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Kapitol-Sturm: Justizministerium sollte Donald Trumps „Lügen legitimieren“

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  • Stefan Krieger
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Hochrangige ehemalige Beamte sagen vor dem Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol gegen Donald Trump aus.

  • Der Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol am 06. Januar in den USA untersucht weiterhin, inwieweit Donald Trump involviert war.
  • Analyse bei Fox News: Selbst der Trump-freundliche Sender attestiert Trump eine gewisse Schuld.
  • Alle Neuigkeiten über den ehemaligen Präsidenten der USA im News-Ticker.

Update vom 24.06.2022, 04:00 Uhr: Der frühere US-Präsident Donald Trump wollte sich laut dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol nach seiner Wahlniederlage mithilfe des Justizministeriums an der Macht halten. Trump habe nach seiner Niederlage nicht einfach nur gewollt, dass das Justizministerium zu den von ihm verbreiteten Wahlbetrugsvorwürfen ermittle, sagte der Ausschussvorsitzende Bennie Thompson am Donnerstag (23. Juni). „Er wollte, dass das Justizministerium hilft, seine Lügen zu legitimieren.“

Der Abgeordnete der Demokraten sprach von einem „schamlosen Versuch, das Justizministerium zu benutzen, um die persönliche politische Agenda des Präsidenten voranzubringen“.

Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung: Jeffrey Rosen sagt aus

Bei der fünften öffentlichen Anhörung des U-Ausschusses zur Kapitol-Erstürmung sagte auch der damalige geschäftsführende Justizminister Jeffrey Rosen aus. Rosen gab an, er sei zwischen Ende Dezember 2020 und Anfang Januar 2021 nahezu täglich von Trump kontaktiert worden. Trump habe unter anderem die Berufung eines Sonderermittlers zu angeblichem Wahlbetrug und eine Klage des Justizministeriums vor dem Obersten Gerichtshof des Landes erwogen.

Der Ausschussvorsitzende Bennie Thompson nach der fünften öffentlichen Anhörung.

Sturm auf das Kapitol: Rebellion gegen Donald Trump

Rosen sagte, das Justizministerium habe zwar Vorwürfe des Wahlbetrugs geprüft. Beweise habe es aber keine gegeben. Rosen wies nach eigenen Angaben auch ein Ansinnen Trumps zurück, Wahlmaschinen zu beschlagnahmen.

Trump begann schließlich einen Beamten des Justizministeriums, Jeffrey Clark, zu fördern, der sich seinen Wahlbetrugsvorwürfen angeschlossen hatte. Der abgewählte Präsident wollte Clark laut dem Untersuchungsausschuss sogar zum Justizminister machen, damit das Ministerium erkläre, es habe bei der Wahl vom 3. November 2020 massiven Betrug gegeben.

Eine Rebellion der Ministeriumsspitze brachte Trump aber von seinem Vorhaben ab: Rosen, sein Stellvertreter Richard Donoghue, ein weiterer ranghoher Ministeriumsvertreter und der Rechtsvertreter des Weißen Hauses, Pat Cipollone, drohten mit einer Rücktrittswelle.

Donoghue sagte am Donnerstag (23. Juni) aus, er habe unter anderem argumentiert, Clark besitze gar nicht die Kompetenz für das Amt. Er habe Clark gesagt: „Du bist ein Umweltanwalt. Warum gehst du nicht in dein Büro zurück und wir rufen dich an, wenn es eine Ölpest gibt?“

Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht

Donald Trump als Moderator von The Apprentice, einer Reality-TV-Serie in den USA
Seit über 40 Jahren ist Provokation seine Spezialität: Donald Trump erregte die Gemüter, lange bevor er sich entschied, eine politische Karriere anzustreben. Ob als eiskalter Immobilienmakler in seiner Heimatstadt New York City oder wie hier als skrupelloser Chef in seiner eigenen Reality-TV-Serie „The Apprentice“ - Trump sorgte immer für Schlagzeilen. Ein Blick zurück erinnert an die größten Momente, die schließlich im Wahlsieg 2016 und dem Einzug ins Weiße Haus mündeten. © Imago
Donald Trump und Ivana Trump in den späten 1980er Jahren.
Dabei hatte alles so harmonisch begonnen. Donald Trump, reicher Erbe, Liebling der Klatschspalten und ab 1986 auch noch als Retter der New Yorker Eislaufbahn bekannt geworden, heiratete 1977 Ivana Trump. Das ehemalige Model schenkte Donald seine ersten drei Kinder: Donald Jr., Ivanka und Eric. Doch die Ehe sollte das glamouröse Leben der Trumps nicht überstehen und im Jahr 1990 ein Ende in Scheidung finden. © imago stock&people
Donald Trump und Marla Maples bei ihrer Hochzeit im Dezember 1993
Donald Trump ehelichte daraufhin die Frau, mit der er laut der Regenbogenpresse ohnehin schon seit längerem eine Affäre hatte: Marla Maples. Die damals 30 Jahre alte Schauspielerin gab Trump am 20. Dezember 1993 in New York das Ja-Wort. Kurz zuvor war Tiffany Trump, die gemeinsame Tochter der beiden, zur Welt gekommen. Die Ehe hielt respektable sechs Jahre. Marla Maples hätte über diese Zeit gerne ein Buch geschrieben. Das aber verhinderten laut Vanity Fair die Anwälte ihrer Stiefkinder Ivanka Trump und Donald Junior. © imago
Donald Trump und Melania Trump gemeinsam in New York
Es folgte Ehe Nummer Drei für Donald Trump, diesmal mit Melania Knauss. Das Topmodel aus Slowenien wurde als Kampagnengesicht der Zigarettenmarke Camel 1998 in den USA berühmt. Ihren späteren Ehemann lernte Melania im selben Jahr kennen. Im Jahr 2002 heiratete sie den 24 Jahre älteren Donald Trump. 2006 kam der gemeinsame Sohn des Glamour-Paares auf die Welt: Barron Trump. © Imago
Im Jahr 2016 kam Donald Trump wie hier die goldene Rolltreppe seines Hochhauses in New York herab
Im Jahr 2016 kam Donald Trump wie hier die goldene Rolltreppe seines Hochhauses in New York herab und erklärte seine Kandidatur für die US-Wahl 2016. Kaum jemand nahm die politischen Ambitionen des Fernsehstars zu diesem Zeitpunkt ernst. © Andrea Hanks/imago
Donald Trump gegen Parteigrößen wie Jeb Bush
In den Vorwahlen der Republikaner trat Donald Trump gegen Parteigrößen wie Jeb Bush (im Bild) an. Bei den TV-Debatten der Kandidaten machte er erstmals auf sich aufmerksam – indem er die alteingesessenen Politiker derbe attackierte. Trump sicherte sich so die Nominierung der Partei für die US-Wahl 2016. © imago
Donald Trump und Hillary Clinton beim Wahlkampf 2016
Dort traf Donald Trump auf Hillary Clinton. Die Kandidatin der Demokraten galt als Favoritin - vor allem, nachdem ein Tonband aufgetaucht war, in dem Trump damit angab, Frauen ungestraft sexuell belästigen zu können. Doch es geschah, was kaum jemand für möglich hielt: Trump setzte sich durch und wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. © imago
Barack Obama empfängt nach dessen Amtseinführung seinen Nachfolger Donald Trump im Weißen Haus in Washington DC, USA
Barack Obama hatte sich bei der Wahl für Hillary Clinton, seine langjährige Außenministerin, eingesetzt und vor Trump gewarnt. Genutzt hatte es nichts. Wie üblich besuchte Obama zunächst die feierliche Amtseinführung und empfing anschließend seinen Nachfolger im Weißen Haus – eine Ehre, die Trump vier Jahre später Joe Biden verweigern sollte. © imago
Donald Trump und Emmanuel Macron schütteln Hände
Kaum in Amt und Würden, schlidderte Donald Trump von einer Peinlichkeit zum nächsten Affront. Mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron lieferte sich Trump auf Staatsbesuch in Frankreich einen Wettbewerb im Händedrücken, den am Ende Macron gewann. Das zumindest ließen die deutlichen Spuren vermuten, die die Finger des Franzosen auf der Hand des US-Präsidenten hinterlassen hatten. © Peter Dejone/dpa
US-Präsident Donald Trump auf Staatsbesuch in Schanghai, China.
