VonLinus Prienschließen
Mitten im Ukraine-Krieg ruft Prigoschin offenbar zum Putsch auf. Für Wladimir Putin könnte es im Machtkampf um den Kreml zu einem Bürgerkrieg kommen.
Moskau - Putsch-Versuche in Moskau und Bombendrohungen: Der Kreml scheint inmitten des Ukraine-Kriegs vor einem großen Problem zu stehen. Zwischen dem Chef der Söldnertruppe Wagner, die für das Regime von Wladimir Putin in der Ukraine kämpft und dem Kreml spitzt sich ein Machtkampf zu. Russische Medien berichteten bereits von einem möglichen Bürgerkrieg in Russland. Auch der Kreml schließe dieses Szenario nicht aus, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet.
Eskaaltion im Ukraine-Krieg: „Wir sind mitten in einem Bürgerkrieg“
Laut ntv habe es Berichte in Russland gegeben, dass der russische Präsident Wladimir Putin, genauso wie andere hochkarätige Politiker Moskau bereits verlassen hätten. Die Berichte sind jedoch nicht bestätigt. Die Truppen von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bewegen sich in Richtung der Hauptstadt. „Es geht um die Macht in Moskau und wir sind mitten in einem Bürgerkrieg“, heißt es vom ntv-Korrespondenten in Moskau.
Der russischen Nachrichtenagentur TASS nach wurden in der Hauptstadt auch bereits Vorkehrungen getroffen. Demnach wurden die „wichtigsten Objekte Moskaus unter verstärkten Schutz gestellt“. Jewgeni Prigoschin hat angekündigt, gegen die russische Armee militärisch vorzugehen, nachdem diese angeblich einen Raketenangriff auf seine Truppen gestartet hatte.
Bürgerkrieg in Russland? Prigsochin versichert: „Das ist ein Marsch für Gerechtigkeit“
Prigoschin selbst versprach: „Das ist kein Militärputsch, das ist ein Marsch für Gerechtigkeit. Unsere Aktionen beeinträchtigen die Truppe in keiner Weise“, so der russische Söldnerchef Jewgeni Prigoschin, doch das glaubt ihm in Moskau offenbar kaum noch jemand. „In der Präsidialverwaltung herrscht Panik, sie schließt das Szenario eines Bürgerkriegs nicht aus“, meldeten in der Nacht russischsprachige Medien mit Verweis auf Gewährsleute im Kreml.
Prigoschin hatte die militärische Führung Russlands über Wochen lang bereits kritisiert. Putin direkt war er nie angegangen, wenn auch seine Kritik am Krieg Russlands in der Ukraine am Ende auf den Kreml-Despoten zurückfällt. Der im Exil lebende Politologe Abbas Galljamow resümierte gegenüber der Novaya Gazeta Europe: „Genau so beginnen Putsche und Staatsstreiche: Jemand beginnt zu handeln und wenn er den Eindruck erweckt, dass er zu entschlossenem Handeln fähig ist, dann schließen sich ihm die Zögernden an.“
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland




Ukraine-Krieg: Machtkampf zwischen Wagner und Kreml spitzt sich zu
Moskau richtete bereits warnende Worte an Prigoschin: „Wir fordern die Söldner auf, keinen irreparablen Fehler zu begehen, alle gewaltsamen Aktionen gegen das russische Volk einzustellen, die kriminellen und verräterischen Befehle von Prigoschin nicht auszuführen und Maßnahmen zu ergreifen, um ihn festzuhalten“, hieß es vom russischen Geheimdienst FSB. Prigoschin hatte sich direkt an die Soldaten der russischen Armee gewendet und davon abgeraten, sich gegen die Wagner Truppen zu wehren: „Das Übel, das mit der militärischen Führung des Landes verbunden ist, wird gestoppt. Ich fordere alle dazu auf, keinen Widerstand zu leisten. Ich bitte alle, Ruhe zu bewahren. Die Gerechtigkeit in den Truppen wird wiederhergestellt.“
Russische Offizielle wiesen mitunter darauf hin, dass dieser Konflikt Opfer fordern werde, auch symbolischer Natur. „Stellen Sie sich vor, wie begeistert der Westen über das sein wird, was Sie jetzt vorhaben“, sagte der Erste stellvertretende Chef der Hauptdirektion des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation, Wladimir Alexejew, wie der BR berichtet. (lp)
Rubriklistenbild: © Karbinov Anatoly/imago

