Unerbittliche Festung Iran: Trump-Invasion wäre zum Scheitern verdammt
VonStephanie Munk
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Trump erwägt einen Militärschlag gegen den Iran, Vance warnt eindringlich. Mit gutem Grund, denn: „Die iranische Geschichte ist übersät mit Leichen von fremden Soldaten“.
Washington, D.C./Teheran – Hunderte Tote und Verletzte, Leichenstapel in Krankenhäusern, eine Geheimpolizei, die von Motorrädern aus auf Demonstranten schießt: Die wenigen Bilder, die von den Protesten im Iran nach außen dringen, sind erschreckend. Staatenlenker in aller Welt mahnen das brutale islamische Regime zur Mäßigung. US-Präsident Donald Trump denkt sogar an einen Militärschlag: Die USA würden einschreiten, wenn das Regime im Iran weiter brutal gegen die aktuellen Proteste vorgehe, kündigte er an.
US-Präsident Trump droht dem Iran mit einem Militärschlag, doch die Geographie des Landes mit hohen Bergen, Sumpf und Wüste macht ein Eingreifen risikoreich.
Doch dass Worte leichter sind als Taten, gilt im Fall des Iran umso mehr. Trump mag beflügelt sein von dem schnellen militärischen Erfolg in Venezuela, der zur Entführung und Verhaftung des Präsidenten Maduro führte. Doch im Fall des Iran stellt sich die Lage anders dar. Seit Jahrzehnten schrecken die USA dort vor einer militärischen Invasion zurück – obwohl die beiden verfeindeten Staaten schon oft an der Schwelle zum Krieg standen.
Trump erwägt Militärschlag gegen Regime im Iran – Vance warnt eindringlich vor Invasion
Das liegt auch daran, dass ein militärischer Einsatz gegen die im Iran regierenden Ajatollahs extrem risikoreich wäre. Trumps Vize JD Vance soll Trump bereits gedrängt haben, auf einen Militärschlag zu verzichten, wie das Wall Street Journal berichtet. Ein direkter militärischer Konflikt würde Trumps Chancen auf eine Wiederwahl massiv gefährden, soll Vance betont haben. Stattdessen brauche es Diplomatie.
Nicht nur Vance, auch verbündete Staaten warnen US-Präsident Donald Trump vor einem Militärschlag im Iran: Israelische und arabische Regierungsvertreter sollen die Trump-Administration laut einem Bericht des US-Senders NBC News geraten haben, vorerst von einem Angriff abzusehen. Das Regime in Teheran sei möglicherweise noch nicht ausreichend geschwächt für einen Sturz durch US-Intervention. Auch Saudi-Arabien, Oman und Katar warnen Trump vor einem Sturz des islamischen Regimes durch einen Militärschlag. Sie befürchten unter anderem eine massive Erschütterung des Ölmarkts, was ihrer eigenen und letztlich auch der US-Wirtschaft schaden würde.
Iran stand oft am Rand eines Kriegs mit USA – doch Trump-Militärschlag ist voller Risiken erscheint
Die Warnungen an Trump gibt es wohl auch deshalb, weil eine militärische Intervention im Iran seit Jahrhunderten ein auswegloses Unterfangen ist. Das Regime im Iran unterdrückt und terrorisiert sein Volk seit Jahrzehnten relativ ungestört. Das liegt auch an der „festungsähnlichen Geographie“ des Landes, von dem der britische Außenpolitikexperte Tim Marshall in seinem Werk „Die Macht der Geographie im 21. Jahrhundert“ schreibt.
Das Regime im Iran
Seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 wird der Iran von einem islamischen „obersten Führer“ autoritär regiert, seit 1989 von Ali Chamenei. Das Regime kontrolliert jeden Aspekt des Alltags in Hinblick auf die Einhaltung von Religion und Ideologie. Dafür wurde ein totalitäres System der Unterdrückung geschaffen, mit schweren Verletzungen der Menschenrechte. Um innere Proteste zu bekämpfen, gibt es die brutale und gefürchtete Geheimpolizei, die iranische Revolutionsgarde. Zu westlichen Staaten besteht eine offene Feindschaft, vorrangig gegenüber den USA und Israel.
