Turbulenzen im Konsortium

FCAS im Sinkflug: Frankreich torpediert „Europas bedeutendstes Rüstungsvorhaben“

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Gefahr droht von Putin wie von Trump, aber Europa bleibt mit sich im Clinch. Frankreich treibt Deutschland im Kampfjet-Bau den Briten in die Arme.

Paris – „Das Projekt ist von Streit zwischen den beteiligten Partnern geprägt“, schreibt Alexander Eydlin. Der Autor der Zeit macht deutlich, dass zwischen Frankreich und Deutschland noch viel Unversöhnlichkeit herrscht. Offenbar können wieder der Ukraine-Krieg noch der Ego-Trip von US-Präsident Donald Trump mit seinen Auswirkungen auf das Miteinander in der NATO diese Risse kitten. Das gemeinsame Flugzeugprojekt FCAS (Future Combat Air System, „Zukünftiges Luftkampfsystem“) gerät offenbar in schwere Turbulenzen.

Posing für die Presse – zur Vorstellung des Modells des Modells hatte der gemeinsame europäische Kampfjet noch Aufwind. Inzwischen scheint ihm Frankreich die Flügel stutzen zu wollen. Im Bild Emmanuel Macron (3.v.r), französischer Präsident, Margarita Robles (2.v.r), Verteidigungsministerin von Spanien, Florence Parly (r), Verteidigungsministerin von Frankreich, und Ursula von der Leyen (3.v.l), Verteidigungsministerin von Deutschland, Eric Trappier (2.v.l), CEO von Dassault Aviation, und Dirk Hoke (l), CEO von Airbus Defence and Space.

Diese Revierkämpfe um wirtschaftliche Vor- beziehungsweise Nachteile haben Tradition in Kooperationen zwischen den beiden großen Säulen der europäischen Verteidigungsarchitektur. Große Vorhaben stottern häufig vor sich hin. „Die ,NATO-Kultur‘ sei in der französischen Generalität ,schwach ausgeprägt‘“, schreibt Publizist Jean-Dominique Merchet noch Anfang 2024, worüber Jacob Ross berichtet. Der Politikwissenschaftler beurteilt Frankreichs Armee für die „Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik“ als gefangen in einem „strukturellen Konservatismus“. Deutschland sei immer Frontstaat gewesen, mit Blickrichtung auf den Warschauer Pakt, Frankreichs Armee sei vorwiegend im Auslandseinsatz gewesen, beispielsweise in Afrika oder Indochina; das verhindere die „Vorbereitung auf Szenarien wie in der Ukraine“, wie Ross schreibt.

FCAS wichtig für die NATO und für Deutschland: „Europas bedeutendstes Rüstungsvorhaben“

„Die Entwicklung des Future Combat Air System (FCAS) ist Europas bedeutendstes Rüstungsvorhaben“, hat Dominik Vogel geschrieben. Das war 2020, als der Analyst des Deutschen Thinktanks „Stiftung Wissenschaft und Politik“ das Projekt, mit „Too Big to Fail“, gekrönt und sich damit offenbar gehörig getäuscht hat. Recht hatte er wiederum mit seiner Einschätzung, das FCAS sei „weit mehr als ein Kampfflugzeug-Projekt“. Grundsätzlich stecken in dem Vorhaben zwei führende Rüstungsschmieden der beiden beteiligten Länder: der französische Konzern Dassault und der deutsche Luftfahrtkonzern Airbus. Laut der Zeit gilt Airbus als verantwortlich für „die Air Combat Cloud, also das vorgesehene System zum Datenaustausch, sowie die Begleitdrohnen für den Kampfjet“; Dassault sei die übertragen worden, die Entwicklung der Maschine zu verantworten.