Doch Donald Trump polarisiert nicht nur mit seinen Taten, auch Spekulationen rund um sein Aussehen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Warum ist seine Haut orange, was schmiert er sich ins Gesicht, kann sich ein Milliardär kein besseres Toupet leisten? Das verweigert nämlich regelmäßig, ordentlich auf dem Kopf liegen zu blieben – wie hier zum Beispiel auf dem Flughafen in Schanghai zu sehen. © Jim Watson/imago
Angela Merkel, Emannuel Macron, Shinzo Abe und Donald Trump auf dem G7-Gipfel in Kanada
Vor allem die Verbündeten brachte Donald Trump mit seinem Wankelmut auf die Palme. Die schwierige Beziehung zwischen den USA unter seiner Regentschaft und dem Rest der westlichen Welt wird durch dieses Foto zusammengefasst, das auf dem G7-Gipfel in Kanada im Jahr 2018 entstand. Angela Merkel, damals noch Bundeskanzlerin, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Japans Premierminister Shinzo Abe reden auf Trump ein. Der sitzt da, mit trotzigem Gesichtsausdruck und verschränkten Armen. Vor allem Merkel ist die Frustration über einen derartigen Verhandlungspartner deutlich anzusehen. © Jesco Denzel/dpa
US-Präsident Donald Trump und Erotikdarstellerin Stormy Daniels
Wer glaubte, dass Donald Trump als Präsident zumindest nur noch politische Skandale produziert, wurde bald eines Besseren belehrt. Erotikdarstellerin Stormy Daniels machte ihre Affäre mit dem US-Präsidenten öffentlich. Beide trafen sich, während Trump schon mit Melania verheiratet war. Pikant: Melania war wohl damals gerade mit dem gemeinsamen Kind schwanger. Trump befahl seinem damaligen Anwalt Michael Cohen, Stormy Daniels Schweigegeld zu zahlen, damit alles geheim bleibe. Doch weil das Geld angeblich nie bei ihr ankam, schrieb Daniels ein Buch. Nun wissen wir alle, ob wir wollen oder nicht, wie Trumps Penis aussieht. © Mandel Ngan/afp
Donald Trumps legendärer Tweet mit Covfefe in einer Kunstausstellung in New York
Doch weder mit Bettgeschichten noch mit politischen Skandalen erzeugte Donald Trump derart viel Aufmerksamkeit wie mit seinem Twitter-Kanal. Als @realdonaldtrump twitterte Donald, bis sich die Balken bogen: mitten in der Nacht, voll Rechtschreibfehler und am liebsten in Großbuchstaben. Legendär ist sein „Covfefe“-Tweet vom 31. Mai 2017 (im Bild). Zeitweise folgten ihm fast 89 Millionen Accounts. Doch im Januar 2021 war auf einmal Schluss. Im Zuge der Attacke auf das Kapitol sperrte Twitter den Account des damals noch amtierenden US-Präsidenten. Grund: Er habe den Mob zur Gewalt ermutigt. © Christina Horsten/dpa
Neonazis marschieren durch Charlottesville (USA)
In welche Richtung Donald Trump innenpolitisch steuerte, wurde spätestens 2017 klar. Eine Horde Neonazis marschierte damals mit Fackeln durch die Stadt Charlottesville. Uniformierte Männer brüllten im Chor: „Juden werden uns nicht ersetzen.“ Ein Mann raste mit seinem Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten, eine 30 Jahre alte Frau starb infolgedessen. Die ganzen USA waren schockiert. Doch das Staatsoberhaupt weigerte sich, den Neonazi-Aufmarsch zu verurteilen. Stattdessen sprach Donald Trump von „sehr guten Leuten auf beiden Seiten“. © Zach D Roberts/imago
Donald Trump besucht Puerto Rico
Als der Hurrikan „Florence“ im September 2018 die Insel Puerto Rico verwüstete, interessierte das Donald Trump zunächst wenig. Nach politischem Druck schickte er jedoch Hilfe und reiste sogar selbst auf die Insel, die zu den USA gehört, aber kein offizieller Bundesstaat ist. Dort angekommen bewarf Trump die Menschen mit Klopapierrollen. Die Tragweite der Katastrophe schien ihm zu keinem Zeitpunkt bewusst. Star-Koch José Andrés, selbst aus Puerto Rico und bei besagter Situation anwesend, sagte einige Zeit später zur Washington Post: „Es war ein Beweis für seine Unfähigkeit zur Empathie.“ © Evan Vucci/dpa
Donald Trump und das Sharpie Gate
Was nicht passt, wird manipuliert. Kein Moment charakterisiert dieses Credo von Donald Trump so eindrücklich wie das „Sharpie-Gate“. Als der Hurrikan Dorian die USA bedrohte, twitterte Trump, man müsse sich in den Bundesstaaten Florida, Georgia und Alabama in Acht nehmen. Das Problem: laut der offiziellen Karte des nationalen Wetterdienstes war Alabama nicht betroffen. Statt zuzugeben, dass er sich geirrt hatte, schmierte Trump mit einem Sharpie-Filzstift (das amerikanische Pendant zum Edding) einfach auf der Karte rum, erweiterte so das Gefahrengebiet und schwupps: schon war auch Alabama betroffen - zumindest in der Welt von Donald Trump, in der Fakten beliebig austauschbar sind. © JIM WATSON/afp
