen in der Region Saporischschja – und das erfolgreich. „Ich denke, dass wir den gleichen Effekt um Bachmut beobachten können“, sagte Hird.

Ukraine-Krieg: Undurchsichtige Lage in der Region Donezk – Situation sei „unter Kontrolle“

Russland ist es indes aber gelungen, mehrere Orte im Süden des Landes einzunehmen. Am Dienstagabend hatte der Wagner-Chef Prigoschin, behauptet, dass die Kleinstadt Soledar im Gebiet Donezk nahezu erobert und etwa 500 ukrainische Soldaten eingeschlossen seien. Das ukrainische Militär hatte die Angaben jedoch zurückgewiesen.

Wolodymyr Selenskyj versuchte, die Lage im Donbass zu beruhigen – ließ allerdings Probleme durchblicken: „Die Lage an der Frontlinie ist schwierig. Trotz extrem hoher Verluste versuchen die Besatzer immer noch, auf die Region Donezk vorzurücken“, sagte er. „Noch“ sei die Situation aber „unter Kontrolle“. (nak)

Rubriklistenbild: © Celestino Arce/Imago

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