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Russland muss im Zuge der ukrainischen Gegenoffensive wohl hohe Verluste in Kauf nehmen. Scheinbar fliehen russische Soldaten sogar im Ukraine-Krieg aus einem Frontabschnitt.
Kiew – Im Ukraine-Krieg dreht sich derzeit alles um die laufende ukrainische Gegenoffensive. Nach einer neuen Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW) spielen sich die ukrainischen Militäroperationen in „mindestens vier Sektoren“ an der Frontlinie gegen die Armee von Kreml-Chef Wladimir Putin ab. Dabei konzentrieren sich die Kampfhandlungen der ukrainischen Gegenoffensive nach Angaben des ISW vor allem in den Regionen Donezk und Saporischschja.
Ebenfalls am Samstag ließ Moskau verlauten, dass sich die militärischen Anstrengungen der Ukraine aktuell auf die Regionen Donezk und Saporischschja fokussieren. Eine Einschätzung, die auch westliche Analysten teilen. Am Sonntag gab das britische Verteidigungsministerium bekannt, dass sich die schwersten Kämpfe neben den bereits genannten Regionen auch noch in dem umkämpften Gebiet um die Stadt Bachmut abspielen.
Ukraine-Krieg: Russland erleidet durch Gegenoffensive höchste Verluste seit Bachmut
Die Ukraine verzeichnet im Verlauf der Gegenoffensive, mit der ein Experte hart ins Gericht geht, nach Angaben des Ministeriums „kleine Vorstöße“ in diesen Gebieten. Des Weiteren gaben die Briten bekannt, dass Russland den Bemühungen der Ukraine im Süden „relativ effektive Defensiv-Operationen“ entgegenstellt. Hinzu gaben sie in der jüngsten Einschätzung zur aktuellen Lage im Ukraine-Krieg an, dass es auf beiden Seiten zu hohen Verlusten kommt.
Latest Defence Intelligence update on the situation in Ukraine - 18 June 2023.
— Ministry of Defence 🇬🇧 (@DefenceHQ) June 18, 2023
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Vor allem aufseiten Russlands sollen es für Putins Armee die schwersten Verluste seit dem Höhepunkt der Kämpfe um Bachmut sein, erklärte das britische Verteidigungsministerium weiter. Das ukrainische Militär berichtete am Sonntag von 26 Zusammenstößen am vergangenen Tag. Dabei hätten die russischen Truppen ihre Anstrengungen vor allem auf Bachmut sowie die Städte Awdijiwka, Lyman und Marinka im Oblast Donezk konzentriert.
Nach Angaben des Kommandeurs des ukrainischen Heeresverbands Tavria sollen in den vergangenen 24 Stunden ganze vier Kompanien der russischen Armee getötet oder verwundet worden sein. Diese Angaben ließen sich allerdings nicht unabhängig prüfen.
Russlands Verluste im Ukraine-Krieg: Putins Soldaten fliehen vor Gegenoffensive von der Front
Im Osten der Ukraine kursieren derweil Berichte, dass russische Soldaten im Zuge der verspäteten ukrainischen Gegenoffensive von der Front fliehen. Aus dem morgendlichen Update des Generalstabs der ukrainischen Armee geht hervor, dass sich Putins Kämpfer in der östlichen Region von Luhansk, ein weiteres hart umkämpftes Gebiet im Ukraine-Krieg, von der Front wegbewegen. Auch diese Angaben ließen sich bisher nicht unabhängig bestätigen.
Es wäre allerdings nicht das erste Mal im Verlauf von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine, dass Putins Armee mit desertierenden Soldaten zu kämpfen hätte. Bereits im November und Dezember 2022 sei es wohl zu diversen Vorfällen gekommen. Demnach hätten russische Soldaten bei einer ukrainischen Hotline angerufen, um dem Krieg zu entfliehen. Auch das britische Verteidigungsministerium erklärte damals, dass Generäle im Kreml den Einsatz von Waffengewalt gegen die desertierten Soldaten gebilligt hätten, was möglicherweise sogar „die Autorisierung zur Erschießung nach einer Warnung“ beinhaltete.
Gegenoffensive im Ukraine-Krieg: Kiews Soldaten stoßen gegen Russland „in mehrere Richtungen gleichzeitig vor“
Ob russische Soldaten im Angesicht der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg von der Front fliehen oder nicht, hält die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin, Hanna Maliar, nicht davon ab, die bisherigen Militäroperationen als Erfolg zu bezeichnen. Bereits am Freitag erklärte sie, dass „praktisch in allen Gebieten und Richtungen, in den unsere Einheiten im Süden vorrücken, sie taktische Erfolge“ verzeichnen.
Nach ihrer Aussage rücken die ukrainischen Streitkräfte bei der Gegenoffensive der Ukraine „in mehrere Richtungen gleichzeitig vor“. Am Samstag legte Maliar dann über ihren Kanal auf Telegram noch einmal nach. „Die Zeit der Rache ist gekommen. Wir sind stärker denn je.“
Ukraine-Krieg: Gebietsgewinne der Gegenoffensive sind bisher übersichtlich
Die Gebietsgewinne der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg halten sich bisher allerdings in Grenzen. Maliar sprach des Weiteren davon, dass die Ukraine bisher etwas mehr als eine Meile an Land in verschiedenen, unbenannten Gebieten zurückerobern konnte. Dennoch befindet sich die Gegenoffensive bisher noch in ihrer Anfangsphase.
In vielerlei Hinsicht beschränkt sich die Ukraine bisher darauf, die Russlands Abwehrstellung und Defensivlinien an verschiedenen Punkten zu messen, wobei sie auch einige schwerwiegende Verluste zu verzeichnen hat. Denn offenbar sollen bereits einige deutsche Leopard-Panzern von Putins Armee zerstört worden sein. Ob Russland aus den Leo-Wracks allerdings seine Schlüsse ziehen kann oder die Gegenoffensive zum Ende des Ukraine-Kriegs führen kann, bleibt offen.
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