VonFranziska Schwarzschließen
Im Ukraine-Krieg spielen Spione eine wesentliche Rolle. Der Westen liefert Kiew Infos. Hilfreich dabei: Russischen Generälen unterlaufen offenbar fatale Fehler.
München - In der Debatte um Hilfe für die Ukraine fallen häufig die Begriffe Marder, Leopard oder Gepard, Panzertypen. Mindestens genauso wichtig sind aber CIA, GCHQ oder BND, westliche Geheimdienste. Ihre Arbeit gilt im Ukraine-Krieg bislang als Erfolg. Sie liefern dem attackierten Land Satellitenbilder, abgehörte Funksprüche oder Warnungen vor drohenden Cyberattacken - auch wenn sie nicht offiziell Kriegspartei werden wollen.
Solche Geheimdienstarbeit wird als „sicher“ gewertet, denn sie sei „unsichtbar, oder lässt sich zumindest abstreiten“, meint die New York Times (NYT) dazu, die kürzlich erläuterte, wie stark zum Beispiel die USA den Kämpfern rund um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj helfen.
Spionage im Ukraine-Russland-Krieg: „Es ist gefährlich, zu viel darüber zu reden“
Kaum einer der Beamten wird in dem New-York-Times-Artikel namentlich genannt. Über Geheimdienstaktivitäten herrscht Verschwiegenheit, Details werden selten publik. Pentagon-Sprecher John erklärte laut NYT lediglich, man liefere der Ukraine „Informationen, die sie nutzen können, um sich selbst zu verteidigen“. CIA-Chef William Burns sagte bei einer kürzlichen Podiumsdiskussion: „Es ist gefährlich, wenn Leute zu viel über geheimdienstliche Angelegenheiten reden, egal ob das im privaten Raum geschieht oder in der Öffentlichkeit.“
Gefährlich, weil die westlichen Geheimdienste laut einem „Tagesschau“-Bericht dabei folgende Sorgen umtreiben:
- Informanten und Quellen sollen nicht verloren gehen.
- Die Kommunikationstechnik darf nicht gefährdet werden.
- Der Eindruck, einen „Stellvertreterkrieg“ zu führen, soll vermieden werden.
Geheimdienstinfos für die Ukraine: Moskwa, Hostomel, Start der Invasion
Dass die USA die Ukraine und die Nato vor dem 24. Februar - dem Start der Invasion - warnten, gilt inzwischen als gesichert. Offenbar verschafften westliche Geheimdienstinformationen der Ukraine seither weitere militärische Vorteile. Einige Beispiele:
- Angriff auf den Militärflughafen Hostomel in den ersten Kriegstagen: Die CIA soll die ukrainischen Kämpfer zuvor gewarnt haben.
- Kiew meldete zwölf getötete russische Generäle: Laut NYT-Recherchen war das nur mithilfe von US-Geheimdienstinfos möglich. Der Artikel zitiert dabei eine NCS-Sprecherin mit der Klarstellung, dass die militärischen Erkenntnisse der Ukraine nicht mit dem Vorsatz gegeben wurden, „um russische Generäle zu töten“. Interessanter Aspekt: Die USA gäben sich selbst die Auflage, keine Auskünfte über die ranghöchsten Kommandeure weiterzugeben, will die NYT erfahren haben und und beruft sich dabei auf Beamte.
- Am 14. April sank das russische Flagschiff „Moskwa“: Der Washington Post zufolge lieferten US-Geheimdienste Kiew die Koordinaten des Kreuzers. Auch hier bestehen die Beamten laut Bericht darauf, dass sie keine „vorherige Kenntnis“ über einen ukrainischen Raketenangriff auf das Schiff hatten.
BND im Ukraine-Krieg: Abgefangener Funkverkehr zu Gräueltaten Butscha
Spielen die deutschen Geheimdienste auch eine Rolle für die Entwicklungen im Ukraine-Krieg? Die Bundesregierung hält sich über BND-Aktivitäten in dem Konflikt bedeckt. Nach „Tagesschau“-Informationen klang in „geheimen Runden“ aber durch, dass man in „regem Austausch“ mit den Ukrainern und „anderen Diensten in der Region“ stehe.
Nach dem Massaker in Butscha berichtete der Spiegel , dass der BND Funksprüche dortiger russischer Militärs abfing - und die Abhör-Erkenntnisse die Schuld-Dementis aus Moskau entkräften könnten.
Geheimdienste im Ukraine-Russland-Krieg: Fatale Fehler der Generäle von Putin
Russland unter Präsident Wladimir Putin scheint überdies Probleme zu haben, seine eigenen Generäle für geheimdienstliche Aktivitäten zu sensibilisieren. Laut NYT machten die sich offenbar ziemlich angreifbar - durch handwerkliche Fehler, vor allem durch unverschlüsselte Kommunikation über unsichere Smartphones, Telefone oder Radios.
Jemand, der sich so verhält, ist leicht zu lokalisieren. „Das zeugt einfach von wenig Disziplin, mangelnder Erfahrung, Arroganz und dem Unvermögen, die Fähigkeiten der Ukrainer richtig einzuschätzen“, zitiert die NYT den früheren US-Generalleutnant Frederick Hodges. (frs)
