„Kolonialkrieg“

US-Attacke auf Venezuela durch Trump: Ablauf, Reaktionen und mögliche Folgen

Eine Eliteeinheit der USA soll den Staatschef von Venezuela festgesetzt haben. Jetzt preist US-Präsident Donald Trump dies als „brillante Operation“.

Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump hat die Festnahme von Nicolas Maduro, Präsident von Venezuela, als eine „brillanten Operation“ bezeichnet. Trump äußerte sich, nachdem am heutigen Morgen Luftangriffe auf Caracas mit Black-Hawk- und Chinook-Hubschraubern geflogen wurden. Er sagte, Maduro und seine Frau seien in Gewahrsam genommen und außer Landes geflogen worden. Es sei das Ergebnis „viel guter Planung und vieler großartiger, großartiger Truppen und großartiger Menschen“.

Unter Trump ist der Konflikt zwischen den USA und Venezuela eskaliert. (Archivbild)

Aufnahmen zeigten Raketen, die auf die Stadt herabfielen, und Rauch, der über der Skyline aufstieg, während die venezolanische Regierung den Ausnahmezustand ausrief und erklärte, Angriffe hätten die Hauptstadt sowie die Bundesstaaten Miranda, Aragua und La Guaira getroffen. Maduro sei von Mitgliedern der Delta Force, der Spezialeinheit der US-Streitkräfte für Sondermissionen, gefangen genommen worden, wie CBS News berichtete. Die Eliteeinheit war 2019 auch für die Tötung von Abu Bakr al-Baghdadi, des früheren Anführers des „Islamischen Staates“ (IS), verantwortlich.

Trumps Drohungen und wachsender Druck auf Venezuela

In einem Beitrag auf Truth Social sagte Trump, dass der Bombenangriff auf monatelange Ankündigungen folge, dass er handeln werde, falls Venezuela nicht aufhöre, „Drogenschmugglerboote in Richtung USA“ auslaufen zu lassen. Das US-Außenministerium hatte Maduro kürzlich zudem als das Oberhaupt eines „narkoterroristischen Staates“ bezeichnet. Seit August hat die US-Regierung den Druck auf Venezuela erhöht, indem sie Einsätze in Grenznähe flog, die Seestreitkräfte in der Region verstärkte und mutmaßliche Drogenschmuggler auf Motorbooten tötete.

Am Donnerstag erklärte Maduro, er wolle eine Vereinbarung mit Trump treffen, die ihn möglicherweise an der Macht halten, seinen Reichtum sichern und ihm Immunität vor Strafverfolgung verschaffen würde – und den USA zugleich den Zugang zu Venezuelas Öl ermöglichen sollte. Eine Vereinbarung kam nicht zustande. Gustavo Petro, Präsident von Kolumbien und ein Kritiker Trumps, schrieb in den sozialen Medien: „Im Moment bombardieren sie Caracas. Alarm an die ganze Welt, sie haben Venezuela angegriffen. Sie bombardieren mit Raketen.“

