VonJens Kiffmeierschließen
Schwere Vorwürfe von Selenskyj: Russland soll im Ukraine-Krieg 200.000 Kinder verschleppt haben. Tatsächlich könnte Putin eine Strategie damit verfolgen.
Kiew – Der Krieg hat ihnen das Zuhause genommen: Die Ukraine hat die Verschleppung von 200.000 Kindern nach Russland angeprangert. In einer Videoansprache erinnerte Präsident Wolodomyr Selenskyj an ihr Schicksal und sprach von gezielten Deportationen. Das von Präsident Wladimir Putin befürwortete Vorgehen sei ein „niederträchtiges Kriegsverbrechen“, sagte der ukrainische Staatschef. Moskau selber hat die Vorwürfe nie dementiert. Tatsächlich könnte dahinter eine gezielte Taktik stecken.
Ukraine-Krieg: Wolodymyr Selenskyj prangert Verschleppung von 200.000 Kindern nach Russland an
Der Ukraine-Krieg steuert auf den 100. Tag zu. Nach einer von Russlands Präsident Wladimir Putin befohlenen Großoffensive auf das ganze Land sind die russischen Kriegsziele verändert worden. Mittlerweile wurden die Gefechte fast vollständig auf die östlichen Landesteile verlagert. Trotz hoher Verluste verzeichnen Putins Truppen dort Geländegewinne und könnten möglicherweise das Minimalziel erreichen.
Durch die andauernden Gefechte sind aber auch viele Kinder zu Schaden gekommen. Anlässlich des internationalen Kindertages machte Selenskyj in seiner Ansprache darauf noch einmal aufmerksam. Neben den massenhaften Verschleppungen seien 243 Kinder in dem Krieg getötet worden, 446 Kinder seien verletzt und 139 würden noch vermisst. „Und das sind die, von denen wir wissen“, so der Präsident.
Moskau selber bestreiten nicht, dass Menschen aus der Ostukraine seit Kriegsbeginn nach Russland gebracht worden sind. Nach Darstellung des Kremls suchten sie aber Schutz vor den Kämpfen. Den Angaben zufolge handelt es sich dabei um insgesamt 1,6 Millionen Flüchtlinge.
Ukraine-News: Entvölkerung der Ostukraine ist Ziel von Russlands Präsidenten Wladimir Putin
Dennoch könnte die schleichende Entvölkerung im Sinne Putins sein. Diese These haben bereits mehrere Russland-Experten aufgestellt. So tauchten zuletzt in ukrainischen Medien, aber auch in der westlichen Politik die Einschätzungen auf, dass Russland kein Interesse am Wiederaufbau der zerstörten Region habe. Demografisch habe Russland nicht die Möglichkeit, russlandtreue Menschen dort anzusiedeln und es herrsche die Angst vor einem Partisanenkrieg, berichtete kürzlich Zeit-Online. Insofern, so hieß es, sei die Verschleppung wohl durchaus eine gezielte Strategie.
Rubriklistenbild: © Mykola Tys/dpa