„In Verteidigungsfragen müssen die Europäer eine strategische Autonomie anstreben, die es ihnen ermöglicht, Situationen einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen, sich auszurüsten, zu planen und unabhängig zu handeln, um ihre Interessen zu verteidigen.“

Jean-Marc Vigilant, Foundation Robert Schuman

Wie die Zeit aktuell berichtet, scheint den beteiligten Parteien aber der Blick für das große Ganze abhandengekommen zu sein; Details bekommen jetzt plötzlich Sprengkraft: „Meinungsverschiedenheiten zwischen seinem Unternehmen und Airbus bei der Frage des geistigen Eigentums von bestimmten Technologien, die vor allem von Frankreich mit dem deutschen Partner Airbus geteilt werden müssten“, hätten Dassault-Chef Éric Trappier bereits 2021 verunsichert, ob die große Chance nicht vielleicht doch eher ein Luftschloss sei, so Alexander Eydlin. Darüber hinaus präferieren beide Seiten unterschiedliche Charakteristika der Waffe, weil beide Seiten unterschiedlich militärisch geprägt sind. Frankreich verteidigt seine Souveränität global mittels seiner vor Atomwaffen strotzenden U-Boote, Deutschland bezieht zur Landesverteidigung östlich von Braunschweig Stellung.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

Schlussendlich rühren die Schwierigkeiten daher, dass Frankreich Angst habe, sensible Daten zu tauschen, so die Zeit. Die Friktionen zwischen beiden Nationen bestehen so auch im Panzerbau: Frankreich benötigt einen, der mittels Lufttransports kontinental verlegbar ist; Deutschland präferiert ein Geschoss, dass in Windeseile die Lüneburger Heide durchpflügen kann – Frankreich ficht im Panzerbau mit dem Florett, Deutschland mit dem Zweihandschwert. Ähnliche Divergenzen sieht Zeit-Autor Eydlin auch rund um das FCAS: „Somit ist Frankreich daran interessiert, dass der NGF (Next Generation Fighter) von Flugzeugträgern aus operieren und nuklear bewaffnete Marschflugkörper einsetzen kann. Vor allem Ersteres würde bedeuten, dass der Kampfjet kleiner und leichter sein muss als Modelle, die nicht von Flugzeugträgern aus eingesetzt werden.“

Pistorius contra Frankreich: Weil „Deutschland eher zu einem 18 Tonnen schweren Flugzeug tendiert“

Poltico schreibt, dass Deutschland mehr Gewicht in die Luft bringen möchte: Für Frankreich wäre bei 15 Tonnen Schluss; Politico-Autor Chris Lunday will erfahren haben, dass „Deutschland eher zu einem 18 Tonnen schweren Flugzeug tendiert, das auf Luftüberlegenheit abzielt“, wie er schreibt. Grundsätzlich wollten Frankreich und Deutschland 2017 gemeinsam überlegen, wie sie den europäisch konzipierten Eurofighter Typhoon und die französische Rafale in den 2040er Jahren zukunftssicher austauschen könnten. Die Liste der unvollendeten deutsch-französischen Rüstungsprojekte ist länger – und auch das gemeinsam in Angriff genommene Panzer-Projekt FGCS, also Future Ground Combat System, muss erst noch weiter fortschreiten. Als gesichert gilt wenig.

Vielleicht ist das ganze Dilemma auch lediglich ein zwischenmenschliches: Darüber, wie deutsch-französische Kooperationen erfolgreich ausgehen können, lässt sich beispielsweise eurojob-consulting aus: „Deutsche bevorzugen tendenziell einen direkten, sachlichen und strukturierten Ansatz, während Franzosen oft einen kontextbezogenen, intuitiven und beziehungsorientierten Stil wählen“, zitiert das Wirtschaftsportal die Personalvermittlerin Astrid Keppler. Dem Portal zufolge zeige eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte, dass 70 Prozent der Konflikte in multinationalen Teams auf Kommunikationsbarrieren zurückzuführen seien. Also alles nur Missstimmungen zwischen den handelnden Personen?

