Kampagne im Netz

„Kauf mir einen Kampfjet“: So fleht die Ukraine angeblich um schwere Waffen

  • schließen

Scharfer Ton im Ukraine-Krieg: Kiew pocht auf Waffenlieferungen – und prallt an Kanzler Olaf Scholz (SPD) ab. Werben Piloten jetzt schon um private Sponsoren?

Berlin/Kiew – Es ist ein verzweifelter Versuch im bitteren Krieg mit Russland: Mit einer Internetkampagne soll die Ukraine angeblich um private Spenden für den Kauf von schweren Waffen geworben haben. Unter dem Titel „Kauf mir einen Kampfjet“ wurde ein Video in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, in dem Piloten der ukrainischen Luftwaffe vor zerstörten Flugzeugen weltweit Geldgeber zur Unterstützung aufrufen. Das berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf ukrainische Medien. Die innerdeutsche Debatte um Waffenlieferungen an Kiew erhält dadurch neue Nahrung.

Ukraine-News: Scholz unter Druck – Ukraine fordert die Lieferung von schweren Waffen im Kampf gegen Putin

Nach der von Russlands Präsidenten Wladimir Putin befohlenen Invasion fordert die Ukraine jeden Tag mit Nachdruck die Lieferung von Waffen und Militärtechnik aus dem Ausland – auch aus Deutschland. Während sich die Bundesregierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) aber mit Blick auf schweres Kriegsgerät zurückhaltend zeigt, sind andere Nato-Länder in der Unterstützung forscher. Daneben hatte auch schon der US-amerikanische Schauspieler Sean Penn Mitte April Millionäre gebeten, für die Ukraine Flugzeuge zu kaufen.

Im Krieg mit Russland dringt die Ukraine im Ausland auf die Lieferung von Kampfjets.

Auf diesen Aufruf wurde die ukrainische Kampagne jetzt offenbar draufgesattelt. Auf einer dazugehörigen Webseite findet sich auch eine Art Einkaufsliste. Demnach haben die Piloten vor allem Interesse an schwedischen und US-amerikanischen Kampfflugzeugen. Man sei aber auch bereit, sich auf jedes andere Flugzeug schulen zu lassen, heißt es.

„Kauf mir einen Kampfjet“: Video sorgt im Ukraine-Krieg für Furore – nur ein Propaganda-Trick?

Im Netz wurde das Video „Kauf mir einen Kampfjet“ bereits hunderttausendmal angeklickt. Die Echtheit lässt sich in den Kriegswirren und in den Propagandaschlachten, bei denen auch ukrainische Bauern mit einem Trecker-Widerstand von sich Reden machen, aber schwer überprüfen. Zugelassen wurde die Internetseite in der Ukraine. Aber wer genau hinter der Kampagne steckt, lässt sich nicht verifizieren. Offizielle Regierungsstellen treten dabei nicht in Erscheinung, weswegen die Kampagne mit Vorsicht zu genießen ist und die Gefahr von windigen Geldmachern hoch ist.

Dennoch wirft das Video einmal mehr ein Schlaglicht auf den verzweifelten Kampf der Ukraine gegen den vermeintlich übermächtigen Aggressor aus Russland. Nachdem die ukrainische Armee den Sturm auf Kiew ausbremsen konnte, konzentrieren sich die Kämpfe in Woche sieben im Osten des Landes. Doch bei der Verteidigung kann Kiew kaum auf seine Luftwaffe setzen.

Hat die Ukraine Kampfflugzeuge? Eine genaue Anzahl ist der Nato nicht bekannt

Zwar ist öffentlich derzeit völlig unklar, in welchem Zustand die ukrainische Luftabwehr tatsächlich ist. Aber in den ersten Tagen des Ukraine-Krieges hatte Russland mit gezielten Angriffen die Luftabwehrsysteme ausgeschaltet. Die Regierung von Wolodymyr Selenskyj dringt deswegen auf die Lieferung von Maschinen aus Nato-Beständen, vor allem aus Polen. Die USA haben ihre Zurückhaltung bereits aufgeben. Sollte Polen zur Abgabe der Mig-Maschinen bereit sein, will die US-Regierung im Gegenzug Warschau mit neuen Fliegern aus US-Beständen ausrüsten.

In Berlin, vor allem in der SPD, sieht man einen solchen Ringtausch skeptisch. Vor allem Kanzler Scholz fürchtet, dass die Nato bei einem zu starken Engagement als Kriegspartei angesehen und weiter in den Konflikt hineingezogen werden könnte. Auf die bisherigen Bitten aus Kiew nach verstärkten Waffenlieferungen reagierte die SPD bislang zögernd bis ablehnend, weswegen sich der Ton zwischen den beiden Ländern enorm verschärft hat. Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, wirft der deutschen Regierung sogar unterlassene Hilfeleistung vor und kritisiert sie als verlängerten Arm Moskaus. Am Sonntag gipfelte der Streit dann in der Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier für eine angedachte Kiew-Reise.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Innerhalb der Bundesregierung stehen die Sozialdemokraten aber weitgehend isoliert da. Selbst die Grünen setzen sich mittlerweile für den Export ein. „Das Problem ist im Kanzleramt“, sagte der Vorsitzende des Europa-Ausschusses des Bundestags, Anton Hofreiter, in der Sendung „RTL Direkt“. „Wir müssen jetzt endlich anfangen, der Ukraine das zu liefern, was sie braucht, und das sind auch schwere Waffen.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Klaunzer/dpa

Kommentare