VonBedrettin Bölükbasischließen
Im Ukraine-Krieg wurde das Gebiet Cherson von Wladimir Putins Truppen eingenommen. Ein Krim-Vertreter deckt den Plan auf – doch Russland selbst gibt sich zurückhaltend.
München/Cherson - Rund zweieinhalb Monate sind vergangen, seitdem sich der seit 2014 bestehende Ukraine-Konflikt in den Ukraine-Krieg verwandelt hat. Der russische Präsident Wladimir Putin erteilte am 24. Februar den Befehl für die Invasion des Nachbarlandes. Nun intensivieren sich die Kämpfe im Osten der Ukraine. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Der Kreml will das Donbass-Gebiet um jeden Preis erobern.
Wenn auch nicht so stark wie die Ostukraine, ist derzeit auch der Süden der Ukraine immer wieder Schauplatz von Zusammenstößen zwischen russischen und ukrainischen Truppen. Relativ zu Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde das für Moskau strategisch äußerst wichtige Gebiet Cherson direkt im Norden der Krim von Russland eingenommen. Trotz der vielen Sanktionen und dem internationalen Entsetzen könnte der Kreml dort einen neuen Schritt gehen. Bislang gibt sich Russland jedoch zurückhaltend.
Ukraine-Krieg: Putin-Gouverneur der Krim verrät Cherson-Plan - „wird weitere Region Russlands werden“
Nach Angaben des russischen Vertreters in der 2014 illegal annektierten Krim wird Russland die im Rahmen der Ukraine-Invasion eingenommenen südlichen Gebiete der Ukraine offenbar in das eigene Territorium integrieren. „Ich habe keine Zweifel daran, dass die befreiten Territorien im Süden der ehemaligen Ukraine eine weitere Region Russlands werden“, erklärte Georgy Muradow, der permanente Vertreter Russlands in der Krim, gegenüber der russischen Staatsagentur Ria Nowosti. Muradow behauptete, ausgehend von Gesprächen mit lokalen Bewohnern sei dies „der eigene Wille der Bevölkerung“.
Dabei prägte er einen neuen Begriff ganz in Linie mit dem vom Kreml als Ziel der Invasion angegebenen „Denazifizierung“ der Ukraine. Seit acht Jahren leide die Bevölkerung im Süden der Ukraine unter der Erpressung von „Ukronazis“, so der Vertreter. „Russland wird die Verletzung der Grundrechte unserer Landsleute sowie das straflose Schießen gegen die russische Welt auf Geheiß des Westens nicht mehr erlauben“, versicherte Muradow gegenüber Ria Nowosti. Diese Gebiete seien ohnehin schon immer Teil Russlands gewesen und lediglich der Ukraine „gespendet“ gewesen - eine Aussage, die von Putin schon zu Beginn der Invasion immer wieder erwähnt wurde.
Muradow zählte im Interview mit der Agentur auch Maßnahmen auf, die bereits getroffen wurden. Man habe schon militärisch-zivile Verwaltungen aufgestellt und russische Fernsehsender hätten die Arbeit aufgenommen. „Russische Bücher tauchen in Schulen auf und der Russische Rubel tritt erfolgreich in das wirtschaftliche Leben der Region ein“, hieß es weiter vom Vertreter. Schon zuvor signalisierte Russland die Bereitschaft, Cherson ähnlich wie die Krim zu annektieren.
Ukraine-Krieg: Russland will „für immer“ in Cherson bleiben - Ukraine verspricht Rückeroberung
Nicht nur Muradow, sondern auch Andrej Turtschak, Generalsekretär der Putin-nahen Partei „Einiges Russland“, unterstrich zuvor die Pläne Moskaus für Cherson und signalisierte eine Neuziehung von Grenzen. „Ohne Zweifel ist Russland in Cherson, um für immer hier zu bleiben“, sagte er bei einem Besuch in der Region laut Ria Nowosti. Es werde keine Rückkehr ins Alte geben, versprach er.
Die ukrainische Seite hingegen ist fest entschlossen, kein weiteres Mal Territorium an Russland zu verlieren. „Es wird keine Volksrepublik Cherson geben“ stellte Mychajlo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, klar. Man werde Cherson so bald wie möglich „mit aller Härte befreien“ und hierfür so viele russische Soldaten ausschalten wie möglich, zitierte ihn die ukrainische Nachrichtenagentur Unian.(bb)
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