Warten auf die „Wunderwaffe“

Tomahawk: Schießt bis hinter den Ural – aber Trump bestimmt die Richtung

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Ernüchternde Experten-Einschätzung: Maximale Reichweite nur in Ausnahmen – und nur mit kleinem Sprengkopf. Trump-Kritiker fangen wieder an zu geizen.

Washington D.C. – „Derzeit verfügt also keine Tomahawk offiziell über eine Reichweite von 2.500 Kilometern“, schreibt der Defense Express. Das Magazin erörtert die spannende Frage, wo sich Wladimir Putin in seinem Land noch sicher fühlen könnte, sollte US-Präsident Donald Trump die Karten im Ukraine-Krieg neu mischen – Moskau liegt in Reichweite der Tomahawk-Raketen. Locker.

Neues Waffensystem könnte alles für Ukraine ändern: Tomahawk-Angriffe auf Moskau möglich.

Rund 800 Kilometer Luftlinie liegt Moskau von Kiew entfernt. Ein mögliches Ziel unter vielen. Illia Kabachynskyi betont den deutlichen Reichweiten-Vorteil der US-Waffe gegenüber den ukrainischen Marschflugkörpern beziehungsweise Raketen. Die Differenz zwischen West- und Ost-Produkt beträgt mindestens mehrere hundert Kilometer. Daneben führt der United24-Autor die höhere Geschwindigkeit von fast 900 Kilometern pro Stunde auf und den Tomahawk-Sprengkopf von rund einer halben Tonne Gewicht. Kabachynskyi hofft, dass die US-Waffe das Arsenal der ukrainischen Marschflugkörper ergänzen und „kombinierte Angriffe tief in russisches Gebiet“ ermöglichen könne.

Ukraine-Krieg: Die Tomahawk versprechen tatsächlich das, was die ATACMS nie haben leisten können

Die Tomahawk versprechen tatsächlich das, was die ATACMS (Army Tactical Missile System) nie haben leisten können: Das Plus an Reichweite: Nach 300 Kilometern wäre Schluss gewesen für die stärkste Version der Rakete, mit denen die Ukraine unterstützt worden war, ohne dass sie die Russen weit in ihr Hinterland hineindrängen konnten. Jetzt wird der Horizont ihrer Verteidigung tiefer, schreibt Filip Timotija. „Diese Raketen würden eingesetzt, um hochrangige militärische Ziele anzugreifen, die derzeit unerreichbar sind, wie etwa den Marinestützpunkt in Noworossijsk und wichtige Luftwaffenstützpunkte wie Olenja in der Oblast Murmansk“, zitiert der Autor des Magazins The Hill Wladislaw Sobolewskyj.

„Washington würde vermutlich Informationen über Ziele und Radarausweichmanöver liefern, da die Marschflugkörper zur Steuerung US-amerikanische Militärnavigationssysteme nutzen. Das bedeutet, dass die USA letztlich ein Vetorecht darüber hätten, welche russischen Ziele Kiew angreifen möchte“

Alex Horton, David L. Stern, William Neff, Washington Post

Laut dem Mitbegründer der ukrainischen Nichtregierungsorganisation „Snake Island Institute“ könnten die Verteidiger jetzt der Wurzel des russischen Terrors gegen die ukrainische Zivilbevölkerung zu Leibe rücken. Die in Reichweite liegenden Stützpunkte seien diejenigen, „die Russland als Hauptstartrampe für Massenraketenangriffe auf ukrainische Städte nutzt“, so Sobolewskyj gegenüber The Hill. Laut dem US-Nachrichtenportal Axios will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Waffen einsetzen für den Angriff auf „Drohnen- und Raketenfabriken tief im Inneren Russlands“, wie die Axios-Autoren Barak Ravid und Dave Lawler betonen. Filip Timotija ergänzt in The Hill, dass Selenskyj eine Tomahawk-Offensive auf zivile Ziele in Russland ausschließe – und überhaupt den Einsatz dieser Waffen zunächst als sein diplomatisches Ass im Poker um Frieden betrachte.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Laut Ravid und Lawler habe Selenskyj argumentiert, „dass allein der Besitz der Raketen ein mächtiges Verhandlungsinstrument gegenüber Putin wäre, der sich mit der Vorstellung auseinandersetzen muss, dass sich Moskau in Reichweite der Ukraine befindet“, wie sie für Axios schreiben. Insofern ist die vom Defense Express befeuerte Debatte um die Reichweite dieser Waffe von entscheidender Bedeutung für Selenskyjs Verhandlungsposition gegenüber Wladimir Putin. Die viel gepriesene Reichweite von 2.500 Kilometern gelte nämlich lediglich in der Papierform, argumentiert das Magazin: „Die Reichweite bestimmt maßgeblich die Anzahl der Ziele in Russland, die diese Raketen vom ukrainischen Territorium aus angreifen können.“

Putins Regime in heller Aufregung: „Wer bestimmt die Zielrichtung dieser Raketen?“

Der Defense Express betont, dass die wahrhaftige Reichweite der in die Ukraine möglicherweise gelieferten Marschflugkörper deutlich niedriger liegen könnte, als die apostrophierten mehr als 2.000 Kilometer: „Seltener werden 1.600 Kilometer angegeben, manche Quellen nennen aber auch 1.700 Kilometer oder sogar nur 1.300 Kilometer.“ Welche militärischen Folgen das hätte, bleibt abzuwarten. Laut Defense Express würde die Rakete mit der höchsten Reichweite Russland bis jenseits des Ural verwunden können. Die kürzest mögliche Distanz beschränke die Wirkung der Waffe „jedoch auf den europäischen Teil Russlands, wo sich noch immer die überwiegende Mehrheit der strategischen Ziele befindet“. Die Drohung durch diese Waffe scheint also letztendlich kleiner zu sein, als sich das die Ukrainer oder sogar die USA wünschten.

