Marsch auf Moskau

Befindet sich Russland im Bürgerkrieg? Kreml schließt „Szenario nicht aus“

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Mitten im Ukraine-Krieg ruft Prigoschin offenbar zum Putsch auf. Für Wladimir Putin könnte es im Machtkampf um den Kreml zu einem Bürgerkrieg kommen.

Moskau - Putsch-Versuche in Moskau und Bombendrohungen: Der Kreml scheint inmitten des Ukraine-Kriegs vor einem großen Problem zu stehen. Zwischen dem Chef der Söldnertruppe Wagner, die für das Regime von Wladimir Putin in der Ukraine kämpft und dem Kreml spitzt sich ein Machtkampf zu. Russische Medien berichteten bereits von einem möglichen Bürgerkrieg in Russland. Auch der Kreml schließe dieses Szenario nicht aus, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet.

Eskaaltion im Ukraine-Krieg: „Wir sind mitten in einem Bürgerkrieg“

Laut ntv habe es Berichte in Russland gegeben, dass der russische Präsident Wladimir Putin, genauso wie andere hochkarätige Politiker Moskau bereits verlassen hätten. Die Berichte sind jedoch nicht bestätigt. Die Truppen von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bewegen sich in Richtung der Hauptstadt. „Es geht um die Macht in Moskau und wir sind mitten in einem Bürgerkrieg“, heißt es vom ntv-Korrespondenten in Moskau.

Der russischen Nachrichtenagentur TASS nach wurden in der Hauptstadt auch bereits Vorkehrungen getroffen. Demnach wurden die „wichtigsten Objekte Moskaus unter verstärkten Schutz gestellt“. Jewgeni Prigoschin hat angekündigt, gegen die russische Armee militärisch vorzugehen, nachdem diese angeblich einen Raketenangriff auf seine Truppen gestartet hatte.

Ukraine-Krieg: Könnte es in Russland zu einem Bürgerkrieg kommen?

Bürgerkrieg in Russland? Prigsochin versichert: „Das ist ein Marsch für Gerechtigkeit“

Prigoschin selbst versprach: „Das ist kein Militärputsch, das ist ein Marsch für Gerechtigkeit. Unsere Aktionen beeinträchtigen die Truppe in keiner Weise“, so der russische Söldnerchef Jewgeni Prigoschin, doch das glaubt ihm in Moskau offenbar kaum noch jemand. „In der Präsidialverwaltung herrscht Panik, sie schließt das Szenario eines Bürgerkriegs nicht aus“, meldeten in der Nacht russischsprachige Medien mit Verweis auf Gewährsleute im Kreml.

Prigoschin hatte die militärische Führung Russlands über Wochen lang bereits kritisiert. Putin direkt war er nie angegangen, wenn auch seine Kritik am Krieg Russlands in der Ukraine am Ende auf den Kreml-Despoten zurückfällt. Der im Exil lebende Politologe Abbas Galljamow resümierte gegenüber der Novaya Gazeta Europe: „Genau so beginnen Putsche und Staatsstreiche: Jemand beginnt zu handeln und wenn er den Eindruck erweckt, dass er zu entschlossenem Handeln fähig ist, dann schließen sich ihm die Zögernden an.“

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Ukraine-Krieg: Machtkampf zwischen Wagner und Kreml spitzt sich zu

Moskau richtete bereits warnende Worte an Prigoschin: „Wir fordern die Söldner auf, keinen irreparablen Fehler zu begehen, alle gewaltsamen Aktionen gegen das russische Volk einzustellen, die kriminellen und verräterischen Befehle von Prigoschin nicht auszuführen und Maßnahmen zu ergreifen, um ihn festzuhalten“, hieß es vom russischen Geheimdienst FSB. Prigoschin hatte sich direkt an die Soldaten der russischen Armee gewendet und davon abgeraten, sich gegen die Wagner Truppen zu wehren: „Das Übel, das mit der militärischen Führung des Landes verbunden ist, wird gestoppt. Ich fordere alle dazu auf, keinen Widerstand zu leisten. Ich bitte alle, Ruhe zu bewahren. Die Gerechtigkeit in den Truppen wird wiederhergestellt.“

Russische Offizielle wiesen mitunter darauf hin, dass dieser Konflikt Opfer fordern werde, auch symbolischer Natur. „Stellen Sie sich vor, wie begeistert der Westen über das sein wird, was Sie jetzt vorhaben“, sagte der Erste stellvertretende Chef der Hauptdirektion des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation, Wladimir Alexejew, wie der BR berichtet. (lp)

Rubriklistenbild: © Karbinov Anatoly/imago

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