Der britische Journalist führt aus: Die geografischen Besonderheiten des Iran seien der Grund, „warum auch besonders kriegslüsterne Invasoren gerade in der heutigen Zeit mit ihren starken Staaten und professionellen Armeen keine große Lust haben, im Iran einzumarschieren.“ Zwar scheine der Iran „ständig am Rand eines Krieges mit den USA zu stehen“ – doch die Amerikaner und auch alle anderen hätten bislang immer darauf verzichtet, Truppen in den Iran zu schicken.
Der Außenpolitikexperte verweist auf die Bush-Regierung: Einige Hardliner hätten in den Jahren von 2001 bis 2005 versucht, Präsident George W. Bush von einer Invasion im Iran zu überzeugen, „aber die klügeren Köpfe behielten die Oberhand“. So wie der damalige Außenminister Colin Powell. Er insistierte damals, dass Luftschläge im Iran beschränkte Wirkung hätten und obendrein einen Krieg provozieren könnten, der den Einsatz von Bodentruppen möglich machen könnte. Das sei unbedingt zu vermeiden, denn, wie Marshall in seinem Buch schildert: „Die iranische Geschichte ist übersät mit Leichen von fremden Soldaten, die in den Bergen des Landes gestorben sind.“
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„Festungsähnliche Geographie“ des Iran macht Militäreinsatz zum hohen Risiko
Zur unbezwingbaren Bastion macht den Iran das Gebirge, von dem das Land fast komplett umschlossen ist. Es wirkt wie „eine Mauer, die jeden Gegner im Westen abschreckt“, schreibt Marshall: „Die Berge machen Iran zu einer Festung. Von welcher Seite man sich auch nähert, immer stößt man auf steiles Hochland“, an vielen Stellen sei es unpassierbar.
Hinter den Bergen befänden sich im Westen ein riesiges Sumpfgebiet und im Landesinneren eine Salzwüste, so groß wie Belgien und die Niederlande zusammen. Die dortige dünne Salzschicht auf dem Boden würde teils Schlammlöcher verdecken, die so tief seien, dass man darin versinken könne.
Insgesamt bestehe das Landesinnere des Iran aus „unerbittlicher Ödnis“, durchzogen von hohen Bergen. „Das bedeutet, dass jeder, der den Iran besetzen will, entweder ein Sumpfgebiet, hohe Berge oder eine Wüste durchqueren muss. Auch ein Landungsunternehmen würde daran nichts ändern“, so der britische Experte.
Trump dürfte Risiko eines militärischen Einsatzes im Iran scheuen – Zölle gegen Handelspartner
Trump gilt als unberechenbar, doch das Risiko eines größeren militärischen Eingreifens im Iran mit dem Ziel eines Regimewechsels dürfte er scheuen. Auch weil die Akzeptanz in der US-Bevölkerung gering sein dürfte. Der US-Präsident verhängte angesichts der Gewalt gegen Demonstrierende vorerst Strafzölle gegen alle Handelspartner des Iran. „Mit sofortiger Wirkung wird jedes Land, das Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran tätigt, einen Zollsatz von 25 Prozent auf alle Geschäfte mit den USA zahlen“, erklärte Trump am 12. Januar.
Proteste im Iran: Schafft das Volk den Regimewechsel aus eigener Kraft?
Es hängt letztlich wohl an der Kraft des iranischen Volkes, ihr brutales Regime zu stürzen. Doch wie sie das angesichts der Übermacht der Revolutionsgarden schaffen sollen, bleibt fraglich. Der deutsch-iranische Politologe Ali Fathollah-Nejad glaubt, dass es im Iran bereits Massaker an den Protestierenden gibt. „Ich gehe davon aus, dass die Todeszahlen mittlerweile in den Tausenden liegen“, sagte er gegenüber der Tagesschau. (Quellen: „Die Macht der Geographie im 21. Jahrhundert“ von Tim Marshall, Tagesschau, dpa, Wikipedia) (smu)