Trump-Anhänger stürmern das Kapitol in Washington DC
Wie sie begann, so endete Donald Trumps Zeit als Präsident: mit einem Skandal. Wochenlang schürte Trump mit seinen Behauptungen vom Wahlbetrug („The Big Lie“) die Aggressionen seiner Anhänger. Am 6. Januar 2021, der Tag, an dem Joe Biden offiziell zum Präsidenten ernannt werden sollte, entlud sich die Wut. Nachdem Trump seine Anhänger aufforderte, zum Kapitol zu marschieren, eskaliert dort die Situation. Der Mob überwindet die Absperrungen der völlig überforderten und unterbesetzten Polizei und dringt in das Parlamentsgebäude ein. Fünf Menschen sterben infolge des Aufruhrs. Für Donald Trump ändert das kaum etwas. Bis heute hat er seine Niederlage öffentlich nicht eingestanden. © Lev Radin/imago
2024, als die Kolumnistin und Autorin E. Jean Carroll (Mitte) ein Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen sexuellem Missbrauch und Verleumdung gewann.
Bis heute hat Donald Trump seine Niederlage bei der US-Wahl nicht 2020 eingestanden. Skandale produzierte er aber auch nach seiner Amtszeit weiter. So im Jahr 2024, als die Kolumnistin und Autorin E. Jean Carroll (Mitte) einen Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen sexuellem Missbrauch und Verleumdung gewann. Ein New Yorker Gericht sprach Caroll Schadensersatz in Höhe von 84 Millionen Dollar zu.  © IMAGO/Mary Crane
Donald Trump, hier mit seiner Anwältin Alina Habba
Noch heftiger fiel das Urteil in einem anderen Prozess gegen Donald Trump, hier mit seiner Anwältin Alina Habba aus. Ebenfalls in New York wurde der Ex-Präsident wegen Verschleierung von Schweigegeldzahlungen an die Erotikdarstellerin Stormy Daniels schuldig gesprochen - in insgesamt 34 Fällen.  © imago
Bis heute hat Donald Trump seine Niederlage bei der US-Wahl 2020 nicht eingestanden.
Trotz aller Skandale tritt Donald Trump auch 2024 erneut zur US-Wahl an. Seine Kandidatur verkündete er in seinem neuen Wohnsitz, dem Luxus-Ressort Mar-a-Lago. © IMAGO/C-Span
Donald Trump und Kamala Harris
Nach dem Rückzug der Kandidatur Joe Bidens hatte Donald Trump im Wahlkampf für die US-Wahl 2024 eine neue Gegnerin: Vizepräsidentin Kamala Harris. Im ersten und einzigen TV-Duell produzierte Trump dann auch den nächsten Eklat. „Sie essen Katzen und Hunde“, sagte der Kandidat der Republikaner über Einwanderer aus Haiti, die sich im Bundesstaat Ohio angeblich über Haustiere der US-Bürgerinnen und Bürger hermachen würden. © SAUL LOEB/AFP
Donald Trump gewann die US-Wahl 2024
Donald Trump gewann die US-Wahl 2024 und zog mit seinem neuen Vizepräsident JD Vance ins Weiße Haus ein. Am Tag der Amtseinführung unterzeichnete Trump in der Mehrzweckhalle Capital One Arena in Washington DC unter dem Applaus seiner Anhängerschaft dutzende präsidentielle Dekrete. © JIM WATSON/AFP
Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um
Kaum angekommen im Oval Office sorgte Donald Trump für den nächsten Eklat. Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um. Weil die Nachrichtenagentur AP diese Umbenennung nicht mitmachen wollte, verbannte die Trump-Administration ihre Vertreterinnen und Vertreter von den Pressekonferenzen des Weißen Hauses. © imago
Donald Trump beim Interview im Oval Office
Ebenfalls im Oval Office kam es zu einem weiteren Eklat, an dem Donald Trump maßgeblich beteiligt war. Während eines Fernsehinterviews behauptete der US-Präsident, man habe die Tättowierung „MS13“ auf den Knöcheln eines abgeschobenen Südamerikaners gefunden, was wiederum dessen Mitgliedschaft in der gleichnamigen Kriminellen-Gang beweisen würde. Mehrfach wies der Reporter Trump daraufhin, dass es sich bei seinem angeblichen Beweisfoto um eine mit Photoshop bearbeitete Aufnahme handle. Trump wiederum ließ sich davon aber nicht stören. © IMAGO/White House
Trump auf der Beerdigung des Papstes in Rom
Doch nicht nur in Washington DC sorgte Donald Trump nach Amtsübernahme für Eklats und Kopfschütteln. Das gelang dem neuen Präsidenten auch in Rom. Bei der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan brach Trump mit seiner Anzugfarbe das Protokoll. Statt in Schwarz erschien der US-Präsident in Begleitung von First Lady Melania Trump in blauem Anzug. © ISABELLA BONOTTO/AFP

