Ukraine – Paris besorgt über schnelle Annäherung Trumps an Putin
VonKilian Beck
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Macron, der Präsident Frankreichs, und Starmer, der britische Premier, haben vor, nächste Woche Trump in den USA zu besuchen.
Paris – Die französische Regierung sorgt sich, dass US-Präsident Donald Trump einen schnellen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg mit zugunsten Russlands erzwingen will, da er am 9. Mai bei der Militärparade zum Sieg über den Nationalsozialismus neben Russlands Präsident Wladimir Putin auf der Tribüne sitzen will. Das berichtete die US-Tageszeitung New York Times am Freitag unter Berufung auf französische Regierungskreise. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Großbritanniens Premier Keir Starmer treffen kommende Woche Trump im Weißen Haus.
Starmer verlangt vor Besuch bei Trump „solide Sicherheitsgarantien“ für die Ukraine
Starmer hatte die USA aufgefordert, die von Russland angegriffene Ukraine mit „soliden Sicherheitsgarantien“ zu unterstützen. „Es liegt im Interesse Großbritanniens und der USA, der Ukraine mit Sicherheitsgarantien zur Seite zu stehen“, schrieb Starmer in einem Gastbeitrag für die Boulevard-Zeitung The Sun on Sunday, der am Samstagabend auf deren Website veröffentlicht wurde. Die Ukraine müsse an Friedensverhandlungen beteiligt werden und brauche Garantien aus Washington. Großbritannien und Frankreich hatten zuvor signalisiert, Bodentruppen für eine etwaige Friedenstruppe stellen zu können.
Keine Nato-Mitgliedschaft und Gebietsabtretungen – Trumps Regierung setzt Ukraine unter Druck
Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte bei seinem Antrittsbesuch bei der Nato klargestellt, dass die USA keine Bodentruppen zur Absicherung eines Waffenstillstandes stellen werden und die Ukraine zu Gebietsabtretungen und zum Verzicht auf die Nato-Mitgliedschaft aufgefordert.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Bei Gesprächen über einen Weg zu einem Waffenstillstand zwischen den Außenministern Marco Rubio, auf US-Seite, und Sergej Lawrow, aufseiten Russlands, wurde dies bekräftigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der zwischenzeitlich zum Ziel von wüsten Schimpftiraden Trumps wurde, bot am Sonntag an, im Gegenzug für eine Nato-Mitgliedschaft zurückzutreten. Dies bekräftigte Trumps Vizepräsident J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar. Aus dem Kreml hieß es, ein Treffen von Trump und Putin sei noch im Februar möglich.
Trumps Regierung will „schnelles Ende des Konflikts“ und die Bodenschätze der Ukraine
Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf europäische Regierungskreise, dass Trumps Regierung den Europäern mitgeteilt habe, einen Waffenstillstand in der Ukraine bis Ostern, also dem 20. April anzustreben. Die New York Times veröffentlichte am Freitag einen Entwurf für einen Vertrag zwischen den USA und der Ukraine. Darin verlangte die Trump-Regierung von der Ukraine die Hälfte aller Einkünfte aus dem Rohstoffgeschäft, bot aber keine Sicherheitsgarantien an.
Ebenfalls am Rubio verkündete, eine UN-Resolution zum dritten Jahrestag des Kriegsausbruches am Montag (24. Februar) vorlegen zu wollen. Rubio nannte keine Einzelheiten zu den Inhalten des US-Vorschlags. In dem Text, den die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte, wird ein „schnelles Ende des Konflikts“ gefordert - allerdings ohne die territoriale Integrität der Ukraine zu erwähnen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) begrüßt den britischen Premierminister Keir Starmer bei seiner Ankunft zu einem informellen Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten EU-Länder und des Vereinigten Königreichs im Elyseepalast. (Archiv)
USA benennen Russland nicht mehr als Schuldigen am Ukraine-Krieg
Zu Beginn des US-Resolutionsentwurfs bedauern die Autoren „den tragischen Verlust von Menschenleben während des russisch-ukrainischen Konflikts“. Weiter heißt es, Ziel der Vereinten Nationen sei die Aufrechterhaltung des „internationalen Friedens und der Sicherheit“ - ohne jedoch Russland als Verursacher des Krieges zu nennen. Im ukrainisch-europäischen Textentwurf ist das anders.
Öffentlich gab Frankreichs Regierung bisher keine Stellungnahme zu den Sorgen ihrer Beamten vor einem Diktatfrieden und einer Annäherung von Trump an Putin an. Während in Washington über Ressourcen und eine mögliche Nachkriegsordnung gefeilscht wird, bombardierte Russland am Sonntag die zivile Infrastruktur der Ukraine erneut mit Drohnen und Raketen. Laut einem Bericht des ukrainischen Portals Kyiv Independent wurde eine Person dabei getötet und neun Menschen verletzt. Unter anderem ein Pflegeheim sei dabei getroffen worden. (kb mit afp)