Ukraine startet neue Angriffstaktik: Putins Schattenflotte im Visier
VonStephanie Munk
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Ukraine wechselt die Strategie: Während die Frontlage schwierig bleibt, zielt Kiew auf Russlands Wirtschaft – mit Angriffen auf Putins Schattenflotte.
Kiew – Die Ukraine hat in der Verteidigung gegen Russland offenbar eine neue Phase gestartet: Innerhalb weniger Tage attackierte sie vier Frachter der russischen Schattenflotte in internationalen Gewässern. Die Angriffe sollen Russlands Wirtschaft schwächen, indem Öl- und Gaslieferungen torpediert werden.
Ukraine startet mit Marinedrohnen neue Angriffswelle auf Russlands Wirtschaft
Das US-Nachrichtendienst Bloomberg berichtet über vier Explosionen vor Senegal an einem Frachter. Das Schiff soll unter Missachtung der westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs russischen Diesel transportiert haben. Es soll zu Russlands Schattenflotte gehören, die sanktioniertes Öl transportiert, so mehrere Medienberichte.
Die Ukraine hat den Angriff bereits für sich reklamiert, und erklärt, dass es sich um eine gemeinsame Aktion der ukrainischen Marine und des Geheimdienstes gehandelt habe. Getroffen wurde der Dieselfrachter „Mersin“ mit Sea Baby-Marinedrohnen, als er vor der Küste von Dakar vor Anker lag. „Sie können weite Strecken zurücklegen und sind mit verstärkten Sprengköpfen ausgestattet“, sagte ein Sprecher des ukrainischen Sicherheitsdienstes der Zeitung Ukrainska Prawda.
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Ukraine-Schläge gegen Putins Schattenflotte – Kremlsprecherin verurteilt „Terrorangriffe“
Die Ukraine attackierte den Frachter am 27. November kurz vor Mitternacht. Die vier Explosionen auf dem Meer rissen Lecks in den Schiffsrumpf. Meerwasser drang ein, kurzzeitig bestand die Gefahr einer Ölpest, wie die türkische Managementgesellschaft des Tankers, „Besiktas Shipping“, mitteilte. Senegalesische Behörden hätten geholfen, den Frachter zu stabilisieren. Opfer habe es keine gegeben. Die Lecks seien abgedichtet und die Ladung umgeladen worden.
Russland reagierte auf den Angriff: Die Sprecherin des russischen Außenministeriums. Maria Sacharowa, teilte laut Newsweek mit: „Wir verurteilen diese Terrorangriffe und die Aktionen aller an ihrer Planung und Durchführung beteiligten Parteien aufs Schärfste. Wir sehen auch eine direkte Verbindung zwischen diesen Angriffen und Versuchen, laufende internationale Bemühungen um einen nachhaltigen Frieden zu behindern.“
Voer Angriffe auf Putins Schattenflotte in einer Woche – Nadelstiche gegen Russlands Wirtschaft
Die Attacke auf Putins Schattenflotte vor Senegal ist nicht der einzige Nadelstich gegen Russlands Wirtschaft in den vergangenen Tagen: Am 28. November traf die Ukraine zwei Öltanker, die ebenfalls zu Putins Schattenflotte gehören sollen, diesmal im Schwarzen Meer. In Russland sorgte auch dieser Treffer der Ukraine für Wut: „Damit zeigt sich einmal mehr das Wesen des Regimes in Kiew“, schrieb Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf der Onlineplattform X. Ebenfalls im Schwarzen Meer wurde auch das Frachtschiff „Midvolga 2“ von der Ukraine angegriffen, das mit russischem Sonnenblumenöl beladen war.
Die Attacken auf Russlands Schattenflotte ist offenbar Teil einer neuen Strategie der Ukraine in ihrer Verteidigung gegen Russland: Die Nadelstiche gegen die russische Ölindustrie sollen Russlands Wirtschaft, die ohnehin kriselt, weiter schwächen. Eine besondere Rolle spielen dabei immer wieder Marinedrohnen. In der erneuerten Version hat die Sea Baby-Drohne eine Reichweite von 1500 Kilometern, die Nutzlast stieg auf rund 2000 Kilogramm.
Neue Angriffstaktik der Ukraine gegen Russlands Öltanker soll Wirtschaft weiter schwächen
Die Attacken in internationale Gewässern gehören zu den wenigen Möglichkeiten, die der Ukraine aktuell gegen Russland noch bleiben: An der direkten Front sieht es derzeit nicht gut aus für die Ukraine: Russland rückt langsam, aber stetig vor. Zudem hat die Ukraine massive Rekrutierungsprobleme und kann mit den vom Westen bereitgestellten Waffen Russland Übermacht schwer standhalten.
Kiew setzt deshalb aktuell wohl darauf, Russland durch die Beschleunigung der Wirtschaftskrise zum Einknicken zu bewegen. Auch wenn Putin stets Stärke demonstriert: Die Sanktionen gegen die russische Wirtschaft wirken in letzter Zeit. In vielen Branchen herrscht ein Abwärtstrend, die Russinnen und Russen sind wegen der massiven Inflation alles andere als in Kauflaune.
Gehe die Rezession weiter, werde Wladimir Putin in naher Zukunft gezwungen sein, den Krieg zu beenden, analysierten mehrere Experten kürzlich gegenüber dem US-Nachrichtendienst Bloomberg. „Wenn sich diese Trends fortsetzen, dann könnte die volle Wirkung dieser finanziellen Bestrafungen, kombiniert mit starkem ukrainischem Widerstand gegen russische Streitkräfte, endlich genug Druck auf den Kreml ausüben, um seinen Krieg zu beenden“, wurde Mark Temnycky vom US-Thinktank „Atlantic Council“ zitiert. (Quellen: Bloomberg, Newsweek, AFP, Moscow Times, Ukrainska Prawda) (smu)