VonJulia Schöneseiffenschließen
Der russische Krieg gegen die Ukraine weist erschreckende Parallelen zur Beteiligung Russlands am Syrien-Krieg 2015 auf.
Kiew/Damaskus - Vor elf Jahren begann der Krieg in Syrien. 2015 griff dann Russland an der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad in das Kriegsgeschehen ein. Dies geschah unter dem Vorwand, Assad im Kampf gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) zu unterstützen. Doch schnell wurde klar, dass hinter dem Einsatz auch strategische Überlegungen steckten, die keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nahmen. Ähnliches lässt sich nun im Russland-Ukraine-Krieg beobachten, wie die Bombardierung eines Theaters im ukrainischen Mariupol, in welchem sich Hunderte Zivilisten befanden, zeigt.
Parallelen zwischen Ukraine und Syrien: Russische Angriffe auf zivile Infrastruktur
„Syrien war nicht nur ein Testgebiet für russische Kriegstaktiken. Es war ein Test für einen zweiten Krieg“, erklärte Hamid Quataini vom Zivilschutz Syrien dem ZDF. Erst eine Woche vor dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte der russische Verteidigungsminister den syrischen Machtinhaber al-Assad besucht. Über 320 Waffenarten habe Russland in Syrien getestet, hieß es anschließend.
Die größte Parallele zwischen Syrien und der Ukraine zeigt sich in den russischen Angriffen auf die zivile Infrastruktur, um die Menschen zu demoralisieren. Der Arzt Monzer Yazji versorgte im syrischen Krieg Schwerverletzte in Notlazaretten. Yazji, der heute in den USA lebt, ist nun mit einem syrischen Ärzteteam im ukrainischen Kriegsgebiet unterwegs. Gegenüber tagesschau.de erklärte der Arzt: „Ich habe in Aleppo mehrmals direkten Beschuss auf Krankenhäuser erlebt. Und jetzt geschieht hier in der Ukraine das Gleiche. Sie beschießen Kraftwerke, Wasserreservoirs, Schulen, Krankenhäuser.“ So bleiben auch im Ukraine-Konflikt Krankenhäuser nicht verschont. In der umkämpften Hafenstadt Mariupol hatten russische Truppen eine Geburtsklinik beschossen.
Russische Kriegseinsätze in der Ukraine und Syrien: „Brutalität der Kriegsführung“
Auch Margarete Klein, Osteuropaforscherin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), sieht Parallelen zwischen den beiden russischen Kriegseinsätzen. „Das sind vor allem die Brutalität der Kriegsführung und der Beschuss von Städten. Mit einkalkulierten Opferzahlen“, sagte sie im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Allerdings gab sie auch zu bedenken: „Die Operation selbst ist eine andere. In Syrien war das primär eine Luftoperation, es gab kaum russische Bodentruppen. In der Ukraine sehen wir jetzt große Heeresgruppierungen.“ Mehr zu den militärischen Kämpfen im Ukraine-Krieg finden Sie in unserem News-Ticker. (jsch)
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