Affäre um Krah-Mitarbeiter: Mehrheit der Partei-Anhänger hält Umgang mit AfD-Mann für übertrieben
VonNils Thomas Hinsberger
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Trotz der vielen Vorwürfen gegen die AfD haben sich die Umfrageergebnisse der Partei kaum verändert. In der Ampel-Zustimmung zeigt sich auch kaum Veränderung.
Berlin – Der AfD-Spitzenkandidat für die anstehende Europawahl kann sich trotz massiver Vorwürfe über breite Unterstützung innerhalb seiner Partei freuen. Gegen Krah steht der Verdacht im Raum, Gelder aus Russland und China angenommen zu haben. Zudem wird ihm die Nähe zum russlandfreundlichen Sender „Voice of Europe“ vorgeworfen. Trotz aller Kontroversen halten 77 Prozent der AfD-Mitglieder den öffentlichen Umgang mit Krah für übertrieben, wie der ARD-Deutschlandtrend zeigt.
Anders sieht die Auffassung außerhalb der Partei aus: 61 Prozent der Befragten halten die Vorwürfe für nicht übertrieben. Dazu könnten auch die vielen anderen Kontroversen um die AfD beitragen. Ein Mitarbeiter Krahs wurde wegen des Verdachts der Spionage für China in Untersuchungshaft genommen. Rund 70 Prozent der Deutschen fordern die Partei dazu auf, ihre Nähe zu Russland und China zu überdenken. Anhänger der AfD sehen jedoch mehrheitlich kein Problem beim Umgang mit den beiden Ländern.
Trotz Spionage-Verdacht – AfD verliert in Umfragen nur leicht
Obgleich die AfD sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert sieht, kann sich laut Umfrage weiterhin fast jeder vierte Wahlberechtigte (23 Prozent) grundsätzlich vorstellen, die Partei zu wählen. Damit verlor die AfD lediglich einen Prozentpunkt, was ihr mögliches Wählerpotenzial angeht. Besonders groß ist die Unterstützung aus dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) – etwa 19 Prozent der Parteianhänger können sich vorstellen, der AfD an der Wahlurne ihre Stimme zu geben.
Dieser Trend spiegelt sich auch in den tatsächlichen repräsentativen Wahlumfragen des Infratest dimap, im Auftrag der ARD, wider. Hier steht die Partei auf dem zweiten Platz und wird lediglich von der Union aus CDU und CSU übertroffen. 18 Prozent der Befragten würden sich für die AfD entscheiden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären.
Umfrage zeigt Plus für die CDU – FDP wieder über fünf Prozent
Laut der Umfrage würden sich jeweils 15 der Bevölkerung für die Ampel-Parteien SPD und Grüne entscheiden. Beide Parteien konnten ihre Position damit weder verbessern noch verschlechtern. Ein Plus konnte die FDP verbuchen und käme nach der aktuellen Umfrage wieder über fünf Prozent. Damit könnte die Partei wieder in den Bundestag einziehen. Zuletzt lagen die Freien Demokraten knapp darunter.
Mit der Arbeit der Bundesregierung geben sich nach einem leichten Anstieg im März und April jedoch wieder weniger Menschen zufrieden. Lediglich 19 Prozent der Befragten geben an, sehr zufrieden, beziehungsweise zufrieden mit der Arbeit der Ampel-Koalition zu sein. Ganze 78 Prozent erteilen der Regierung eine Abfuhr und sind weniger bis gar nicht zufrieden.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Die Union liegt weiterhin auf dem ersten Platz und konnte ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Sonntagsfrage um einen Prozentpunkt verbessern. Mit 31 Prozent liegt die Partei in den Umfragen deutlich vor allen anderen. Sahra Wagenknechts BSW könnte mit fünf Prozent aus dem Stand in den Bundestag einziehen.
Boris Pistorius bleibt beliebtester Politiker – Lindner und Scholz im Kabinett abgeschlagen
Bei der Frage nach den beliebtesten Politikern kann sich erneut Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) durchsetzen. 58 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden. Damit konnte er seinen Umfragewert erneut um vier Prozent verbessern. Ihm folgt Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), der 33 Prozent eine zufriedenstellende Arbeit zusprechen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kann 22 Prozent von seiner Arbeit überzeugen. Darauf folgt FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner mit ebenfalls 22 Prozent zufriedenen Befragten.
Die Liste der beliebtesten Politiker innerhalb der Opposition wird vom CSU-Vorsitzenden Markus Söder angeführt, der aber einen Rückgang von 8 Prozent zu verbuchen hat. 37 Prozent geben an, zufrieden mit ihm zu sein. CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, folgt mit 29 Prozent, dicht gefolgt von Friedrich Merz mit 27 Prozent. (dpa/nhi)