Das legt eine Einschätzung der Washington Post (WP) nahe. „Wer bestimmt die Zielrichtung dieser Raketen? Die amerikanische Seite oder die Ukrainer selbst?“, will Dmitri Peskow wissen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat der Kreml-Sprecher damit auf die mögliche Tomahawk-Offerte von US-Präsident Donald Trump an den „David“ im Ukraine-Krieg reaguert. Allerdings werde der Republikaner Trump womöglich die Linie seines demokratischen Amtsvorgängers Joe Biden verfolgen, vermuten Alex Horton, David L. Stern und William Neff: „Washington würde vermutlich Informationen über Ziele und Radarausweichmanöver liefern, da die Marschflugkörper zur Steuerung US-amerikanische Militärnavigationssysteme nutzen. Das bedeutet, dass die USA letztlich ein Vetorecht darüber hätten, welche russischen Ziele Kiew angreifen möchte“, vermuten die WP-Autoren.

Trump-Kritiker: Die Bestände schonen, um für eine Auseinandersetzung mit China gewappnet zu sein

Laut dem Defense Express wird die Antwort Russlands wahrscheinlich auch davon abhängen, wie viele Tomahawks die Ukraine erhalte beziehungsweise welcher Modernisierungsstufe die angehörten. Auch die USA sollen mittlerweile knapp sein an dieser Waffe, vermutet die Washington Post aufgrund der Einschätzung von Mark Cancian. Laut dem Analysten des US-Thinktanks „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) sei der einstige Bestand von 9.000 Marschflugkörpern inzwischen geschrumpft. Neben den fest stationierten und den ausgemusterten Marschflugkörpern sollen auch schon Hunderte davon in Einsätzen verschossen worden sein. „Das Verteidigungsministerium habe den Vorrat aufgrund jüngster Operationen, darunter der Angriff auf iranische Atomanlagen und Ziele im Jemen, weiter reduziert“, so Cancian gegenüber der WP.

Darüber hinaus wird sich Trump auch internen Kritikern stellen müssen, vermutet das Blatt: Viele Militärs und Politiker wollen die Bestände schonen, um für eine Auseinandersetzung mit China gewappnet zu sein. Möglicherweise wird die Lieferung der Tomahawks also genau dem gleichen politischen Kalkül unterworfen sein, wie das schon mit anderen westlichen Waffensystemen gewesen ist: Die Ukraine bekommt genau so viele Waffen, damit sie nicht verliert, aber zu wenig, um effektiv zuschlagen zu können. Ob die schlussendlich gelieferten Marschflugkörper effektiv wären, stellt der Defense Express ebenfalls infrage: Die Reichweite von ungefähr 2.500 Kilometern sei nämlich mit einem eher leichten Sprengkopf erkauft worden.

USA gewarnt: Unklug, die russischen Bedenken hinsichtlich der Tomahawk-Raketen pauschal abzutun

Die maximale Reichweite schreibt das Magazin der Block II-Variante zu – die sei zeitnah entwickelt worden, nachdem die Rakete 1983 an die Truppe übergeben worden war. Der damals verwendete W80-Atomsprengkopf habe nur etwa 130 Kilogramm gewogen; das konventionelle Pendant beziffert der Defense Express mit 450 Kilogramm – was wiederum zu Lasten der Reichweite geht. Verschärfend käme eventuell hinzu, dass die Ukraine keine Waffe zur Verfügung haben dürfte, die potenziell atomwaffenfähig ist – das würde gegen die erst kürzlich verschärfte Atomdoktrin der Waffe verstoßen. Demnach erklärte sich automatisch zu Russlands Feind, wer der Ukraine eine potenziell atomare Bedrohung in die Hände gäbe.

Parallel dazu sieht der US-Thinktank „Institute for the Study of War“ (ISW) „einen Wendepunkt in der Kommunikationskampagne des Kremls“, wie der Tagesspiegel reportiert. Während Moskau bislang alle gelieferten West-Waffen als „bedeutungslos“ tituliert und relativ standardisiert gegen die „indirekte Beteiligung der USA“ gewettert hätte, „verschiebt sich der Ton nun in Richtung nuklearer Drohkulisse“, zitiert der Tagesspiegel das ISW. Aaron Stein und Sam Lair sehen das genau so, wie sie in einer aktuellen Analyse für den US-Thinktank „Foreign Policy Research Institute“ schreiben: „Es wäre jedoch unklug, die russischen Bedenken hinsichtlich der Tomahawk-Raketen pauschal abzutun oder, wie Präsident Donald Trump es angedeutet hat, davon auszugehen, dass Moskau ein ,Papiertiger‘ sei.“ Quellen: Center for Strategic and International Studies, Foreign Policy Research Institute, Reuters, Defense Express, United24, The Hill, Axios, Washington Post, Tagesspiegel ) (hz)

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