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Ukraine-Check zum Scholz-Zögern: EU-Mehrheit tut‘s dem Kanzler gleich - nur 10 Regierungschefs schon in Kiew

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Bundeskanzler Olaf Scholz mit Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seinem letzten Besuch in Kiew kurz vor Kriegsausbruch. Seitdem war der Kanzler nicht mehr in der Ukraine.
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Olaf Scholz verzichtet bisher auf eine Kiew-Reise. Das wird kritisiert. Dabei orientiert sich der Kanzler an der Mehrheit der EU-Chefs. Der Ukraine-Besucher-Check.

Belgrad/Kiew - Bundeskanzler Olaf Scholz weilte am Freitag (10. Juni) in Pristina und Belgrad. Der Bundeskanzler war um Entspannung im Serbien-Kosovo-Konflikt bemüht. Auch, wenn das nicht vollends glückte, ist der Scholz-Besuch bei den EU-Beitrittskandidaten freilich wichtig. In der Ukraine sah man den Kanzler seit Kriegsbeginn jedoch nicht.

Ukraine-Krieg: Scholz zögert

Scholz wolle keine Reise um des Reisen-Willens machen, hieß es aus dem Bundeskanzleramt. Der ukrainische Botschafter Melnyk nannte ihn daraufhin eine „beleidigte Leberwurst“. Der Streit ist mittlerweile beigelegt. Ebenso die Differenzen um die ukrainische Ausladung Frank-Walter Steinmeiers. Einer Kiew-Reise steht damit eigentlich nichts mehr im Wege. Wobei Scholz bei Reise in die Ukraine freilich auch „etwas mitbringen muss“, wie es aus der CDU heißt. Etwa weitere Waffenlieferungen oder zumindest konkrete Zusagen.

Nun ist es wahrlich nicht so, dass die deutsche Politik der Ukraine fernbleibt. Erst war ein Ampel-Trio, dann Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) nach Kiew gereist. Aus dem Bundeskabinett waren etwa Annalena Baerbock (Grüne) oder Svenja Schulze (SPD) vor Ort. Derzeit befindet sich Karl Lauterbach (SPD) in der Ukraine. Scholz hält sich unterdessen bedeckt. Wie sieht das mit seinen Amtskollegen in der EU aus? Ein Überblick über die Regierungschefs der Europäischen Union. Wer war in der Ukraine? Wer zögert?

Ukraine-Krieg: Diese EU-Regierungschefs waren bereits vor Ort

  • Bulgarien: Kiril Petkow
  • Dänemark: Mette Frederiksen
  • Finnland: Sanna Marin
  • Kroatien: Andrej Plenkovic
  • Österreich: Karl Nehammer
  • Polen: Mateusz Morawiecki
  • Portugal: Antonio Costa
  • Rumänien: Nicolae Ciuca
  • Spanien: Pedro Sanchez
  • Tschechien: Petr Fiala

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Aus der Europäischen Union waren bereits zehn Regierungschefs in der Ukraine zu Gast. Als größter Unterstützer von Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj gilt Polen um Ministerpräsident Mateusz Morawiecki. Polen nimmt viele ukrainische Flüchtlinge auf und unterstützt das Land mit Waffen. Fernab der EU pflegt Selenskyj auch enge Beziehungen zu Großbritannien und dessen Premierminister Boris Johnson.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit seinem Verbündeten Boris Johnson im April 2022. Großbritannien ist kein EU-Mitglied mehr.

Ukaine-Krieg: Diese EU-Regierungschefs verzichteten bislang auf einen Besuch

  • Belgien: Alexander De Croo
  • Estland: Kaja Kallas
  • Frankreich: Emmanuel Macron (de facto Regierungschef neben Premierminister)
  • Griechenland: Kyriakos Mitsotakis
  • Irland: Micheál Martin
  • Italien: Mario Draghi
  • Lettland: Krisjanis Karins
  • Litauen: Ingrida Simonyte
  • Luxemburg: Xavier Bettel
  • Malta: Robert Abela
  • Niederlande: Mark Rutte
  • Schweden: Magdalena Andersson
  • Slowakei: Eduard Heger
  • Slowenien: Robert Golob
  • Ungarn: Viktor Orban
  • Zypern: Nikos Anastasiadis

Ukraine-Krieg: Scholz‘ sozialdemokratische Kollegen wählen anderen Kurs

Die Mehrheit der EU-Chefs verzichtet bisher auf einen Besuch in die Ukraine. In vielen Ländern war Selenskyj virtuell zugeschaltet, etwa in Belgien, Irland oder Italien. Andere Politiker wie Mark Rutte oder Emmanuel Macron waren kurz vor Eskalation des Ukraine-Konflikts in Kiew. In Slowenien wurde mit Robert Golob erst vor kurzem ein neuer Ministerpräsident gewählt. Sein Vorgänger Janez Jansa gehörte zu den ersten EU-Regierungschefs, die in die Ukraine gereist waren.

Fazit: Scholz ist mit seinem Zögern keinesfalls allein, bisher waren aber bereits einige Regierungschefs in der Ukraine. Auch sozialdemokratische Politiker wie Sanna Marin, Mette Frederiksen, Pedro Sanchez oder Antonio Costa. Sie würden die Ukraine im Zeichen der Sozialdemokratie unterstützen, argumentierte jüngst eine polnische Zeitung und schlussfolgerte: „Scholz hält seine eigenen Ankündigungen nicht ein.“ Angekündigt hat der Kanzler einen Ukraine-Besuch bisher übrigens nicht. (as)

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