Sturm auf das Kapitol: „Sag einfach, dass die Wahl korrupt war“

+++ 23.50 Uhr: Donald Trump soll das Justizministerium in den USA direkt angewiesen haben, seine verlorene Präsidentschaftswahl anzuzweifeln. „Sag einfach, dass die Wahl korrupt war und überlass den Rest mir und den republikanischen Kongressabgeordneten“, soll der ehemalige Präsident zu einem damaligen hochrangigen Mitglied der Behörde gesagt haben. Der Beamte sagte dies am Donnerstag (23. Juni) bei der fünften Anhörung des Ausschusses zur Untersuchung des Sturms auf das Kapitol aus, wie das Portal Daily Beast berichtet.

Update vom 23. Juni, 09.10 Uhr: Am heutigen Donnerstag kommt der Ausschuss zum Sturm aufs Kapitol erneut zusammen. Alle weiteren Sitzungen aber werden erst im Juli abgehalten werden. Das gab der Vorsitzende des Ausschusses, Bennie Thompson, am Montagabend bekannt.

Grund für die Verlegung ist neues Videomaterial über Donald Trump und seine Familie, das dem Untersuchungsausschuss in den kommenden Tagen vorgelegt werden muss. Die Aufnahmen stammen von Filmemacher Alex Holder. Er hatte am 6. Januar, dem Tag des Sturms aufs Kapitol, offenbar mehrere Interviews mit Trump und seiner Familie geführt. Ausschussvorsitzender Thompson hat nach eigenen Aussagen einen Teil der Aufnahmen bereits gesehen und stufte diese öffentlich als „wichtig“ für die Arbeit des Ausschusses ein. Ein weiteres Ausschuss-Mitglied sagte gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN, dass man bei der Sitzung weitere Informationen über den Verlauf ab Juli geben werde.

Sturm aufs Kapitol: Donald Trump „ist schuldig“ - immer mehr Verbündete wenden sich ab

Update, 16.33 Uhr: Die Mitbegründerin der politischen Organisation Women for Trump ist nicht glücklich mit Donald Trump. In Kommentaren, die am auf dem Nachrichtenportal Politico veröffentlicht wurden, kritisierte Amy Kremer - eine Organisatorin der Kundgebung am 6. Januar und Mitbegründerin der Gruppe Women for Trump - den ehemaligen Präsidenten wegen seiner Unterstützung für Katie Britt, die am Dienstag die republikanische Senatsvorwahl in Alabama gewonnen hat.