Nur eine Chance gegen Putin und gegen Trump: „Die europäische Säule des Bündnisses festigen“

Möglicherweise fehlt den Europäern aber immer noch die Erkenntnis des Ernstes der Lage: Sollte sich Donald Trump mit seiner Außenpolitik sukzessive seines Anteils an der NATO entziehen, lastete die Verteidigungsverantwortung stärker auf der NATO. Allerdings rühren die Nationen immer noch im nationalen Süppchen. Frankreich und Deutschland zerren um das FCAS, während die Briten ihren eigenen Weg verfolgen. „Die europäische Säule des Bündnisses festigen“, hat Jean-Marc Vigilant noch im September über eine der Herausforderungen für die europäische Verteidigung geschrieben. In seiner Analyse für den Thinktank Foundation Robert Schuman apostrophiert er „eine geopolitische Umbruchphase von vergleichbarer Tragweite wie das Ende des Kalten Krieges“.

Allerdings bleibt Europa scheinbar noch in der Kleinstaaterei gefangen: Während Deutschland und Frankreich neben dem Kampfpanzer der Zukunft auch auf einem gemeinsamen Kampfjet der Zukunft herum grübeln, scheint ein zweites Konsortium innerhalb dieses EU-Zukunftsprojekts schon fast einen fertigen Flieger in der Luft zu haben, wie das Magazin The War Zone (TWZ) schreibt. GCAP (Global Combat Air Program) heiße das Programm, innerhalb dessen das Vereinigte Königreich, Italien und Japan den britischen Kampfjet „Tempest“ der nächsten Generation, also der sechsten, entwickelt.

Wenn Frankreich den Kampfjet boykottiert: Deutschland stünde dann alternativlos da

Fraglich, ob das die NATO stärkt oder schwächt. Sicher könnte das europäische Wissen gebündelt mehr Kampfkraft entwickeln. Aber möglicherweise ermöglicht erst Frankreich dem britisch-japanischen Projekt den Senkrechtstart im Bündnis. Laut Zeit-Autor Eydlin würde Deutschland fast schon in dieses Bündnis getrieben, sollte Frankreich im FCAS-Projekt kapitulieren. Deutschland stünde dann alternativlos da in der Konstruktion eines Fliegers für die zweite Hälfte des Jahrhunderts. 200 Eurofighter Deutschlands segelten in der Periode ihrem Ruhestand entgegen, Deutschland wäre im Zugzwang. Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass Frankreich einen Kampfjet der sechsten Generation allein zu stemmen in der Lage wäre. Oder Deutschland dient sich wieder den USA an und steigt möglicherweise auf die geplante F-47 um.

Für Europa insgesamt eine Katastrophe. Die bilateralen Egoismen würden das Ego eines US-Präsidenten weiter aufblasen helfen. Schlussendlich sind die Europäer zum gemeinsamen Erfolg verdammt. Dabei ist die Idee einer europäischen Armee prinzipiell uralt: Für ein „neues Konzept“ der europäischen konventionellen Streitkräfte hatte schon Helmut Schmidt (SPD) während seiner Zeit als Bundeskanzler geworben, „etwas durch Bereitstellung ausreichender konventioneller Streitkräfte und mittels Integration von deutschen, französischen und Benelux-Truppen unter gemeinsamem französischen Oberbefehl“, wie er in seinem Buch „Menschen und Mächte“ 1987 angeregt hatte. Auch Jean-Marc Vigilant sieht gegenüber dem Miteinander keine andere Wahl, wie er für die Foundation Robert Schuman schreibt.

„In Verteidigungsfragen müssen die Europäer eine strategische Autonomie anstreben, die es ihnen ermöglicht, Situationen einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen, sich auszurüsten, zu planen und unabhängig zu handeln, um ihre Interessen zu verteidigen.“ (Quellen: Foundation Robert Schuman , Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Stiftung Wissenschaft und Politik, Poltico, Zeit, eurojob-consulting, The War Zone Helmut Schmidt „Menschen und Mächte“) (hz)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/POOL Reuters | Benoit Tessier

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