„Dummensteuer“?

Umfrage: Mehrheit bei Erbschaftssteuer gegen CDU-Position

Eine aktuelle Umfrage enthüllt: Die Mehrheit der Deutschen sieht eine höhere Erbschaftssteuer anders als Wirtschaftsministerin Reiche (CDU).

Berlin – Mehr als die Hälfte der Deutschen befürwortet höhere Steuern auf große Erbschaften. Laut einer Forsa-Umfrage für den Stern fänden es 57 Prozent richtig, wenn Erben großer Vermögen stärker belastet würden. 38 Prozent lehnen eine höhere Erbschaftssteuer ab, fünf Prozent machten keine Angabe.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Auslöser der aktuellen Debatte ist eine Äußerung von Unionsfraktionschef Jens Spahn, der die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland in einer Talkshow als Problem bezeichnet hatte. Mit Blick auf ein anstehendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer stellte er mögliche Reformen in Aussicht. Die SPD möchte die Erbschaftssteuer erhöhen. Widerstand kommt aus der CDU. So lehnte CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche jüngst eine Steuererhöhung für Erben ab.

Umfrage zur Erbschaftssteuer in Deutschland – Regelung derzeit „ineffizient und ungerecht“?

In Deutschland wird auf Erbschaften eine Steuer erhoben. Wie hoch sie ausfällt, hängt vom Verwandtschaftsgrad ab. Es gibt Freibeträge: Ehepartner dürfen bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben, Kinder bis zu 400.000 Euro. Besteuert wird nur, was darüber hinausgeht. Die Steuersätze liegen je nach Höhe des Erbes und Steuerklasse zwischen sieben und 50 Prozent. Für Betriebsvermögen gelten Sonderregeln. Unter bestimmten Bedingungen können Unternehmen stark entlastet oder sogar ganz von der Steuer befreit werden.

Das „Netzwerk Steuergerechtigkeit“ hält die Erbschaftssteuer grundsätzlich für ein gutes Mittel gegen die wachsende Ungleichheit in Deutschland. Gleichzeitig kritisiert die Organisation, dass sie derzeit „ineffizient und ungerecht“ sei. Laut der Organisation geht die Hälfte aller Erbschaften an die reichsten zehn Prozent, während die ärmere Hälfte fast leer ausgeht. Außerdem macht Erben heute mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens in Deutschland aus – in den 1970er Jahren sollen es nur rund 20 Prozent gewesen sein. Das „Netzwerk Steuergerechtigkeit“ kommt deshalb zu dem Schluss: „Egal wie fleißig oder gebildet jemand ist, wer nicht erbt, hat kaum die Chance, jenes Niveau an Eigentum oder Sicherheit zu erreichen, das wenigen durch Geburt zufällt.“

Katherina Reiche (CDU) lehnt eine höhere Erbschaftssteuer in Deutschland ab. Jens Spahn (CDU) zeigt sich offener. Eine Umfrage zeigt die Meinung der Deutschen.

Ein zentrales Gegenargument betrifft das Vererben von Familienunternehmen. Die „Stiftung Familienunternehmen“ warnt: Höhere Steuern auf Betriebsvermögen könnten Investitionen und Arbeitsplätze gefährden. Bei einer Unternehmensübergabe würde die Steuer direkt die Substanz der Firma treffen. Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnt deshalb eine höhere Erbschaftsteuer ab. Es gibt jedoch Sonderregeln. Mit der sogenannten Verschonungsbedarfsprüfung kann ein Teil der Steuer erlassen werden, damit Betriebe weitergeführt werden können.

Erbschaftssteuer in Deutschland als „Dummensteuer“? Kritiker beklagen Schlupflöcher

Genau diese Regelung steht aber in der Kritik. Hinter der Verschonungsbedarfsprüfung verbirgt sich auch die Möglichkeit, bei sehr großen Erbschaften einen Steuererlass zu beantragen. Das gilt ab einem Wert von 26 Millionen Euro dann, wenn die Erben außer dem Firmenvermögen kein weiteres nennenswertes Vermögen besitzen. Geprüft wird nur die Lage zum Zeitpunkt der Übergabe. Ob das Unternehmen später hohe Gewinne macht, spielt keine Rolle.

Kritiker beklagen, dass diese Ausnahmen Schlupflöcher schaffen. So können Erben Vermögen so umschichten, dass es als geschütztes Schonvermögen gilt und nicht besteuert wird. Häufig wird das Erbe auch in Familienstiftungen übertragen, die nach außen wenig Vermögen ausweisen, während die Erben weiter von den Gewinnen leben. Laut „Netzwerk Steuergerechtigkeit“ nutzten seit 2021 rund 60 Erben diese Möglichkeiten. Sie erhielten Steuererleichterungen von insgesamt etwa vier Milliarden Euro.

Weil es zahlreiche Ausnahmen und Gestaltungsmöglichkeiten gibt, wird die Erbschaftsteuer teils auch als „Dummensteuer“ bezeichnet. Gemeint ist damit: Wer sich frühzeitig beraten lässt und Vermögen geschickt strukturiert, kann die Steuer oft umgehen oder stark reduzieren. Hohe Belastungen treffen deshalb vor allem diejenigen, die sich nicht rechtzeitig darum kümmern. (Quellen: stern, Netzwerk Steuergerichtigkeit, Tagesschau, Stiftung Familienunternehmen, eigene Recherche) (cf)

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