Milliardär als Helfer

US-Wahl 2024: Elon Musk hat bereits einen Plan für Trumps Wahlsieg

  • schließen

Der Tech-Investor Elon Musk könnte im Fall eines Wahlsieges von Donald Trump die Demontage des US-Staatsapparates aus nächster Nähe mitbetreiben. Ein Portrait.

Wer privat viel Geld in Wahlkämpfe steckt, hält sich gewöhnlich gerne im Hintergrund, doch Elon Musk ist kein gewöhnlicher Spender. Schon die Größenordnung seiner Zuwendungen an den Kandidaten seiner Wahl, Donald Trump, sprengt jeglichen Rahmen des Üblichen. Von über 100 Millionen Dollar ist mittlerweile die Rede, die Musk in die eigens gegründete Lobby-Gruppe „America PAC“ eingezahlt haben soll. Bill Gates hat gerade einmal die Hälfte für den Wahlkampf von Kamala Harris ausgegeben.

Dabei macht Musk nicht die geringsten Anstalten, das Rampenlicht zu meiden. Zuletzt trat er mit Trump bei Großkundgebungen in Pennsylvania und New York auf. Dabei inszenierte er sich in schwarzer Kleidung als eine Art Darth Vader, wie um sich über seine linken Kritiker:innen lustig zu machen. Dann forderte er die aufgepeitschte Menge dringlich dazu auf zu wählen, um die „Katastrophe“ einer Harris-Regierung zu vermeiden. Schließlich hüpfte der reichste Mann der Welt mit hoch gereckten Armen auf der Bühne auf und ab, als hätte er gerade einen Boxkampf gewonnen.

Mehr zur US-Wahl

Kamala Harris setzt auch mächtige Symbolik

Superreiche Klimakiller

Musk hetzt gegen Harris vor US-Wahl: Musks Propagandakanal

Musk gibt alles für Donald Trump. Anstatt sich um seine sechs Firmen zu kümmern, macht Musk nun rund um die Uhr Politik. Wenn er nicht bei Wahlkampfveranstaltungen auftritt oder Fernseh- und Podcast-Interviews gibt, nutzt er die Reichweite seines X-Kontos, um gegen Harris und die „woke“ Linke zu polemisieren. Ein Kritiker nannte deshalb X bereits den inoffiziellen Propaganda-Kanal der republikanischen Partei.

Ganz handfest verspricht sich Musk davon, dass ihm im Fall eines Wahlsieges von Trump die Regierungsaufträge und Subventionen, die an Tesla und Space X gehen, erhalten bleiben oder sich gar vervielfältigen. Schon jetzt hat Space X Regierungsaufträge in Höhe von drei Milliarden Dollar. Die Summe an Regierungsaufträgen, von denen Musk bislang profitiert hat, wird von dem Portal „Politco“ auf 15 Milliarden geschätzt. Das gesamte US-Raumfahrtprogramm ist von Musk abhängig.

Der Chef von Tesla, SpaceX und X bei einer Wahlveranstaltung am Sonntag: Gewinnt Trump, will er Musk politische Macht geben.

Nach US-Wahl: Musk nach möglichem Wahlsieg Trumps Regierungsmitglied

Gleichzeitig laufen aber rund 20 Untersuchungen des Justizministeriums gegen Musk. Die Bandbreite der Vorwürfe reicht von Sicherheitsmängeln seiner Autos bis hin zu Umweltschäden, die seine Raketen anrichten. All das würde mutmaßlich unter Trump verschwinden, zumal Trump Musk bereits einen Kabinettsposten angeboten hat. Musk soll Chef einer neu zu schaffenden „Behörde für Regierungseffizienz“ werden.

Damit wäre er dafür zuständig, den von Trump so verhassten Verwaltungsstaat zu demontieren. Zwei Billionen würde er einsparen, prahlte Musk gerade bei einer Kundgebung. Gleichzeitig würde er genau jenen Ämtern vorstehen, die ihn unter die Lupe nehmen.

Alleine an dieser möglichen Konstellation ist abzulesen, dass Musks Interesse über das eines gewöhnlichen Lobbyisten weit hinausgeht. Das Arrangement, das Trump verspricht, dass ein Unternehmer, der von riesigen Staatsaufträgen profitiert, Regierungsmitglied wird, hat klar plutokratische Züge. Es ist eine schamlose Interessenvermischung, die eine Harris-Regierung in solcher Offenheit gewiss nicht wagen würde.

Die Silicon-Valley-Unternehmer: „Risikosuchende Kind-Männer“

Konventionelle Vorstellungen von dem, was sich gehört, haben Musk aber noch nie sonderlich interessiert. So schreibt Walter Isaacson, der bereits eine große Biografie über Steve Jobs verfasst hat, in seinem Buch über Musk: „Große Innovatoren sind Risiko-suchende Kind-Männer, die sich jeglicher Erziehung zu Anstand und Stubenreinheit widersetzen.“

Genau diese Charaktereigenschaften sind es jedoch, die die großen Silicon-Valley-Unternehmer zu dem gemacht haben, was sie sind. Die mangelnde Bereitschaft, Grenzen zu akzeptieren, brachte Musk dazu, E-Autos attraktiv zu machen und Raumfahrt zu privatisieren. Dahinter stehen Allmachtsfantasien, die in Technologiekreisen die Norm sind. In der Welt der Jobs, Musks und Thiels gibt es kein Problem, das nicht lösbar ist. Die Kolonisierung des Mars und die Verwandlung der Menschheit in eine biplanetare Spezies? Einfach.

