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Über die Jahre hat sich Trump-Vize Vances Meinung zu einigen Themen drastisch geändert. Neue Textnachrichten enthüllen, wie er Trump verachtete.
Washington D. C. – Die Schlammschlacht der US-Wahlen ist im vollen Gange. Nicht nur Donald Trump ist im Kreuzfeuer der Demokraten. Auch J.D. Vance, der beim Parteitag der Republikaner offiziell als Trumps Vize auserkoren wurde, ist kein Unschuldslamm. E-Mails und SMS enthüllen nun, wie sich der Senator aus Ohio abfällig über Polizei und Trump geäußert hatte.
Der New York Times (NYT) liegen nach eigenen Angaben Auszüge aus Unterhaltungen zwischen Vance und seiner ehemaligen Kommilitonin während seiner Zeit in der Yale Universität vor. Die E-Mails würden offenbaren, wie drastisch sich Vances Meinung zu Trump in den vergangenen Jahren geändert hat. In einem Statement hatte die Vance-Kampagne unterdessen ihr Bedauern mitgeteilt, dass jemand „Jahrzehnte alte private Unterhaltungen zwischen Freunden“ veröffentlicht habe.
Als im Oktober 2014 der 18-jährige Michael Brown von der Polizei erschossen wurde, hatte Vance laut dem Bericht alles andere als Sympathie für die Polizei übrig. In einer Konversation mit seiner Klassenkameradin Sofia Nelson schrieb er: „Ich hasse die Polizei. Angesichts der negativen Erfahrungen, die ich mit ihr in den letzten Jahren hatte, kann ich mir nicht vorstellen, was ein schwarzer Kerl durchmachen muss.“
Sah Trump früher als „Demagogen“ – nun gliedert sich Vance ein
Anfang Dezember 2015 war der 39-Jährige noch gegen eine Präsidentschaft Trumps und bezeichnete ihn als „Demagogen“. „Ich bin natürlich empört über Trumps Rhetorik, und ich mache mir vor allem Sorgen darüber, wie willkommen sich muslimische Bürger in ihrem eigenen Land fühlen. Aber ich glaube auch, dass die Menschen schon immer verrückten Mist geglaubt haben.“
Weiter schrieb er laut NYT seiner Klassenkameradin: „Und es hat schon immer Demagogen gegeben, die bereit waren, Menschen auszunutzen, die an verrückte Dinge glauben.“ Nun scheint Vance selbst zum Demagogen geworden zu sein, indem er auf die gleichen rhetorischen Mittel zurückgreift, die er gut ein Jahrzehnt zuvor noch so vehement kritisiert hatte.
Während Vance der amerikanischen Arbeiterschicht bei seiner Dankesrede auf dem Republikaner-Parteitag das Blaue vom Himmel versprochen hatte, wirbt Trump mit Steuersenkungen für Milliardäre und Unternehmen, wie der Guardian schreibt. Ein Widerspruch, der für Vance kein Problem zu sein scheint.
Vor der US-Wahl 2016 sah Vance Trump noch als „moralisch verwerflich“
Kurz vor der US-Wahl im Oktober 2016 bezeichnete Vance Trump noch als „moralisch verwerflichen“ Menschen gegenüber seiner ehemaligen Kameradin Nelson. Vance‘ ursprüngliche Abneigung gegenüber Trump ist nichts Neues. Auf X (damals noch Twitter) schrieb Vance über Trump im selben Monat: „Trump macht Menschen, die mir wichtig sind, Angst. Einwanderer, Muslime, usw. Aus diesem Grund finde ich ihn verwerflich. Gott erwartet besseres von uns.“
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Seine damalige wohlwollende Einstellung gegenüber Immigranten hat sich einer 180-Grad-Wendung unterzogen. Erst im Juni befürwortete Vance in einem Fox News-Interview, „großangelegte Deportationen“ von Immigranten. Bezüglich seiner politischen Einstellung zu Themen, die sich offenbar wie ein Fähnchen im Wind ändern, äußerte sich die Vance-Kampagne laut NYT: „Er hat offen darüber gesprochen, dass sich einige seiner Ansichten von vor zehn Jahren zu ändern begannen, nachdem er Vater geworden war und eine Familie gegründet hatte und er hat ausführlich erklärt, warum er seine Meinung über Präsident Trump geändert hat.“ (sischr)
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