USA greifen Venezuela an: Bilder zeigen Zerstörung und Maduro in Gefangenschaft

Rauch steigt am Flughafen La Carlota auf, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Rauch steigt am Flughafen La Carlota auf, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Matias Delacroix/dpa
Soldaten bewachen die Gegend um den Präsidentenpalast Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Soldaten bewachen die Gegend um den Präsidentenpalast Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Das Feuer im Fuerte Tiuna, Venezuelas größtem Militärkomplex, ist nach einer Reihe von Explosionen in Caracas am 3. Januar 2026 aus der Ferne zu sehen.
Das Feuer im Fuerte Tiuna, Venezuelas größtem Militärkomplex, ist nach einer Reihe von Explosionen in Caracas am 3. Januar 2026 aus der Ferne zu sehen. © STR / AFP
Explosionen erschüttern die venezolanische Hauptstadt Caracas.
Explosionen erschüttern die venezolanische Hauptstadt Caracas.  © IMAGO/Stringer
Menschen gehen am Präsidentenpalast Miraflores vorbei, nachdem in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, Explosionen und tieffliegende Flugzeuge zu hören waren.
Menschen gehen am Präsidentenpalast Miraflores vorbei, nachdem in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, Explosionen und tieffliegende Flugzeuge zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Anwohner verlassen ein Gebäude in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Anwohner verlassen ein Gebäude in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Fußgänger rennen, nachdem Explosionen in Caracas zu hören waren.
Fußgänger rennen, nachdem Explosionen in Caracas zu hören waren. © Matias Delacroix/dpa
Anwohner aus einem Gebäude, das evakuiert wurde, stehen in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren.
Anwohner aus einem Gebäude, das evakuiert wurde, stehen in der Nähe des Präsidentenpalastes Miraflores, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, zu hören waren. © Cristian Hernandez/dpa
Eine Frau verfolgt die Nachrichten im Fernsehen, nachdem es in Caracas zu mehreren Explosionen gekommen war.
Eine Frau verfolgt die Nachrichten im Fernsehen, nachdem es in Caracas zu mehreren Explosionen gekommen war.  © IMAGO/Boris Vergara
Schäden nach der US-Attacke auf den Hafen La Guaira in Venezuela.
Schäden nach der US-Attacke auf den Hafen La Guaira in Venezuela. © Pedro Mattey/imago
Blick auf Caracas bei Nacht, aufgenommen nach einer Reihe von Explosionen am 3. Januar 2026.
Blick auf Caracas bei Nacht, aufgenommen nach einer Reihe von Explosionen am 3. Januar 2026. © Federico Parra/afp
Menschen versammeln sich in einem Einkaufszentrum in der Nähe eines großen Bildschirms, auf dem der US-Angriff auf Venezuela überträgt und über den gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seine Frau berichtet wird.
Menschen versammeln sich in einem Einkaufszentrum in der Nähe eines großen Bildschirms, auf dem der US-Angriff auf Venezuela überträgt und über den gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seine Frau berichtet wird.  © Andy Wong/dpa
Das Foto soll den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in US-Gewahrsam zeigen. Er trägt einen Jogginganzug, einen Gehörschutz, eine Brille und Handschellen.
Das Foto soll den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in US-Gewahrsam zeigen. Er trägt einen Jogginganzug, einen Gehörschutz, eine Brille und Handschellen. © @realDonaldTrump/Truth Social
Ein Flugzeug, in dem der gefangene venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro an Bord sein soll, landet auf der Stewart Air National Guard Base.
Ein Flugzeug, in dem der gefangene venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro an Bord sein soll, landet auf der Stewart Air National Guard Base. © Noah K. Murray/dpa
Eine Wagenkolonne mit dem gefangenen venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia Flores fährt vom West 30th Street Heliport ab.
Eine Wagenkolonne mit dem gefangenen venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seiner Frau Cilia Flores fährt vom West 30th Street Heliport ab. © Stefan Jeremiah/dpa
Bundespolizisten stehen vor dem Metropolitan Detention Center Wache, während sie auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro warten.
Bundespolizisten stehen vor dem Metropolitan Detention Center Wache, während sie auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro warten. © Yuki Iwamura/dpa
New Yorker Polizeibeamte versammeln sich vor dem Metropolitan Detention Center kurz nach der Ankunft des festgenommenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seiner Frau Cilia.
New Yorker Polizeibeamte versammeln sich vor dem Metropolitan Detention Center kurz nach der Ankunft des festgenommenen venezolanischen Präsidenten Maduro und seiner Frau Cilia. © Yuki Iwamura/dpa
Beamte warten vor dem Hubschrauberlandeplatz in der West 30th Street auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro.
Beamte warten vor dem Hubschrauberlandeplatz in der West 30th Street auf die Ankunft des gefangenen venezolanischen Präsidenten Maduro. © Stefan Jeremiah/dpa
Präsident Donald Trump spricht in seinem Club Mar-a-Lago nach dem Angriff auf Venezuela.
Präsident Donald Trump spricht in seinem Club Mar-a-Lago nach dem Angriff auf Venezuela. © Alex Brandon/dpa
US-Präsident Donald Trump, Verteidigungsminister Pete Hegseth und CIA-Chef John Ratcliffe überwachen die Militäroperation in Venezuela.
US-Präsident Donald Trump, Verteidigungsminister Pete Hegseth und CIA-Chef John Ratcliffe überwachen die Militäroperation in Venezuela. © Donald Trump's Truth Social Account/imago
Eine Frau sitzt vor einem Gebäude, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde.
Nach dem US-Militäreinsatz: Eine Frau sitzt vor einem Gebäude, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde.  © Javier Campos/dpa
Ein Mann schaut sich die Schäden an einem Apartmentgebäude an, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde.
Ein Mann schaut sich die Schäden an einem Apartmentgebäude an, das bei der Bombardierung durch die Vereinigten Staaten in Venezuela zerstört wurde. © Javier Campos/dpa
Bewaffnete Zivilisten, die der Regierung nahestehen, stoppen Motorradfahrer in Caracas nach US-Angriffen auf Venezuela.
Bewaffnete Zivilisten, die der Regierung nahestehen, stoppen Motorradfahrer in Caracas nach US-Angriffen auf Venezuela.  © Ariana Cubillos/dpa
Ein Anhänger der Regierung hält eine Actionfigur von Super Bigote während einer Demonstration, bei der die Freilassung von Präsident Nicolás Maduro gefordert wird.
Protest in Caracas: Ein Anhänger der Regierung hält eine Actionfigur von Super Bigote während einer Demonstration, bei der die Freilassung von Präsident Nicolás Maduro gefordert wird. © Ariana Cubillos/dpa
Demonstranten verbrennen in der Nähe der US-Botschaft in Manila eine US-Flagge.
Protest auch auf den Philippinen: Demonstranten verbrennen in der Nähe der US-Botschaft in Manila eine US-Flagge. © Aaron Favila/dpa

