Auch positive Stimmen

Söders Genderverbot in Bayern sorgt für Aufregung: „Verbotspartei“, „Bevormundung“, „Frechheit“

  • schließen

An Bayerns Schulen, Hochschulen und Behörden gehört Gendersprache der Vergangenheit an. Die Entscheidung wird nicht von allen unterstützt – im Netz hagelt es Kritik für die CSU.

München – Als erstes Bundesland hat Bayern die Verwendung von geschlechtersensibler Sprache in Schulen, Hochschulen und in der öffentlichen Verwaltung verboten. Das hat das bayerische Kabinett am Dienstag, 19. März beschlossen. Die Änderung in der Allgemeinen Geschäftsordnung des Freistaats (AGO) wird ab 1. April in Kraft treten – geschlechtsneutrale Schreibweisen mit Sonderzeichen wie Genderstern oder Doppelpunkt sind damit ausdrücklich unzulässig. Die Entscheidung sorgt für gemischte Reaktion. Während Lehrerverbände das Genderverbot begrüßen, kritisieren einige Politiker und Schülerverbände den Beschluss stark.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die Schritte gegen eine gendersensible Sprache bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Söders Parteikollege und Staatskanzleichef Florian Herrmann argumentiert, durch das nun beschlossene Verbieten von Gendersternchen oder dem Binnen-I würden Diskursräume in einer liberalen Gesellschaft offengehalten werden. Die „ideologisch geprägte Sprache“ würde exkludierend wirken.

Lehrerverband begrüßt Entscheidung über bayerisches Genderverbot „weitestgehend“

Der bayerische Landesschülerrat widerspricht dieser Annahme und schreibt auf X (ehemals Twitter) „Wie Diskursräume in einer Gesellschaft offengehalten werden durch ein allgemeines Genderverbot ist uns schleierhaft“ und stellt sich gegen die Regelung. Ähnlich sieht die Bundesschülerkonferenz den Beschluss und verurteilt das Genderverbot an Schulen als „Bevormundung“.

Die Reaktionen auf das Genderverbot an bayerischen Schulen, Hochschulen und Behörden fallen gemischt aus.

Im Gegensatz zum Schülerrat begrüßt der Deutsche Lehrerverband die Entscheidung. Verbandspräsident Stefan Düll sagt, es ginge darum, missverständliche Formulierungen zu vermeiden. Gendersensible Sprache sei auch möglich, ohne es als solche zu markieren. Auch das Sternchen könne ausgrenzend verstanden werden. Der Bayerische Lehrerverband erklärte, er befürworte die Gendervorgaben weitestgehend, hätte sich für die Schulen jedoch mehr Selbstbestimmung und entsprechende Freiheiten gewünscht. 

„Verbotspartei“: Harsche Kritik von Grünen-Politikern für Genderverbot in Bayern

Scharfe Kritik hagelt es von Münchens zweitem Bürgermeister, Dominik Krause (Die Grünen). Auf einem Statement in den sozialen Medien schreibt er, die CSU entwickelte sich immer mehr zu einer Verbotspartei. Bayern habe große Probleme, doch „Herr Söder redet aber häufiger über das Gendern als über bezahlbare Wohnung“. Parteikollege und Grünen-Landtagsabgeordneter Florian Siekmann schreibt, die CSU fürchte sich vor Vielfalt und wolle sie deshalb in Sprache unsichtbar machen. „Nicht weniger, sondern mehr Vielfalt wäre ein wichtiges Zeichen in Bayern“, kritisierte der Queer-Beauftragte des Bayerischen Jugendring (BJR), Patrick Wolf, den Beschluss beim Evangelischen Pressedienst.

Auch die Arbeiterwohlfahrt Bayern attackiert das Genderverbot an Schulen und sagt, jeder Mensch solle sich selbst für oder gegen das Verwenden von der geschlechtergerechten Sprache entscheiden dürfen. Gendern sei wichtig, damit sich alle angesprochen fühlten, und bekannt sei, dass Sprache Denkmuster präge und Stereotype aufbrechen könne. Eine von der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen angestoßene Unterschriftenliste gegen das bayerische Verbot fand zuletzt große Resonanz.

Reaktionen auf Genderverbot in Bayern fallen gemischt aus

Auch im Netz lassen sich gemischte Meinungen finden. Unter dem Beitrag der CSU auf Instagram, in dem die Partei das Genderverbot verkündet, lassen einige Menschen ihrem Frust über den Beschluss freien Lauf. „Genderverbot, Kreuzpflicht, Cannabisverbot. Wie könnt ihr die Frechheit besitzen, anderen eine Verbotsideologie zu unterstellen?“ schreibt etwa ein User und bezieht sich damit unter anderem auf Söders umstrittene Aussagen zur Cannabis-Legalisierung. „Sprache ist lebendig und verändert sich ständig, das kann auch eine CSU nicht verhindern“, schreibt eine andere Userin. In den Kommentaren lassen sich auch ein paar positive Kommentare finden, die das bayerische Genderverbot als „wichtig und gut“ empfinden. Umfragen zeigten zuletzt, dass ein Großteil der Deutschen das Genderverbot in Bayern befürwortet. (nbe mit Material von dpa/epd)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa & Marijan Murat/dpa

Kommentare