Technologie-Genies in der Politik: „Freiheit und Demokratie nicht mehr kompatibel“

Dass sich die Allmachtsfantasien der selbst ernannten Technologie-Genies auch auf die politische Arena ausweiten, ist indes ein vergleichsweise junges Phänomen. Peter Thiel schrieb zwar schon 2009, er glaube, dass „Freiheit und Demokratie nicht mehr kompatibel“ seien. Wirklich greifbar und salonfähig wurden die antidemokratischen Tendenzen der Silicon-Valley-Granden, die davon überzeugt sind, sie sollten die Welt beherrschen, jedoch erst mit Trump.

Konkret artikulierte ihre Ideologie der Blogger Curtis Yarvin, dem nachweislich sowohl Musk als auch Thiel nahestehen. Yarvin hält die US-Demokratie für gescheitert und plädiert für eine Art Neo-Monarchie. Der Regierungschef agiert dort autokratisch wie ein Silicon-Valley-CEO, umgeben von hochrangigen Berater:innen.

Trumps Pläne nach Wahlsieg: Musks Ambitionen ähnlich

Es ist nicht schwer, Musks Ambitionen, der Trump-Regierung anzugehören, in dem Zusammenhang zu sehen. Sein Amt für „Regierungseffizienz“ kann die Macht bekommen, den Regierungsapparat auszuhöhlen und einen plutokratischen Nationenvorstand zu schaffen. Das Ganze kommt der im von rechten Thinktanks artikulierten Blaupause zur Demontage des Staatsapparates – dem „Project 2025“ – beängstigend nahe.

Musks Appetit auf politische Einflussnahme wuchs ganz zweifellos mit Übernahme von Twitter. Es war das erste Mal, dass Musk mit einer Firmengründung oder Firmenübernahme kein übergeordnetes Ziel wie etwa Kolonialisierung des Weltalls oder Entkarbonisierung des Individualtransports verfolgte. Es war vielmehr eine Impulsentscheidung, die auch aus dem Frust kam, den die Produktionseinschränkungen in seinen Betrieben während der Pandemie bei ihm hervorgerufen hatten.

Musk verwandelte Twitter bekanntlich in eine Jauchegrube der Desinformation, an der er selbst eifrig mitwirkt. Von Anfang an verbreitete Musk persönlich Verschwörungstheorien, ob es sich nun um die Identität eines Amokläufers in Texas handelte, um den liberalen Philantropen George Soros oder um die Katastrophenhilfe im Hurrikangebiet in South Carolina. Zuletzt teilte er manipulierte Videos von Kamala Harris, die er nicht als Satire kennzeichnete.

Musk im Sog des Rechtspopulismus

Bei dem Versuch, so in die Politik einzugreifen, macht Musk freilich nicht an den Landesgrenzen der USA halt. So legte er sich mit Venezuelas linken Diktator Maduro an, während er den rechten argentinischen Staatschef Milei lautstark unterstützte. In Deutschland spielte er der AfD in die Hände, als er fragte, warum SS-Äußerungen in Deutschland nicht legal seien.

Musk scheint es zu genießen, dass er im Sog des globalen Rechtspopulismus mittels seines X-Kontos rund um den Globus Einfluss ausüben kann. Ob er dabei tatsächlich selbst immer radikaler geworden ist oder ob er sich einfach nur die ikonoklastische Geste der Populist:innen zunutze macht, ist freilich unklar.

So glaubt der Technologiejournalist Charlie Warzel, dass Musk in vielerlei Hinsicht ein Opfer der Aufmerksamkeitsmaschine X geworden sei. Ganz ähnlich wie Trump hat er erlebt, dass Äußerungen mehr Aufmerksamkeit bekommen, je extremer sie sind. „Man wird zum Sklaven seines Publikums.“ Um die Maschine am Laufen zu halten, müssen die Äußerungen immer krasser werden.

Hang zum Wahn in der Familie Musk

Ganz aus dem Nichts kommt die Radikalisierung Musks freilich nicht. Sein Großvater veröffentlichte 1960 ein Buch über eine vermeintliche jüdische Weltverschwörung, sein entfremdeter Vater, der zwei Kinder mit seinen Stieftöchtern zeugte, nannte Joe Biden einen „pädophilen Präsidenten“. Ein Hang zum Wahn liegt also durchaus in der Familie.

Musk hat „Per Anhalter durch die Galaxis“ als seine Lieblingslektüre bezeichnet, dessen eine Figur, Zaphod Beeblebrox, Präsident der Galaxie ist. Seine einzige Aufgabe dabei ist es jedoch, ständig Aufmerksamkeit zu erregen. Gegenüber seinem Biografen Isaacson bezeichnete Musk das Buch als Aufforderung, „unser Bewusstsein zu erweitern, damit wir besser die Fragen nach dem Universum stellen können“. Die Historikerin Jill Lepore setzt dieser Interpretation entgegen: „In Wirklichkeit ist ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ eine messerscharfe Kritik an Imperialismus und Turbo-Kapitalismus“.

Rubriklistenbild: © AFP

Kommentare