Ziele der Angriffe und erste Reaktion Venezuelas

Die US-Angriffe begannen gegen 1.50 Uhr Ortszeit (5.50 Uhr MEZ) und richteten sich gegen mindestens fünf Schlüsselziele. Dazu gehörte der Militärstützpunkt Fuerte Tiuna, ein wichtiger Verteidigungsposten, von dem bekannt ist, dass er zahlreiche venezolanische Militärführer beherbergt. Ebenfalls angegriffen wurden der Luftwaffenstützpunkt La Carlota in Caracas, der Karibikhafen La Guaira, die Funkantenne El Volcán und der Flughafen Higuerote.

General Vladimir Padrino Lopez, Venezuelas Verteidigungsminister, war der erste ranghohe Vertreter, der sich nach den Angriffen zu Wort meldete. Er sagte: „Diese Invasion stellt die schamloseste Verletzung dar, die das Land erlitten hat.“ Lopez erklärte, Venezuelas Streitkräfte würden gemäß „Maduros Anweisungen“ eingesetzt, äußerte sich aber nicht zu der gemeldeten Festnahme des Staatschefs. „Sie haben uns angegriffen, aber sie werden uns nicht unterwerfen“, fügte Lopez hinzu und rief zugleich zu Ruhe und Einigkeit auf.

Venezuelas Vorwürfe gegen Trump und internationale Reaktionen

Früher in der Nacht hatte die venezolanische Regierung eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Angriffe als „extrem schwere militärische Aggression“ bezeichnete. Inzwischen hat sie Beweise dafür verlangt, dass Maduro noch am Leben ist. Sie warf den USA zudem vor, die UN-Charta zu verletzen und „den internationalen Frieden und die Stabilität“ zu bedrohen, und behauptete, die USA versuchten, einen „Kolonialkrieg“ durchzusetzen.

Das Ziel dieses Angriffs ist nichts anderes, als sich Venezuelas strategische Ressourcen, insbesondere sein Öl und seine Mineralien, anzueignen, in dem Versuch, die politische Unabhängigkeit der Nation mit Gewalt zu brechen“, hieß es in der Erklärung. Die Regierung rief außerdem erneut den Ausnahmezustand aus und forderte die Bevölkerung auf, auf die Straße zu gehen und zu protestieren. „Die Regierung ruft alle sozialen und politischen Kräfte des Landes auf, Mobilisierungspläne zu aktivieren und diesen imperialistischen Angriff zurückzuweisen“, hieß es in der Erklärung.

Verbündete Venezuelas und Kritik im US-Kongress

Iran und Russland, die enge Beziehungen zu Venezuela unterhalten, verurteilten die Angriffe ebenfalls. Trump erklärte in den sozialen Medien, die Operation sei „in Zusammenarbeit mit den US-Strafverfolgungsbehörden“ durchgeführt worden. Der Verteidigungsausschuss des US-Senats teilte mit, er sei nicht über die Angriffe informiert worden.

Der republikanische Senator Mike Lee erklärte, er freue sich darauf zu erfahren, „was, wenn überhaupt, diese Maßnahme verfassungsrechtlich rechtfertigen könnte, ohne Kriegserklärung oder Ermächtigung zum Einsatz militärischer Gewalt“. Der demokratische Senator Ruben Gallego bezeichnete den Angriff in einem Beitrag in den sozialen Medien als „illegal“. (Dieser Artikel von Allegra Mendelson entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

Rubriklistenbild: © Alex Brandon/AP/dpa

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