Laut einer Umfrage unter der US-Bevölkerung handelt Joe Biden in der Gaza-Krise nicht zufriedenstellend. Vor allem die junge Generation übt Kritik.
Washington, D.C. – Präsident Joe Biden hat sich nach den Hamas-Anschlägen vom 7. Oktober 2023 schnell mit Israel solidarisiert. Sechs Monate später aber sind die amerikanischen Wähler zunehmend unzufrieden mit seinem Umgang mit der Gaza-Krise, wie eine Umfrage für das US-amerikanische Magazin Newsweek ergab. Nach den Angriffen militanter Kämpfer, bei denen über 1.200 Menschen getötet und 253 als Geiseln genommen wurden, stellte sich Biden an die Seite von Premierminister Benjamin Netanjahu und sagte, sein Land sei „nicht allein“.
Drei Umfragen, die Redfield & Wilton Strategies seither exklusiv für Newsweek durchgeführt hat, haben jedoch gezeigt, dass die Missbilligung der Wählerschaft gegenüber Bidens Handeln in der Krise seit Dezember stark zugenommen hat. Bidens Israel-Politik könnte bei der US-Wahl vor allem die junge Generation verprellen.
Junge Menschen in den USA sind über Bidens Israel-Politik erbost
Die erste Umfrage am 29. Oktober 2023 ergab folgendes Bild: 37 Prozent der Befragten befürworteten Bidens Handeln beim Krieg in Israel, 35 Prozent lehnten es ab. Danach ging die Kurve eine Weile noch nach oben, doch seit Dezember 2023 hat sich die Situation deutlich geändert. In der jüngsten Umfrage ist Bidens Zustimmung zu seiner Israel-Politik deutlich gesunken. Inzwischen lehnen 39 Prozent der Befragten Bidens Haltung ab, nur 30 Prozent stimmen ihr zu.
Noch bezeichnender ist, dass 23 Prozent der Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) Biden die Hauptverantwortung für die humanitäre Situation zuschreiben. Dagegen sehen nur acht Prozent die Hamas in der Verantwortung. Und 22 Prozent der Millennials (zwischen 1981 und 1996 Geborene) geben Biden die Hauptschuld, verglichen mit nur 15 Prozent, die die Hamas verantwortlich machen.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




„Das Problem ist, dass die meisten Wähler, vor allem unter den Jugendlichen und den Minderheiten, in Bezug auf den aktuellen Konflikt sehr gespalten sind“, sagte Osamah F. Khalil, ein Experte für US-Außenbeziehungen und den Nahen Osten, gegenüber Newsweek. „Sie sehen dies zumindest als eine Frage der Komplizenschaft – dass die Regierung Biden mitschuldig ist an dem, was jetzt als Völkermord bezeichnet wird.“
„Er scheint die Universitäten zu meiden. Von Kamala Harris, der Vizepräsidentin, haben wir auch nicht viel gesehen“, sagte er.
Die USA haben verschiedene Waffenstillstandsresolutionen im Sicherheitsrat blockiert, sich aber bei der jüngsten Resolution vom 25. März der Stimme enthalten. Israel hat argumentiert, die Resolution ermutige die Hamas, internationalen Druck auszuüben, um einen Waffenstillstand zu erreichen, ohne die Gefangenen freizulassen. In der Zwischenzeit hat Biden seine Kritik am israelischen Vorgehen verschärft.
Israel-Frage könnte sich auf Wahlerfolg der Demokraten auswirken
Bidens Geduld mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu scheint allmählich zu Ende zu gehen. Doch in den USA macht das derzeit keinen Unterschied. „Das öffentliche Händeringen gegenüber der tatsächlichen demonstrativen Unterstützung für Netanjahus Regierung, politisch, diplomatisch und militärisch, wird für Biden schwierig werden“, sagte Osamah F. Khalil, ein Geschichtsprofessor an der Universität Syracuse. „Es wäre sehr schwierig für ihn, dies der Basis zu erklären und sie dazu zu bewegen, im November zur Wahl zu gehen.“
Die Demokraten seien besorgt darüber, wie sich die Israel-Frage auf die US-Wahl auswirken könnte, so Khalil, vor allem, nachdem mehr als 100.000 Menschen bei den Vorwahlen in Michigan die Option „unentschlossen“ gewählt hätten, um gegen Bidens Israel-Politik zu protestieren. (liz)
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