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Erfährt Wladimir Putin noch die Wahrheit über den Ukraine-Krieg? Geheimdienst-Berichte sagen das Gegenteil und sehen den Machthaber von Jasagern umgeben.
Moskau – Sieht Wladimir Putin im Ukraine-Krieg einen Erfolg, der gar nicht existiert? Nach fünf Wochen der Kämpfe zwischen russischen und ukrainischen Soldaten scheint es so, als würde Russlands Präsident offenbar in seiner eigenen Blase leben. Das deuten zumindest Berichte westlicher Geheimdienste an, die behaupten, dass der Kreml-Chef falsch über die Lage in der Ukraine informiert werde.
Denn: Seit Wochen häufen sich die Informationen über russische Verluste, die Kampfkraft der Ukrainer und die von Präsident Wolodymyr Selenskyj entsprach wohl nicht der Vorstellung der Russen und offenbar kommt es immer wieder zu Sabotageakten durch die eigene Truppe. Im Gegenzug präsentiert sich Wladimir Putin sich und seine Entscheidungen mit entschiedenerer Härte.
Russlands Präsident Wladimir Putin wohl falsch über Ukraine-Krieg informiert
Dass jetzt westliche Geheimdienste die Nachricht verbreiten, Putin werde falsch über die Situation in der Ukraine beraten, verwundert nicht. Bereits kurz nach Kriegsausbruch wurde medienwirksam darüber spekuliert, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Situation falsch eingeschätzt habe. In der jetzigen Phase des Kriegs in der Ukraine könnten russische Zweifel an der Verfassung des Machthabers einen entscheidenden Impuls geben und die kommenden Wochen beeinflussen.
Während Russland seine Beziehungen nach China stärkt und die enge Freundschaft zu Staatspräsident Xi Jinping demonstrativ zur Schau stellt, scheint der Kreml immer weiter in die Isolation zu rutschen. Zwar betont Russlands Außenminister Sergej Lawrow stets, dass Moskau weiterhin über zahlreiche Verbündete verfügt, allerdings treffen die Sanktionen das Land hart und die Oligarchen, die als wichtige Geldgeber gelten, wenden sich immer mehr von Putin ab.
Ukraine-Krieg: Berater des Kremls haben wohl Angst, Putin die Wahrheit über die Kriegslage zu sagen
In dieser schwierigen Situation des Ukraine-Kriegs, in dem auch Deutschland über einen Raketenschutzschild berät, treffen die Worte des Westens besonders. Die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Kate Bedingfield, sagte am Mittwoch: „Wir glauben, dass er von seinen Beratern nicht richtig darüber informiert wird, wie schlecht das russische Militär agiert und wie die russische Wirtschaft durch die Sanktionen gelähmt wird.“ Der Grund dafür: Die Berater des Kremls hätten wohl zu viel Angst, Putin die Wahrheit über die Lage in der Ukraine zu sagen.
Doch damit nicht genug. Offenbar soll es zudem Spannungen zwischen Wladimir Putin und seiner militärischen Führung geben, da sich Russlands Präsident vom Militär getäuscht fühlen soll. Auf die Frage, warum die US-Regierung diese Informationen offenlege, sagte Bedingfield, dies solle zum Gesamtbild beitragen und zum Verständnis, dass der Angriff auf die Ukraine ein großer strategischer Fehler Russlands sei. Das Potenzial solcher Aussagen ist allerdings groß: Sie können die russischen Truppen weiter destabilisieren und die Moral der Russen erheblich schwächen. Putins Armee soll schon seit Wochen geschwächt sein.
Putins Berater haben Angst: Britischer Geheimdienst bestätigt US-Berichte
Ähnliche Informationen über die Lage im Kreml kamen am Donnerstag, 31. März, auch vom britischen Geheimdienst. Jeremy Fleming, Chef der britischen Geheimdienstbehörde GCHQ, sagte während eines Besuchs in Australien, dass Putins Berater Angst hätten, die Wahrheit über den Ukraine-Krieg zu sagen. Fleming sagte zudem, die russischen Streitkräfte seien zutiefst demoralisiert. „Wir haben gesehen, wie sich russische Soldaten – knapp an Waffen und Moral – weigerten, Befehle auszuführen, ihre eigene Ausrüstung sabotierten und sogar versehentlich ein eigenes Flugzeug abschossen.“
Die Folgen der möglichen Fehleinschätzung Putins zum Verlauf des Ukraine-Kriegs, in dem er wohl mit einer schnellen Eroberung Kiews gerechnet und die Kampfkraft seiner eigenen Truppe überschätzt hat, könnten in den kommenden Wochen dramatisch werden. Schon jetzt gebe es logistische Fehler, viele russische Opfer sowie Chaos innerhalb der militärischen Führung, berichtete Fleming. Wladimir Putin, der auch als Kalter Krieger bezeichnet wird, könnte nun versuchen, seine eigenen militärischen Fehler durch noch mehr Härte wettzumachen – diese könnte sich auch gegen die eigene Bevölkerung richten.
Kreml dementiert US-Gerüchte über Wladimir Putin: Dmitri Peskow wirft den USA Versagen vor
Sollten sich die Gerüchte über den Kreml in Russland verbreiten, könnte das für die russische Führung gefährlich werden. Dem ist sich auch Moskau bewusst. Wenige Stunden nachdem westliche Geheimdienste ihre Informationen verbreitet hatten, dementierte der Kreml die mutmaßlichen Erkenntnisse. „Es zeigt sich, dass weder das Außenministerium (der USA) noch das (US-Verteidigungsministerium) Pentagon echte Informationen darüber haben, was im Kreml passiert“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge.
Sie würden nicht verstehen, was im Kreml passiere, so Peskow weiter. „Sie verstehen Präsident Putin nicht. Sie verstehen den Mechanismus von Entscheidungen nicht. Sie verstehen den Stil unserer Arbeit nicht.“ Unabhängig lassen sich die Aussagen aller Seiten nicht überprüfen, doch es ist gut möglich, dass die Gerüchte über Wladimir Putin der Realität entsprechen können und die Kremlführung derzeit bemüht ist, in der Situation das Gesicht zu wahren. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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