Ukraine-Krieg

Nato trifft Vorbereitungen für Sieg Russlands – auch Pistorius warnt

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Angst geht um in Europa: In einigen Jahren könnte Russland die Nato angreifen – die muss nachrüsten; und Boris Pistorius schwört Deutschland jetzt ein.

Berlin – „Wenn die Ukraine verliert ...“, diese bisher undenkbare Annahme hatte Sönke Neitzel gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk erstmals Mitte November öffentlich zu thematisieren begonnen. In den vergangenen zwei Monaten bricht sich diese Überlegung immer breitere Bahn. Der Sieg von Wladimir Putins Truppen im Ukraine-Krieg steht mittlerweile klar als Option im Raum und lässt Zweifel an einem für Europa günstigen Ausgang des Ukraine-Krieges wachsen. Die Angst vor Russland geht um in Europa; mit Folgen für die Bundeswehr.

„Ich sage den Leuten immer: Ihr glaubt, der Krieg in der Ukraine würde vorübergehen wie ein böser Traum; und dann kann man sich wieder anderen Dingen zuwenden. Aber das wird nicht passieren“, sagt der Militär-Historiker Neitzel weiter. Er fordert damit gerade die Politik auf, ehrlich zu makeln. Mit seiner Forderung nach echter „Kriegstüchtigkeit“ der Bundeswehr hat sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) neben Neitzel viele Freunde gemacht; er wird sogar als mögliche Ablösung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gehandelt. Jetzt spricht Pistorius wieder Klartext und warnt eindringlich vor einem russischen Angriff auf das Nato-Bündnisgebiet: in fünf bis acht Jahren könne das Szenario Realität werden.

Nato: Wladimir Putin verbreitet „gefährliche Nuklearrhetorik“

Pistorius ist ein Mann nach Neitzels Geschmack, wie der dem NDR gesagt hat: „Es ist hohe Zeit, dass wir auch in der Sicherheitspolitik ehrlich sind; dann können wir uns auf die Situation einstellen. Wir müssen dazu in der Lage sein, unsere Demokratie und unsere Bündnis-Partner zu verteidigen.“ Laut dem Hamburger Abendblatt besteht die große Sorge im Bündnis: Binnen fünf Jahren nach Kriegsende könne ein aggressives Russland seine Armee nicht nur auf den alten Stand bringen, sondern sogar zu einer größeren und leistungsfähigeren Streitmacht ausbauen. Dazu gehöre ein Modernisierungsprogramm mit neuen Technologien, das dem Westen Sorgen machen müsse, warnt Nato-Oberbefehlshaber Christopher Cavoli, ein amerikanischer Vier-Sterne-General, der aus dem belgischen Mons heraus das Supreme Headquarters Allied Powers Europe leitet.

Wie Cavoli beobachtet, erleide Putins Armee in der Ukraine zwar massive Verluste. Doch die strategischen Streitkräfte Russlands hätten keine nennenswerte Verschlechterung erlitten, Luftwaffe und Marine seien weitgehend kampffähig, die Armee werde sich auch wieder erholen, so Cavoli; und die Militärführung habe in der Ukraine wertvolle Erfahrungen mit einem modernen, konventionellen Krieg gesammelt. Auch Putins gefährliche Nuklearrhetorik führe zu strategischer Unsicherheit, wie das Abendblatt schreibt.

Experte: Russland beginnt „Wettstreit der Risikobereitschaft“ mit der Nato

Fabian Hoffmann ist sogar noch vorsichtiger, wie er dem ZDF gegenüber geäußert hat. Der Politikwissenschaftler an der Universität Oslo will die westlichen Länder in zwei bis drei Jahren so hochgerüstet wissen, dass Putin ein Angriff auf die Nato viel zu teuer zu stehen käme. Hoffmann spricht explizit von einem anlaufenden „Wettstreit der Risikobereitschaft“ zwischen Russland und der Nato: „Die Militärstrategie Russlands baut im Prinzip auf zwei Komponenten auf: Das eine sind die militärischen Fähigkeiten, wie sie jetzt auch in der Ukraine zum Einsatz kommen; das andere ist die Willenskraft, in einem Kampf mit der Nato durchzuhalten und auch davon auszugehen, dass die Nato nicht bereit wäre immer größere Risiken in einer aktiven Kampfhandlung mit Russland einzugehen“, wie er sagt.

Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, bei einem Besuch in Litauen.

Hoffmann zufolge ist die Ukraine die Generalprobe Russlands für eine militärische Auseinandersetzung mit der Nato – die russische Führung würde gelernt haben, dass eine konventionelle militärische Auseinandersetzung gegen die Nato ins Verderben führen würde. Vielmehr geht Hoffmann davon aus, Russland wolle einen Blitzkrieg führen gegen das Baltikum, dort Nuklearwaffen stationieren und gegen Infrastruktur-Ziele tief in Westeuropa einsetzen. Das sollte dem Westen dann signalisieren, weiterer Widerstand würde allenfalls das Leid der Bevölkerung vergrößern.

Kalter Krieg „reloaded“: Deutschland braucht wieder „Vorwärtsverteidigung“

„Vorwärtsverteidigung“ ist Hoffmanns Credo, was bedeutet: schnelle und effektive Verteidigung direkt an der Frontline, ohne dem Angreifer die Möglichkeit von Raumgewinnen zu ermöglichen. Dieser Begriff ist allerdings ein alter Hut und stammt aus der Zeit, als sich Nato und Warschauer Pakt bis an die Zähne bewaffnet an der innerdeutschen Grenze gegenüberstanden, wie das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr erläutert: „In ihren strategischen Konzepten zur Verteidigung Westeuropas setzte die Nato von Anfang an auf das Prinzip einer möglichst weit östlich einsetzenden Verteidigung, um möglichst viel Schaden von der Bundesrepublik Deutschland fern zu halten. Sie wurde anfänglich als „Vorwärtsverteidigung“, später dann als „Vorneverteidigung“ bezeichnet. Die Umfirmierung sollte den Verdacht entkräften, (bundes)deutsche Soldaten schickten sich erneut an, die Grenzen ihres Territoriums zu überschreiten.

