Putins Sprecher Peskow wiegelte ab: Neue Waffen seien kein Wundermittel und könnten den Frontverlauf nicht wenden. Ob jedoch ein Raketenangriff auf Moskau den Krieg stärker beeinflussen würde als die Frontlage, bleibt offen. (montage)
Ein Langstreckendurchbruch könnte nun in der Ukraine gelungen sein: Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsportals Zbroyasich hat die Ukraine ihren Marschflugkörper Neptun weiterentwickelt. Die neue Rakete wurde am Unabhängigkeitstag dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf einer derzeit stattfindenden Ausstellung in Kiew wurden das System und die Rakete präsentiert und genaue Angaben zu Reichweite und Sprengkopfgewicht veröffentlicht.
Neptun-D: Ukrainischer Raketendurchbruch enthüllt
Mit dem neuen Neptun-Marschflugkörper gelang den ukrainischen Konstrukteuren ein bemerkenswerter Durchbruch: Laut Buisness Insider, wurde der Flugkörper ursprünglich als Anti-Schiffs-Waffe auf der Grundlage der sowjetischen Kh-35 konzipiert. In der Ukraine begann mit dem Uraine-Krieg die Arbeit an einer verbesserten Version, welche auch Landziele ins Visier nehmen kann. Wie Buisness Insider weiter berichtet, habe der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow im vergangenen Jahr erklärt, dass die Rakete so modifiziert wurde, dass sie eine größere Reichweite habe und die Serienproduktion ausgeweitet worden sei.
Das neue Neptun System trägt den Namen Neptun-D mit der verbesserten Rakete RK360L, berichtet Defense Blog. Die Flugreichweite wird mit 1000 km angegeben. Damit entspricht sie etwa dem Dreieinhalbfachen der angegebenen Reichweite der Anti-Schiffs-Variante R-360 (280 km). Zum Vergleich: Die Distanz zwischen Kiew und Moskau beträgt etwa 750 Kilometer – die russische Hauptstadt läge also in Reichweite des neuen Raketensystems.
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Eine größere Reichweite wird in der Regel auf Kosten der Sprengkopfmassen erreicht. Doch beim neuen Neptun-System steigt auch die Sprengkopfmasse des RK360L auf 260 Kilogramm. Die Anti-Schiffs-Version hingegen besaß lediglich 150 Kilogramm Sprengstoff. Der Kompromiss scheint laut Defense Blog dadurch erreicht worden zu sein, dass das interne Treibstoffvolumen (und damit ein Teil der potenziellen Reichweite) reduziert wurde, um mehr Masse für den Sprengkopf zur Verfügung zu haben.
Länger und dicker: Die neue Neptun Rakete könnte im Ukraine-Krieg einschlagen
Die neue Version der Neptun ist länger und dicker: Fotoanalysen von Defense Blog zufolge misst die RK360L ohne Booster rund sechs Meter – gut 1,5 Meter mehr als das Basismodell – und ihr Rumpfdurchmesser wuchs von 38 auf etwa 50 Zentimeter. Die Rakete ist als Doppelrolle ausgelegt: Sie kann sowohl bewegliche Schiffe als auch stationäre Landziele treffen. Über die Lenkungssysteme gibt es keine vollständigen Angaben – die Anti-Schiff-Fähigkeit deutet jedoch auf einen aktiven Radarsucher in der Endphase hin.
Die Neptun Systeme im Vergleich
Anti-Schiffs-Neptun mit R-360
Neptun-D mit RK360L
Reichweite
280 Kilometer
1.000 Kilometer
Sprengkopfmasse
150 Kilometer
260 Kilometer
Körperlänge (ohne Booster)
4,5 Meter
6 Meter
Durchmesser des Rumpfes
38 Zentimeter
50 Zentimeter
Die Entwickler beseitigten mehrere Kernprobleme für den Landflug. Dazu zählen ein geländefolgender Flug über unebenes Gelände — ähnlich dem amerikanischen Tomahawk-System. Die präzise Routenführung ohne GNSS/Satellitennavigation; sowie hochauflösende Zielerfassung und -anflug auf Landziele. Zudem bietet die RK360L eine verlängerte Reichweite und einen stärkeren Gefechtskopf gegenüber dem Vorgängermodell.
Укроборонпром показал обновленную крылатую ракету Нептун Д, которой недавно был поражен завод "Электродеталь" орков в Брянской области. Боевая часть 260 кг, дальность 1000 км pic.twitter.com/ItyGKl22T0
Laut Axios bestätigten ein ukrainischer Beamter und eine zweite Quelle ein Treffen zwischen Selenskyj und Donald Trump am Rande der Generalversammlung. In einem weiteren Interview bestätigte Selenskyj, er habe bei dem Treffen den US-Präsidenten um Langstreckenwaffen gebeten.
Auch der US-Ukraine-Beauftragte Keith Kellogg äußerte sich zu ukrainischen Angriffen tief in Russland mit US-Waffen. Auf die Frage bei Fox News, ob Trump dies genehmigt habe, antwortete er: aufgrund der Äußerungen, die er von Trump, von Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio „gelesen“ habe, „ist die Antwort: Ja“. Kellogg sagte: „Nutzt die Fähigkeit, tief zuzuschlagen. Sichere Rückzugsorte gibt es nicht.“ Auch Vance bestätigte auf Fox News, die US-Regierung prüfe eine Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern. Trump habe jedoch in dieser Frage das letzte Wort.
Der Kreml wiegelte am Montag ab: Auch mögliche Tomahawk-Lieferungen würden die Frontlage nicht verändern. Es gebe „kein Wundermittel, dass die Situation an der Front zugunsten des ukrainischen Regimes verändern kann“, sagte Sprecher Dmitri Peskow. „Es gibt keine magische Waffe. Ob es Tomahawks oder andere Raketen sind, sie werden die Dynamik nicht verändern können.“
Trump wiederum verschärfte zuletzt seinen Ton gegenüber Russland. Hatte er anfangs noch auf Annäherung gesetzt, spricht er nun von einer möglichen Rückeroberung aller besetzten Gebiete. Nach seinem Treffen mit Wolodymyr Selenskyj in New York erklärte er, die Ukraine könne dies mit europäischer Hilfe schaffen. (Quellen: Zbroyasich, Defense Blog, Axios, Buisness Insider, dpa, afp frühere Berichterstattung) (kox)