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Der russische General Surowikin soll Medienberichten zufolge von Prigoschins Aufstands-Plänen gewusst haben. Nun soll er Berichten zufolge verhaftet worden sein.
München/Moskau - Gegen den Wagner Chef Jewgeni Prigoschin und die Wagner-Kämpfer wurde die Anklage nach dem Aufstand gegen die russische Militärführung fallen gelassen. Aber im Zuge der Wagner-Rebellion soll dennoch jemand verhaftet worden sein: der russische General Sergei Surowikin. Laut einem US-amerikanischen Bericht soll Russlands Vize-Generalstabschef Surowikin von Prigoschins Plänen gewusst haben. Auch andere Führungspositionen sollen über den Aufstand Kenntnis gehabt haben. Die Meinungen der Experten und US-Behörden gehen auseinander.
Russicher General Surowikin festgenommen: Unterstützte er Prigoschin?
Die New York Times berichtete, dass der russische General Surowikin über die Putsch-Pläne Prigoschins Bescheid wusste. Amerikanische Geheimdienste haben die US-Beamten darüber informiert, dass Surowikin Kenntnis über den Wagner-Aufstand gehabt haben soll. Die Moscow Times berichtete am Mittwochabend (28. Juni), dass Surowikin verhaftet worden sein. Das Medium beruft sich dabei auf zwei Quellen aus dem Verteidigungsministerium, die anonym bleiben wollten.
Die erste Quelle gab an, dass die Situation mit Surowikin für die Behörden nicht „okay“ gewesen sei. Die zweite Quelle erklärte, dass die Festnahme „im Zusammenhang mit Prigoschin“ erfolgte. „Anscheinend hat er sich während des Aufstands für Prigoschin entschieden“, erklärte die Quelle. Wo sich der General momentan aufhält, wurde offen gelassen. „Wir kommentieren diese Informationen nicht einmal über unsere internen Kanäle“, hieß es.
Nach Wagner-Aufstand in Russland: „General Armageddon“ festgenommen
Laut dem Militärblogger Wladimir Romanow soll Surowikin bereits am Sonntag (25. Juni), nur einen Tag nach Prigoschins Rebellion, festgenommen worden sein. Ramanows Behauptungen zufolge soll Surowikin derzeit im Moskauer Internierungslager Lefortowo festgehalten werden, wie Moscow Times berichtete. Seit mehr als drei Tagen soll der General keinen Kontakt mehr zu seiner Familie haben. Das schrieb Alexei Wenediktow, Chefredakteur des geschlossenen Radiosenders „Echo Moskwy“ auf Telegram.
Im Oktober 2022 wurde Surowikin von Verteidigungsminister Sergei Schoigu als erster offizieller Kommandeur für alle russischen Streitkräfte ernannt, die im Ukraine-Krieg eingesetzt werden. In Militärkreisen wird er als brutal und skrupellos beschrieben, dort wird er auch „General Armageddon“ genannt. Im Januar 2023 musste er sein Amt wieder abgeben. Sein Nachfolger wurde Waleri Gerassimow, dessen Rücktritt Prigoschin während seines Aufstandes forderte. Der Wagner-Chef wollte wohl auch Gerassimow zusammen mit Verteidigungsminister Sergei Schoigu während der Rebellion festnehmen. Surowikin soll immer noch als ein angesehener Militärführer gelten und Einfluss auf die Leitung der Kriegseinsätze haben, so die New York Times.
Unterstützte Surowikin Wagner-Chef Prigoschin? - Experten sind sich uneinig
Laut den US-Beamten soll es auch Anzeichen dafür geben, dass weitere russische Generäle Prigoschins Pläne unterstützt haben sollen. Sie glauben, dass Prigoschin ohne das Wissen über weitere Unterstützung in Machtpositionen keinen Aufstand gewagt hätte. Surowikin und Prigoschin sollen laut der in Frankreich lebenden russischen Politanalystin Tatiana Stanovaya mindestens eine Arbeitsbeziehung geführt haben, wie sie laut Spiegel auf Telegram erklärte. Im Mai soll Surowikin zwischen Prigoschin und dem Verteidigungsministerium vermittelt haben. Sie bezweifelt, dass es im Ministerium zwischen dem General und seinen Vorgesetzten einen Machtkampf gab.
„Surowikin hatte vielleicht Sympathien, vielleicht wusste er es“, schrieb Stanovaya. „Aber er hat sich ganz klar im richtigen Moment auf die Seite des Staates gestellt“. Der amerikanische Militärexperte Rob Lee erinnerte auf Twitter zusätzlich an Surowikins Position. „Ich möchte nur betonen, dass Surowikin der Befehlshaber der russischen Luftwaffe ist und Wagner mindestens sieben Luftfahrzeuge abgeschossen hat, darunter mehrere unbewaffnete“, schrieb Lee. Aus dieser Position heraus finde er es seltsam, dass der General Prigoschin unterstützt haben soll.
Kreml bezeichnet Festnahme Surowikins als „Spekulation und Tratsch“
Surowikin sprach noch am Freitag (23. Juni) zu den russischen Truppen in der Ukraine und fordertet sie auf, sich dem Aufstand nicht anzuschließen und ihre Stellung beizubehalten. Auf Telegram wandte sich Surowikin an die Wagner-Gruppe. „Ich fordere Sie auf, damit aufzuhören“, zitiert ihn die New York Times. „Der Feind wartet nur darauf, dass sich die innenpolitische Lage in unserem Land verschlechtert“, so Surowikin in seiner Nachricht.
Der Kreml wies den Bericht, wonach Surowikin von den Aufstandsplänen Prigoschins wusste, zurück. „Es gibt jetzt um diese Ereignisse herum viele unterschiedliche Spekulationen und Tratsch“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen, wie die dpa berichtete. „Ich denke, das ist ein Beispiel dafür.“ Die Armee und die Bevölkerung hätten während des Aufstands „alle beim Präsidenten gestanden“, sagte Peskow.
Die Autoren des New York Times Berichtes betonen, dass amerikanische Beamte ein Interesse daran hätten, Informationen zu teilen, die das Ansehen von Surowikin untergraben. Sie betrachten ihn als kompetenter und rücksichtsloser als andere Mitglieder des Kommandos. Ein fehlender Einfluss Surowikins auf das russische Militär könnte somit die Gegenoffensive der Ukraine vorantreiben. (vk)
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