Durchbruch

Offensive am Dnipro: „Vermisste“ Russland-Einheit spielte Rolle bei Ukraine-Angriff

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Ukrainischen Streitkräften soll ein Durchbruch am Fluss Dnipro gelungen sein. Eine russische Truppenrotation und das Verschwinden von Soldaten sollen dabei geholfen haben.

Kiew – Die Gebiete um den Fluss Dnipro sind seit Monaten umkämpft und dienen als eine Frontlinie im Ukraine-Krieg. Nun haben offenbar ukrainische Streitkräfte einen Angriff über den Fluss gewagt und die Verteidigungslinie Russlands am Ostufer des Gebiets Cherson durchbrochen. Das gelungene Manöver der Offensive gegen Russland hänge im Zusammenhang mit einem angeblichen ukrainischen Überfall auf die gegnerischen Streitkräfte, berichtete das Institute for the Study of War (ISW) am Dienstag (8. August). Ob die Ukraine dauerhaft Präsenz im Gebiet halten kann ist unklar.

Offensive gegen Russland am Dnipro: „Vermisste“ Einheit spielte wohl Rolle bei Ukraine-Angriff

Beim Durchbruch der Verteidigungslinien in Folge der Offensive gegen Russland im Ukraine-Krieg sind Kiew Streitkräfte bis zu 800 Meter tief in das Gebiet vorgerückt. Unter Berufung auf mehrere russische Militärblogger teilte das ISW zur aktuellen Lage im Ukraine-Krieg mit, dass die Soldaten zuvor am Ostufer des Dnipro in der Nähe der Siedlung Kozachi Laheri mit „bis zu sieben Booten mit jeweils sechs bis sieben Personen“ an Land gekommen seien.

Laut eines Militärbloggers soll der Durchbruch während einer Truppenrotation erfolgt sein. „Das russische Kommando hat kürzlich eine ‚vorbereitete Gruppierung‘ russischen Luftlandepersonals (VDV) aus dem Gebiet Kozachi Laheri in die Oblast Saporischschja verlegt und durch mobilisierte Kämpfer einer nicht näher bezeichneten Einheit ersetzt“, schrieb das ISW über die Beobachtung des Bloggers. Dadurch sei die Verteidigungskraft der russischen Truppen geschwächt gewesen.

Offensive gegen Russland am Dnipro im Ukraine-Krieg: Berichte über gefangen genommene Einheit

Neben der geschwächten Verteidigung soll eine „vermisste“ russische Einheit der Grund des erfolgreichen Durchbruchs der Offensive gegen Russland im Ukraine-Krieg sein, berichtet Newsweek. Zu den Militärbloggern gehört auch der Sender Trinadtsatyi, der die Entwicklung am Fluss Dnipro beklagte. Demnach seien 16 russische Soldaten und zwei Offiziere während des ukrainischen Angriffs „verschwunden“.

„Die Gruppe hat den Kontrollpunkt nicht erreicht“, hieß es im Blog-Post. Weiter hieß es dann, die Einheit „wurde überfallen, die Überlebenden sind jetzt in Gefangenschaft.“ Mehrere der gefangenen oder getöteten Soldaten hätten Mobiltelefone mit sich geführt, hieß es weiter. Die Geräte sollen vertrauliche Informationen über russische Stellungen und Aktivitäten enthalten.

Das Verschwinden russischer Soldaten soll beim Durchbruch durch die Verteidigungslinie am Fluss Dnipro geholfen haben.

Offensive gegen Russland am Dnipro im Ukraine-Krieg: „Streitkräfte ans Ufer zurückgedrängt“

Inwiefern die Ukraine das Gebiet halten kann, ist nach Einschätzung des ISW zur aktuellen Lage im Ukraine-Krieg und der Offensive gegen Russland am Dnipro unklar. Einige russische Militärblogger hätten noch am Dienstagabend berichtet, dass die „russischen Streitkräfte die Kontrolle über Kozachi Laheri behalten und die ukrainischen Streitkräfte ans Ufer zurückgedrängt haben“, so das ISW. Noch gibt es keine visuellen Beweise und die Situation solle vorsichtig eingeschätzt werden.

Insgesamt verzeichnet die ukrainische Gegenoffensive nur schleppende Fortschritte. Laut CNN teilte ein westlicher Diplomat ein eher enttäuschendes Zwischenfazit: „Dass sie wirklich Fortschritte machen, die das Gleichgewicht dieses Konflikts verändern würden, halte ich für sehr, sehr unwahrscheinlich.“ Auch der demokratische US-Kongressabgeordnete Mike Quigley sprach von „ernüchternden“ Briefings im Geheimdienstausschuss.

Schleppender Fortschritt: Gegenoffensive verzeichnet weniger Erfolge aus gewünscht

Laut Militärexperte Marcus Keupp entscheide sich die Gegenoffensive letztendlich durch die Logistik. Es läge daran, Russland die Versorgung abzuschneiden, erklärte der Experte dem ZDF. Zudem sei die Ukraine kurz davor, die erste Verteidigungslinie der russischen Truppen zu durchbrechen. Diese sei jedoch auch am schwächsten geschützt – und es folgen noch ein bis zwei weitere Linien. Wenn die ukrainischen Truppen das schaffen, „steht einfach im Hinterland nichts mehr.“ (hk)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Ukrinform

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