Sorgen über neue Mobilisierung

Ausreisestopp für Wehrpflichtige? Russen-Geheimdienst macht wohl die Grenzen dicht

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Russische Rekruten besteigen im Oktober nach Putins Teilmobilmachung einen Zug im Bahnhof von Prudboi in der Region Wolgograd.
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Die Ukraine schürt Sorgen um eine neue russische Mobilisierung. Der Geheimdienst mache bereits die Grenzen dicht, es gehe um „Quantität statt Qualität“.

Kiew/Moskau – Im Ukraine-Krieg kämpfen mittlerweile auch tausende Reservisten. Russische Staatsbürger, die Kremlchef Wladimir Putin im Zuge der Teilmobilmachung zum Militär beordert hatte. Im 143-Millionen-Einwohner-Land gibt es aber nach wie vor etliche wehrfähige Männer, die noch nicht einberufen wurden. Für sie soll nun ein Ausreisestopp gelten, wie der Nachrichtendienst der ukrainischen Streitkräfte am Mittwoch erklärte.

Grenzen für Wehrpflichtige geschlossen? Kiew schürt Sorgen über neue Mobilisierung in Russland

Demnach schickte der russische Geheimdienst FSB eine entsprechende Anweisung an alle Grenzabteilungen des Landes (in Russland sind die Grenzbeamten Teil des FSB). Im Text heißt es laut ukrainischen Angaben: „Ab dem 9. Januar 2023, ab 0 Uhr, sorgt die Grenzschutzabteilung des FSB Russlands für Beschränkungen bei der Ausreise aus dem Hoheitsgebiet der Russischen Föderation von Bürgern, die über eine Bescheinigung über die Bereitschaft zum Militärdienst (...) verfügen.“ Demnach ist die Regelung bereits in Kraft.

Laut Anton Geraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, betrifft die Anordnung auch Männer mit eingeschränkter Dienstfähigkeit. Wehrpflichtige dieser Kategorie sind in Friedenszeiten von der Wehrpflicht befreit und von der militärischen Ausbildung ausgenommen. Laut ukrainischen Angaben setzt Russland mit der möglichen Strategie auf „Quantität statt Qualität“. Schon im Herbst hatte Putin eine größere Teilmobilmachung angeordnet. Welche konkreten Kriegsziele sich aus der mutmaßlichen Anordnung ergeben, blieb zunächst unklar.

Selenskyj-Berater warnt vor massivem Raketenbeschuss in der Ukraine – „Früher oder später wird das passieren“

Am Dienstag berichtete die Ukraine von einem möglichen erneuten Angriff auf die Hauptstadt Kiew – und zwar aus Belarus. Dazu seien bereits Abwehrstellungen im Norden des Landes vorbereitet oder verstärkt worden, teilte am Dienstag der für die Verteidigung Kiews zuständige Generalleutnant Olexij Pawljuk mit. Um schnelle Panzervorstöße russischer Einheiten zu verhindern, seien an allen für Panzer zugänglichen Stellen größere Minenfelder angelegt worden. Wenn die Angreifer diese Sperren nicht überwinden könnten, sei es für die ukrainische Artillerie einfacher, die Truppenansammlungen zu zerschlagen.

Auch Wolodymyr Selenskyjs Berater Oleksij Arestowitsch befürchtet einen weiteren massiven Angriff russischer Raketen. „Früher oder später wird das passieren“, sagte er laut der Nachrichtenagentur Unian im Gespräch mit dem russischen Ex-Politiker und Menschenrechtsaktivist Mark Feigin. Als ungefähres Datum gab er demnach den Zeitraum zwischen dem 12. und 15. Januar an. Dies müsse zwar nicht zwingend der Fall sein, allerdings gehe die Vermutung aus den Zeitpunkten von früheren Angriffen hervor. Mögliche neue Reservisten werden dann noch nicht dabei sein. Laut ukrainischen Angaben wird es etwa zwei Monate dauern, den „Nachschub“ auszurüsten und auszubilden. (as)

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