VonAndreas Schmidschließen
In Russland gibt es offenbar Streit um die Einnahme Soledars. Moskaus Truppen oder Wagner-Söldner? Beide beanspruchen den Sieg für sich. Der Kreml scheint in Not.
Soledar – Russland hat im Ukraine-Krieg einen bedeutenden Erfolg verbucht. Die ukrainische Kleinstadt Soledar befindet sich nach eigenen Angaben in russischer Kontrolle – ein Zwischenschritt zur Einnahme der Stadt Bachmut im Donbass, an dem auch Kämpfer der berüchtigten Wagner-Gruppe beteiligt waren. Die Söldertruppe beansprucht den Sieg nun für sich, der Kreml dementierte. Streit zwischen Kremlchef Wladimir Putin und Wagner-Leiter Yewgeny Prigoschin?
Wegen Soledar-Einnahme: Prigoschin und
Vergangene Woche meldete Prigoschin die Einnahme Soledars. Sowohl die Ukraine als auch der Kreml dementierten, ehe Russland wenige Tage später ebenfalls von der Eroberung Soledars sprach. Pikant: In einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums vom Freitag (13. Januar) stand kein Wort über Wagner. Das russische Verteidigungsministerium schrieb stattdessen seinen Artillerie-, Luftfahrt- und Raketentruppen die Beteiligung an der Einnahme zu.
Prigoschin zeigte sich daraufhin verärgert, weil der Kampferfolg auf das Konto seiner Söldner gehe. Die „perfektionierte Kommandokette“ und die „absolut strikte Disziplin“ der Wagner-Truppe ermöglichten solche Erfolge, sagte der als „Putins Koch“ bekannte Söldnerchef. Nach dem Disput veröffentlichte das Verteidigungsministerium eine weitere Mitteilung, in der die Wagner-Kämpfer in den höchsten Tönen gelobt wurden. So glorifizierte der Kreml das „mutige und selbstlose Handeln“ der von der paramilitärischen Gruppe angeheuerten Männer.
Die Ukraine reagierte spöttisch auf diese Aussagen. „Sie beißen sich schon gegenseitig, wem ein taktischer Fortschritt zugeschrieben werden soll“, kommentierte Präsident Wolodymyr Selenskyj den Streit. Dies sei bereits ein „klares Signal des Versagens“.
Streit um Soledar: „Prigoschin will Vertrauen in Putin untergraben“
Der Streit scheint noch nicht beendet. Am Sonntag (15. Februar) antwortete Putin auf eine Journalistenfrage, dass Moskaus Truppen für die Einnahme Soledars verantwortlich seien. Laut der Denkfabrik Institute for the Study of War ein Seitenhieb in Richtung Prigoschin. „Putins Erklärung wurde live im staatlich kontrollierten Fernsehen ausgestrahlt und war wahrscheinlich ein bewusster Versuch, Prigoschins Einfluss im russischen Informationsraum zu untergraben, denn Putin hat taktische Vorstöße in der Ukraine bisher nicht kommentiert“, heißt es im aktuellen Lagebericht des ISW.
Und weiter: „Putin könnte auch versucht haben zu demonstrieren, dass er die Kontrolle über die traditionellen russischen Massenmedien behält, während Prigoschin auf Telegram und in anderen sozialen Netzwerken immer mehr Anhänger findet.“ Seit Beginn des Ukraine-Kriegs trat Prigoschin auf Telegram immer wieder als Kritiker des russischen Militärs auf. Mit „vagen Botschaften“, so das ISW, wolle Prigoschin „Vertrauen in das Verteidigungsministerium und Putin untergraben“. Passenderweise legte sich Prigoschin fast zeitgleich mit Russlands Eliten an.
Wagner-Kreml-Streit um Soledar Kreml dementiert
Der Kreml bemühte sich derweil um Deeskalation. Am Montag hieß es, dass es keinen Konflikt zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und der Wagner-Gruppe gebe. Solche Mitteilungen zu angeblichen Streitigkeiten seien ein Erzeugnis der Medien, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.
Sowohl die russischen Streitkräfte als auch die private Militärfirma kämpften für das Wohl ihrer Heimat, sagte er der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Sie (die Heimat) kennt auch ihre Helden, die in unseren Streitkräften dienen und dort Heldenwunder vollbringen, und sie kennt die Helden von Wagner! Die einen wie die anderen werden uns für immer im Gedächtnis bleiben.“ (as)