Hoffmann überrascht im ZDF mit einem weiteren Begriff aus der Mottenkiste des Kalten Krieges: der „Gegenschlagsfähigkeit“ der Nato, die seiner Meinung nach drastisch erhöht werden müsse. Bereits vor fast 20 Jahren hatten Analysten ein nüchternes Bild der westdeutschen Sicherheitspolitik gezeichnet anhand der Fragen, inwieweit das Verteidigungskonzept der Nato angesichts nuklearer Bedrohung aus dem Osten funktioniert hätte und was aus der Bundesrepublik als Schlachtfeld geworden wäre, beziehungsweise inwieweit Deutschland als Staat innerhalb der Nato überhaupt Raum für souveräne Entscheidungen geblieben wäre. Der Historiker Dieter Krüger gelangte zur These: „Eine europäische Verteidigungsidentität war und ist ohne deutsche Streitkräfte undenkbar. Noch immer unterscheiden sich die Vereinigten Staaten durch die Fähigkeit zu unilateralem Handeln von allen anderen Mitgliedern der Allianz. Folglich erscheint die bislang so ferne europäische Verteidigungsidentität mit nuklearer Komponente heute so aktuell wie in den 1960er Jahren.“

Nato fürchtet sich vor Russlands modernisiertem Waffenarsenal

Möglicherweise hieße das im Rahmen der von Pistorius geforderten Kriegsertüchtigung Deutschlands, auch wieder über eine atomare Nachrüstung Deutschlands beziehungsweise der Bundeswehr nachzudenken. Immerhin: Die von Deutschland bestellten amerikanischen F-35-Flieger können Atomwaffen tragen. Nato-General Cavoli sieht ein Menetekel heraufziehen, wie ihn das Hamburger Abendblatt zitiert.

Binnen fünf Jahren nach Kriegsende könne ein aggressives Russland seine Armee nicht nur auf den alten Stand bringen, sondern sogar zu einer größeren und leistungsfähigeren Streitmacht ausbauen. Dazu gehöre ein Modernisierungsprogramm mit neuen Technologien, das dem Westen Sorgen machen müsse – „von der Hyperschallgleitwaffe Avangard, die Atombomben mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit und unberechenbarem Kurs ins Ziel trägt, bis zur atomgetriebenen Unterwasserdrohne Poseidon, die radioaktive Tsunamis auslösen könnte.

Umfragen der tagesschau sehen hohe Zustimmung für den Erhalt des status quo des atomaren Potenzials in Deutschland: „Eine Mehrheit von 52 Prozent der Deutschen spricht sich für den Verbleib von US-amerikanischen Atomwaffen in Deutschland aus. Das hat eine repräsentative infratest-dimap-Umfrage im Auftrag des ARD-Politikmagazins Panorama ergeben. 40 Prozent der Befragten sagen demnach, die Atomwaffen sollten unverändert stationiert bleiben, zwölf Prozent befürworten sogar eine Modernisierung und Aufstockung. Nur 39 Prozent votieren noch für einen Abzug.“ Auch die bisher am stärksten dem unbedingten Pazifismus verhafteten Deutschen sind angesichts des Ukraine-Krieges umgeschwenkt: „Besonders groß ist in der aktuellen Umfrage im Auftrag von Panorama die Zustimmung zu US-Atomwaffen bei den Anhängerinnen und Anhängern von Bündnis 90/Die Grünen: 64 Prozent sprechen sich für den Erhalt oder sogar die Aufstockung der US-Atombomben in Deutschland aus.“

Pistorius: „Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit rasch stärken“

Dass Russland einen Angriff auf den Frieden in Europa schon für 2025 plant, hält auch der der Politikwissenschaftler und Verteidigungspolitik-Experte Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) für ein denkbares Szenario, wie er dem Bayerischen Rundfunk gegenüber geäußert hat. Genau wie weitere Experten sieht er die Allianz vordergründig aus der Richtung des Baltikum bedroht: „Russland dürfte es kaum darum gehen, ganz Europa zu erobern. Es reicht aber, einen Keil in die Allianz zu treiben, in dem man die Frage beantworten muss, ob Staaten bereit sind, Soldaten zu schicken, um ein baltisches Land zu halten oder zu befreien.“ Russland könne dabei auf Streit unter den europäischen Staaten hoffen und so seinen Einfluss möglicherweise vergrößern, wie er vermutet.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Im Bundesverteidigungsministerium wird aktuell wohl durchgespielt, Russlands Diktator würde nach einer erfolgreichen Offensive in der Ukraine im Laufe dieses Jahres Panzerverbände und Soldaten in Belarus und Kaliningrad aufmarschieren lassen und dann mit hybriden Angriffen Gewalt und Chaos in Estland, Lettland und Litauen provozieren. Schließlich könnte er einen Grenzkonflikt in der Suwalki-Lücke zwischen dem Baltikum und Polen inszenieren – und die Nato müsste Soldaten zum Schutz der Ostflanke mobilisieren.

Auch Pistorius redet inzwischen immer dezidierter davon, dass die Ukraine gegenüber Russland unterliegen könne – „damit steigt natürlich auch die Gefahr für das Bündnisgebiet“, mahnt der SPD-Politiker. Mit Blick auf die Bundeswehr betont er: „Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit vor dem Hintergrund der Dringlichkeit der Bedrohungslage rasch stärken.“

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/picture alliance/dpa

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