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Hohe Verluste für Russland im Krieg in der Ukraine: Durch die Zerstörung von Raketensystemen stoßen Putins Truppen in der Gegenoffensive auf Probleme.
München – Keine guten Nachrichten für Russland im Ukraine-Krieg. Die aktuelle Lage legt nahe, dass die Offensive der Ukraine Gebietsgewinne im Süden des Landes verzeichnet. Ein Umstand, der Wladimir Putin Sorgen machen sollte, selbst wenn Moskaus Entscheidungsträger nicht müde werden, zu betonen, dass die ukrainische Gegenoffensive gescheitert sei.
Das geht aus einem Bericht des Institute for the Study of War (ISW) hervor. Dieser weist darauf hin, dass Putin zuvor gesagt hatte, die russischen Streitkräfte hätten während der Gegenoffensive der Ukraine eine immense Menge an Ausrüstung zerstört. Doch Russland hat im Krieg in der Ukraine ebenfalls hohe Verluste an Mensch und Material zu beklagen.
Russland gehen die Raketenwerfer im Ukraine-Krieg aus – Hälfte der „Grad“-Raketensysteme verloren
Dies lässt sich beispielsweise an den Daten zu den russischen Verlusten beim „Grad“-Raketenwerfer ablesen, die Putins Streitkräfte seit Beginn des Ukraine-Kriegs hinnehmen mussten. Das Portal Oryx stützt sich bei der Auswertung der verlorenen oder zerstörten Raketenwerfer auf die Erkenntnisse einer unabhängigen Geheimdienstorganisation. Diese legen nahe, dass Russland über 250 dieser Raketensysteme verloren hat. Das entspricht womöglich etwa 50 Prozent des gesamten Arsenals.
Woher hat Oryx die Daten zu Russlands Verlusten im Ukraine-Krieg?
Oryx sammelt, ordnet und kategorisiert unabhängig Feldinformationen anhand geolokalisierter Fotos und Videos von Verlusten militärischer Ausrüstung, unter anderem für Russlands Krieg in der Ukraine und anderer internationaler Kriegsgebiete.
Tatsächlich könnten die Verluste für Russland beim Grad-Raketensystem sich als noch verheerender herausstellen, da Oryx nur Zerstörungen im Ukraine-Krieg aufnimmt, die auf unabhängig bestätigten Beweisen beruhen.
Offensive im Ukraine-Krieg: Raketenwerfer spielen für Russland bei der Verteidigung eine wichtige Rolle
Dieser Umstand könnte ein nicht ganz unwesentlicher Faktor für die Erfolge von Kiews Offensive im Ukraine-Krieg der vergangenen Tage sein. Da die Grad-Raketensysteme laut Rosboronexport, dem staatlichen russischen Exporteur, „dazu konzipiert sind, feindliche Motorgewehr- und Infanterieeinheiten in Konzentrationsgebieten, auf dem Marsch und in Kampfformationen zu zerstören.“ Des Weiteren gehören Artillerie- und Mörserbatterien, Luftverteidigungseinheiten sowie Logistikeinrichtungen zu den geeigneten Zielen.“
Der Grad – was aus dem Russischen „Hagel“ bedeutet – ist das zahlreichste und am weitesten verbreitete Multiple Launch Rocket System (MLRS) der Welt. Obwohl es extrem hohe Zerstörungskraft besitzt, ist der Raketenwerfer äußerst ungenau und unpräzise, weshalb humanitäre Organisation wie Human Rights Watch ihn als „bösartig und wahllos“ einstufen.
Raketenwerfer im Ukraine-Krieg: Grad-Raketensysteme haben eine vernichtende Explosionskraft
Dennoch ist der Grad-Raketenwerfer ein wichtiger Bestandteil des russischen Militärarsenals. Viele Strategien Russlands beim Angriff und der Verteidigung gegen Infanterie, Panzer oder Artillerie-Einheiten beruhen auf den Stärken des MLRS-Raketensystems, was Russlands aktuelle Taktik im Ukraine-Krieg unter Beweise stellt. Im Norden des Landes feuern Putins Truppen „ohne Pause“ auf die ukrainischen Stellungen.
Im Falle des Grad-MLRS „können nach dem Abschuss diese ungelenkten Raketen überall in einem Rechteck von etwa 54.000 Quadratmetern einschlagen, was etwa der Fläche von siebeneinhalb Fußballfeldern entspricht“, kommentierte Human Rights Watch. „Der gebräuchlichste Typ enthält etwa 6,4 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoff, aus dem etwa 3.150 Fragmente entstehen. Diese Fragmente können dann in einem Umkreis von 28 Metern töten oder verstümmeln.“
Grad-Raketenwerfer im Ukraine-Krieg: Russland verfügt wohl über 1.100 einsatzfähige Raketensysteme
Eine dreiköpfige Besatzung kann den mobilen Grad-Raketenwerfer in drei Minuten feuerbereit machen. Eine Stärke des Systems, da die mobilen Schlachtfelder zunehmend von Drohnen dominiert werden. Alle 40 Raketen können in 20 Sekunden oder einzeln bzw. in kleinen Gruppen in Abständen von mehreren Sekunden abgefeuert werden. Raketen, die mit hochexplosiven Splitter-, Brand- oder Chemiesprengköpfen bewaffnet sind, können je nach Art der abgefeuerten Raketen bis zu 20 Kilometer weit abgefeuert werden.
Internationale Militärexperten schätzen, dass Russland auf dem Papier über 3.000 Grad verfügt. Die Realität auf dem Schlachtfeld sieht aber wohl anders aus, da tausende Exemplare des MLRS-Raketensystems völlig veraltet sind. Realistischer ist, dass es in ganz Russland rund 1.100 kampfbereite Grads unterschiedlicher Art gibt, von denen möglicherweise die Hälfte in Russlands Krieg in der Ukraine im Einsatz waren.
Russlands Krieg in der Ukraine: Fehlende zeichnen düstere Prognose für Gegenoffensive
Die hohen Verluste bei den „Grad“-Raketenwerfern zeichnen daher ein düsteres Bild für Russland in den kommenden Wochen der ukrainischen Gegenoffensive. Schließlich wäre das Raketensystem geradezu prädestiniert für den Schutz von Verteidigungslinien, um den Vormarsch der Ukraine zu verhindern.
