VonPatrick Mayerschließen
Die Ukrainer rüsten sich für einen russischen Angriff auf die nächste ukrainische Region. Kiew nimmt umfassende Vorkehrungen gegen Panzer vor.
Dnipro – Der Iran-Israel-Konflikt und drohende weltweite Folgen rücken in diesen Tagen den brutalen Ukraine-Krieg etwas in den Hintergrund - zumindest was die internationale Aufmerksamkeit betrifft.
Ukraine-Krieg: Russland bereitet wohl Angriff auf Region Dnipropetrowsk vor
Die Israelis wollen den Krieg gegen das Mullah-Regime gewinnen, stellte der USA-Botschafter Tel Avivs in einem Interview mit dem amerikanischen Sender ABC News unmissverständlich klar. Was das für das mit Teheran verbündete Moskau-Regime des Kreml-Autokraten Wladimir Putin bedeutet, war Mitte Juni noch nicht abzusehen und Teil der Debatte.
Während Verhandlungen über eine mögliche Waffenruhe in der Ukraine weitgehend stagnieren, bereitet sich Kiew offenbar intensiv auf einen befürchteten Russland-Vorstoß in die nächste ukrainische Region vor. Dabei geht es um die Oblast Dnipropetrowsk.
Ukraine-Krieg: Russen rücken südlich von Pokrowsk in Richtung Dnipropetrowsk vor
Das Thema von mit Weitsicht vorbereiteten Verteidigungsanlagen im Rücken der Front ist ein heikles Thema, nachdem russische Truppen kurzzeitig die Grenze in der nördlichen Region Charkiw überquert und solche zusammenhängenden Stellungen einfach überrannt hatten. Unter anderem hatten ukrainische Militärblogger damals bemängelt, dass es zu viele Lücken gab und die ausgehobenen Gräben etwa nicht breit und tief genug waren, damit sie hätten die anstürmenden Verbände aufhalten können. Das alles soll im Osten des geschundenen Landes jetzt anders sein.
Zuletzt hatten einzelne russische Militärblogger behauptet, Putins Truppen hätten bei mehreren Dörfern schon die Grenze zwischen der Region Dnipropetrowsk und der Oblast Donezk überschritten, was die Ukrainer jedoch vehement verneinten. Gerade südlich von Pokrowsk sollen es jedoch stellenweise nur noch wenige Kilometer in die nächstgelegene Oblast sein. Es wäre nach Charkiw im Norden, Luhansk und Donezk im Osten sowie Saporischschja und Cherson im Süden die sechste Region, in der russische Verbände operieren würden.
| Oblast Dnipropetrowsk | |
|---|---|
| Einwohnerinnen und Einwohner: | 3,1 Millionen |
| Fläche: | 31.974 km² |
| regionale Hauptstadt: | Dnipro (970.000 Einwohner) |
| größere Städte: | Krywyj Rih (rund 610.000), Kamjanske (230.000), Nikopol (105.000), Pawlohrad (100.000) |
Ukraine-Front: Drachenzähne und Minensperren sollen Putins Soldaten aufhalten
Das Open-Source-Projekt Deepstate, das dem ukrainischen Militär nahestehen soll, durfte sich neuere Verteidigungsanlagen im Osten der Region Dnipropetrowsk anschauen - und kam zu dem Ergebnis, dass diese von „ziemlich guter Qualität“ seien. Deepstate teilte bei Telegram Fotos und Drohnenaufnahmen von offenbar kilometerlang verbundenen Befestigungsanlagen aus wuchtigen sogenannten Drachenzähnen aus Beton als Panzersperren, tiefen Gräben und breiten Erdwällen als Hindernisse für mechanisierte Verbände sowie Stacheldraht gegen Infanterie-Soldaten, die über diese Hürden schlicht klettern könnten.
Auch Minensperren mit teils vergrabenen Minen sollen integriert sein. Die Militärblogger loben regelrecht, dass sie „nicht über den Umfang“ der Verteidigungsanlagen Bescheid gewusst hätten. Es gebe „interessante Details“. In dem Beitrag bei Telegram heißt es: „Die Befestigungsanlagen werden in Form einer gestaffelten Verteidigung errichtet, die darauf abzielt, den Feind aufzuhalten und ihn zu erschöpfen, indem ihm maximale Verluste zugefügt werden.“ Brisant: Da es nach heftigen Verlusten für die Ukraine wohl selbst an ausreichend Personal mangelt, seien die Anlagen laut Deepstate beinahe die einzige Taktik gegen die Moskauer Truppen..
Verluste für Wladimir Putin: Russland schickt Infanterie gegen ukrainische Stellungen
Zu ihrem Posting schreiben die ukrainischen Militärblogger: Sie übten ständig mit kleinen Gruppen Druck aus und kämen voran, „da die Moskauer einfach keine Verluste einkalkulieren und bereit sind, Tausende von Infanteristen zu opfern, um ihre Aufgaben zu erfüllen“. (pm)
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