Zahlen variieren stark

Russlands Opfer im Ukraine-Krieg: Verlorene Gliedmaßen und Wundbrand - Insider schildert schlimme Zustände

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Russische Soldaten sollen angeblich in einem Lazarett in Belarus versorgt werden.
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Wie viele Opfer des Ukraine-Kriegs es auf russischer Seite bislang gibt, ist ungewiss. Russland ist stark bemüht, darüber einen Mantel des Schweigens zu legen.

München – Das erste Opfer des Kriegs ist die Wahrheit. Diese Aussage soll schon auf Philosophen aus der Antike zurückgehen. Sie hatten wahrscheinlich schon damals recht. Denn Wahrheit ist Macht. Vor allem, wenn man sie richtig einsetzt, kann sie entscheidend für die Moral der einen oder anderen Kriegspartei sein. Deutlich wird das im Ukraine-Konflikt mit Blick auf die verwundeten und getöteten Soldaten auf russischer Seite.

Ukraine-Krieg: Zahlen russischer Kriegsopfer unterscheiden sich je nach Quelle

Grundsätzlich spricht man auf russischer Seite gar nicht von einem Krieg, sondern eher von der Befreiung des Brudervolks und einer „Spezial-Operation“. Ähnlich verklärt spricht die russische Seite bislang auch nur von rund 500 getöteten Soldaten bis 2. März. Etwa 1600 Einsatzkräfte seien wohl verletzt worden. Danach nannte der Kreml oder die russische Militärführung keine neuen Zahlen mehr. Zu hohe Zahlen würden wohl die Moral schwächen. Putins Gegenüber Wolodymyr Selenskyj dreht den Spieß um. Er zeigte sich erst jüngst mit verwundeten Soldaten in einem Krankenhaus, wohl auch, um die Moral seiner Landsleute noch einmal zu heben.

Während der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj öffentlichkeitswirksam Soldaten im Krankenhaus besucht, wird über verletzte, russische Streitkräfte ein Mantel des Schweigens gelegt.

Da sind die über 14.000 Toten, welche von der ukrainischen Seite genannt werden, viel durchschlagskräftiger. Präsident Selenskyj weiß die Macht der Zahlen zu nutzen. In einer Videobotschaft an Russland sagte in der Nacht zum Sonntag (20. März). „An den Brennpunkten besonders schwerer Kämpfe sind unsere vordersten Abwehrlinien mit Leichen russischer Soldaten praktisch überhäuft.“ Niemand würde diese Leichen bergen. Aber der Nachschub auf russischer Seite sei nahezu unbegrenzt. „Das sind 14.000 Mütter, 14.000 Väter, Ehefrauen, Kinder, Verwandte, Freunde – und Ihnen fällt das nicht auf?“, so der ukrainische Präsident. Die Wahrheit über die russischen Toten liegt wohl irgendwo dazwischen.

Ukraine-Krieg: Verletzte russische Soldaten werden in Belarus versorgt

Aber was geschieht nun mit den russischen Soldaten, die im Kampf verwundet werden. Viele von ihnen würden wohl nach Belarus gebracht werden. Hier würden sie versorgt und weiter nach Russland transportiert werden, schreibt die Deutsche Welle (DW). Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko bestätigte das auch. Bereits nach fünf Tagen Krieg in der Ukraine würden in Gomel, Mosyr und einer weiteren belarussischen Stadt 160 bis 170 Soldaten behandelt.

Bestätigt wird dies auch von mehreren Quellen, die mit der DW gesprochen haben. Es wird von schrecklichen Szenen berichtet. Viele Verletzte würden wohl nach Mosyr „oft ohne Arme, Beine, Ohren, Augen“ gebracht werden. Bei vielen Soldaten hätte bereits der Wundbrand eingesetzt. „Wenn die Soldaten rechtzeitig gebracht würden, könnte man Gliedmaßen noch retten“, so die Quelle.

Video: Präsident Zelenskyj besucht Verletzte in einer Klinik in Kiew

Ukraine-Krieg: Belarussische Ärzte würden „nonstop operieren“

Aber nicht nur der Gesundheitszustand der verwundeten Soldaten soll schlecht sein. Es würde auch der Grundversorgung hapern. Einige von ihnen hätten seit fünf Tagen nichts mehr zu essen bekommen. Sie wären desorientiert und würden nur noch darum bitten, mit ihren Verwandten in Russland telefonieren zu dürfen. „Es sind Patienten des Jahrgangs 2003, aus armen Regionen Russlands. Eigentlich sind sie noch Kinder“, heißt es im Gespräch mit der DW.

Eine weitere Quelle berichtet der DW, dass in der Region Gomel im Südosten von Belarus „nonstop operiert“ werde. Teilweise bis zu 50 Patienten pro Nacht. Am häufigsten müssten die Chirurgen bei den russischen Soldaten Gliedmaßen amputieren. „Das Krankenhaus ist voll“, so die Quelle.

Ukraine-Krieg: Krankenhäuser werden streng vom Geheimdienst überwacht

Dass diese Informationen überhaupt nach draußen gedrungen sind, ist außergewöhnlich. Laut Belarusian Medical Solidarity Foundation würden die Krankenhäuser streng überwacht. „Mitarbeiter der Geheimdienste KGB oder FSB sind direkt in den Krankenhäusern im Einsatz, alle Gebäude werden bewacht. Viele Ärzte, die theoretisch etwas sagen könnten, wurden aus den Krankenhäusern entfernt. Stattdessen werden Russen eingesetzt“, berichtet die NGO. Nach ihren Angaben gebe es viele Tote und die Kliniken seien überfüllt. „Alle Verwundeten, bei denen es noch möglich ist, werden mit Zügen nach Russland gebracht“, so ein Sprecher der Stiftung. (tel)

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