VonYannick Hankeschließen
Belarus-Machthaber Aleksandr Lukaschenko soll Russlands Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg betrogen haben. Was steckt dahinter?
Moskau/Minsk – Viele Staaten haben sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs von Initiator Wladimir Putin, dem Präsidenten Russlands, distanziert. Und doch gibt es sie noch, die Verbündeten des Kreml-Herrschers, die machtpolitische Interessen verfolgen und sich hinter Putin stellen. Gut für Russland, dass versucht, nicht in der vollkommenen Isolation zu enden.
Doch sollen neue Geheimdienstinformationen zeigen, dass Wladimir Putin ausgerechnet von einem seiner wichtigsten Verbündeten enttäuscht, betrogen und verraten wurde. Hierbei geht es um Belarus-Diktator Aleksandr Lukaschenko, der sich immer wieder gern seiner engen Beziehung zum Kreml-Herrscher rühmte.
Ukraine-Krieg: Belarus-Diktator Aleksandr Lukaschenko soll Russlands Präsident Wladimir Putin hintergangen haben
Wie bild.de berichtet, würden Briefe eines Whistleblowers aus dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB den Verrat Lukaschenkos nahelegen. Diese Briefe seien von Igor Sushko, dem Geschäftsführer der Denkfabrik Wind of Change Research Group in Washington, übersetzt worden. Und enthüllen pikante Informationen bezüglich des wohl angespannten Binnenverhältnisses zwischen Lukaschenko und dem womöglich vor einem Sturz stehenden Putin.
Was Lukaschenko seinem Despoten-Kollegen in Bezug auf den Ukraine-Krieg bislang stets verweigert hatte: Zugriff auf die Truppen von Belarus. Diese beteiligen sich weiterhin nicht aktiv an dem russischen Überfall auf die Ukraine. Doch hatte Putin ganz andere Pläne für Belarus, würden die von Sushko übersetzten Briefe nahelegen. Doch wurden diese nun mal von Lukaschenko selbst durchkreuzt. Der Reihe nach.
Lukaschenko war für Kreml ein „einfaches Ziel“ – doch dann lief Putins Ukraine-Krieg nicht nach Plan
Zunächst hatte der Kreml Lukaschenko als „einfaches Ziel“ auserkoren. Putin und die Seinen seien der Annahme gewesen, dass es quasi ein Kinderspiel wäre, den von Russland abhängigen Belarus-Machthaber wie eine Marionette steuern zu können. Das hätte Lukaschenko sogar anfangs noch mit sich machen lassen. Doch wurde dann klar, dass der Ukraine-Krieg für Russland zu scheitern drohte. Und damit begannen auch die russischen Lukaschenko-Pläne zu bröckeln.
Stets unter Berufung auf die FSB-Briefe, heißt es von Sushko, dass „bereits am dritten Kriegstag“ klar war, dass der russische Angriffskrieg ein Fehlschlag war. Und genau zu diesem Zeitpunkt hätte Lukaschenko damit begonnen, „außer Kontrolle zu geraten“. Es hätte außerhalb der Macht vom FSB gelegen, den Belarus-Machthaber „zu entfernen“. Ein Problem für Putin. Doch längst nicht das Einzige in Bezug auf Lukaschenko.
Lukaschenko legt geheime Militärpläne von Putin offen
Denn auf einmal traf sich Lukaschenko mit seiner Militärführung und präsentierte eine ominöse Ukraine-Karte. Das war am 1. März 2022, das Treffen wurde im Staatsfernsehen übertragen. Doch damit nicht genug: Fernsehsender aus aller Welt zeigten die Bilder, zugleich kursierten Video-Ausschnitte im Internet. Laut dem FSB-Brief war das, was die Karte zeigte, militärpolitischer Sprengstoff. Sie enthüllte nämlich die russischen Pläne, aus der Marionetten-Republik Transnistrien nach Odessa und Moldawien vorzustoßen.
Der FSB, also der russische Geheimdienst, sei davon überzeugt, dass Lukaschenko diese Geheimpläne bewusst an die Öffentlichkeit weiterleite und auf diesem Wege „die internationale Aufmerksamkeit auf die wahren Ziele militärischer Angriffe lenkte“. Daraufhin tat Lukaschenko dann so, als sei ihm sein Geheimnisverrat gar nicht bewusst gewesen. Zusammengefasst: Putin wurde vom Belarus-Diktator hintergangen, das russische Militär wurde geschwächt.
Putin will Belarus-Truppen für den Ukraine-Krieg – und hat sie bis heute nicht erhalten
Welches Kalkül Lukaschenko dabei begangen haben soll: „Nach einer solchen Demonstration der ‚Unzuverlässigkeit‘ von Belarus begann Russland blitzschnell, echte Informationen aus Minsk zurückzuhalten, was ihnen half, nicht in den Krieg hineingezogen zu werden“. Seitdem, so heißt es, sollen alle Versuche, den Belarus-Machthaber zu erpressen oder zu bestechen, gescheitert sein.
Russische Soldaten sind de facto zwar noch immer in Belarus stationiert. Und Belarus liefert auch weiterhin Militärgerät an die russische Armee. Doch das, was Putin am wichtigsten war, hat Lukaschenko dem Kreml-Herrscher bis heute nicht gegeben: die aktive Beteiligung von Belarus am Ukraine-Krieg.