„Donald Trump ist von der Basis abgekoppelt“, sagte Kremer gegenüber Politico. Sie fügte hinzu: „Es ist an der Zeit, dass wir in der Bewegung zu den Grundlagen zurückkehren, zurück zu unseren ersten Prinzipien. ... Wir waren hier, lange bevor Präsident Trump auftauchte, und wir werden auch noch lange danach hier sein.“

Sogar Fox News glaubt jetzt, dass Donald Trump „schuldig“ ist

Erstmeldung vom Mittwoch, 22. Juni, 15.06 Uhr: Washington D.C. – Der Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol brachte vergangene Woche neue Details zu dem historischen Ereignis in den USA ans Licht. Donald Trump verunglimpfte den Ausschuss und seine Mitglieder in seiner Rede erneut. Es handle sich um „Hochstapler“. „Jeder von ihnen ist ein linksradikaler Hasser, der euch alle hasst“, sagte Trump.

Nun scheint auch der Rückhalt im Trump-freundlichen Sender Fox News zu schwinden, wie das Nachrichtenportal Mediaite berichtet. In einem Beitrag mit dem Fox News-Analysten Jonathan Turley kam der ehemalige stellvertretende US-Staatsanwalt Andy McCarthy zu dem Schluss, dass der Ausschuss Beweise dafür vorgelegt hat, dass Trump für das Amt des Präsidenten ungeeignet ist und „möglicherweise eines Verbrechens schuldig ist.“

Donald Trump „ungeeignet“ für eine republikanische Perspektive

Er fügte hinzu, dass es „nichts zu verteidigen gibt, was Donald Trump am 6. Januar 2021 getan hat“. „Wenn Sie ein Verteidiger wären, wenn Sie jemand mit einer anderen Perspektive als der Anti-Trump-Perspektive wären, die vom Ausschuss vertreten wird, glaube ich nicht, dass man das, was Präsident Trump getan hat, verteidigen kann“, sagte er. „Man könnte höchstens versuchen, es in einen mildernden Kontext zu stellen.“

Moderatorin Anita Vogel fragte McCarthy nach den Zielen des Ausschusses in Bezug auf den ehemaligen Präsidenten Donald Trump. „Es scheint, als ob es das Ziel ist, Beweise zu sammeln und dem Justizministerium vorzulegen, um zu sehen, ob es ein Verbrechen gibt, das Donald Trump begangen hat.“ Ein Abgeordneter habe gesagt, dass Trump eine Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten gestartet habe. „Ist dies das Verbrechen, das Trump vorgeworfen wird?“, fragt Vogel McCarthy.

„Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, das plausibelste Verbrechen von Donald Trump ist die Behinderung des Kongresses“, antwortet McCarthy. „Sie [der Ausschuss] stützen sich stark auf das Gutachten eines Bundesbezirksrichters in Kalifornien, der einst als Demokrat für ein öffentliches Amt kandidierte, mit einer Menge bombastischer Rhetorik in diesem Gutachten.“ McCarthy ist sich sicher, dass eine republikanische Perspektive per se hilfreich wäre, Donald Trump dafür jedoch „ungeeignet“ ist.  

Donald Trump: Hat er sich eines Verbrechens schuldig gemacht?

Alles deute darauf hin, dass Donald Trump sich eines Verbrechens schuldig gemacht habe. „Es gibt Argumente auf beiden Seiten, aber ich würde hier die plausible Lücke hervorheben, einen Plan, der alle Regierungsebenen angreifen wollte.“ Der Auschuss zur Untersuchung des Sturms auf das Kapitol zeige darüber hinaus, wie „diffus“ die US-Präsidentschaftswahlen seien, da „die Befugnisse so weit zwischen Bund und Ländern aufgeteilt sind, dass es keine Möglichkeit gab, dass er [Donald Trump] seinen Plan jemals hätte durchziehen können.“ Der „Putschversuch“ sei niemals „plausibel“ gewesen, so McCarthy. (marv)

Rubriklistenbild: © Brandon Bell/AFP

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