Kritik in Russland

Verfehlte Kriegsziele: Russische Meinung gegen Putin wendet sich

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Wachsende Zweifel: Im „System Putin“ klaffen Risse. Spätestens seit die Ukraine mit Truppen in Kursk steht, wächst die Kritik an Wladimir Putin. Gerade in Sozialen Medien werden die Fehler der militärischen Führung kontrovers diskutiert – und mittlerweile dem Diktator selbst angelastet.
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Russland mobilisiert sich: gegen Putin. Zumindest geheim. Eine Umfrage zeigt, dass die Unterstützung für einen Friedensvertrag mit der Ukraine zunimmt.

Moskau – „Ist der alte Mann noch eine Bereicherung oder bereits eine Belastung?“, sei eine mittlerweile wiederholt gestellte Frage unter Russlands Eliten – das behauptet Ekaterina Schulmann. Die Wissenschaftlerin des Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin sieht aber noch keine Gefahr für Wladimir Putin ob seiner Misserfolge im Ukraine Krieg. Offenbar beließen Russlands Profiteure alles beim Alten, so lange ihnen ein Machtkampf in Moskau zu gefährlich erschiene. Jetzt käme aber Gegenwind auch aus der Bevölkerung, berichtet die Kiew Post unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage.

Demnach votierten aktuell fast 50 Prozent der russischen Bevölkerung für einen Truppenabzug aus der Ukraine und für Friedensverhandlungen, auch wenn die militärischen Ziele des Kremls nicht erreicht würden. Dies ginge aus einer gemeinsamen Umfrage der unabhängigen Meinungsforschungsinstitute ExtremeScan und Chronicles hervor, wie die Kiew Post schreibt. Diese Umfrage ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens müssten sich danach die Befragten dezidiert gegen Putin gestellt und das auch geäußert haben, und zweitens schiene sich das russische Diktum eines Befreiungskrieges gegen das faschistische Ausland in Luft aufgelöst zu haben.

Kursk als Warnung: Russlands Bevölkerung befürwortet Rückzug aus der Ukraine

Auch die Kiew Post äußert Erstaunen über den vermeintlichen öffentlichen Sinneswandel. Das sei ein Anstieg von fast zehn Prozent gegenüber den drei vorherigen Umfragen seit Februar 2023, berichtet die Post. Im Februar dieses Jahres soll eine Umfrage durch das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Lewada noch ergeben haben, dass 77 Prozent der Russen einen umfassenden Krieg in der Ukraine befürworteten, wie das Magazin berichtet. Die Vergleichbarkeit beider Umfragen vorausgesetzt, müsste sich die öffentliche Meinung insofern tatsächlich deutlich gewandelt haben.

„Kreml-Propaganda, Manipulation und Ablenkungsmanöver können angesichts der schlechten Nachrichten, die in ganz Russland breit diskutiert werden, nur begrenzt etwas bewirken.“

Jonathan Teubner, New York Times

Allerdings rückt das Magazin Newsweek die Zahlen ins rechte Licht und stellt damit deren Aussagekraft infrage: Die Umfrage soll zwischen dem 10. und 17. September unter 800 Personen durchgeführt worden sein – die Frage der Repräsentativität bleibt insofern unbeantwortet. Aktuell umfasst Russland rund 143 Millionen Menschen – ein Viertel davon soll auf dem Land leben. Die der Umfrage zugrunde liegende Matrix bleibt im Dunklen.

Andere Meinungsforscher sehen die „öffentliche Meinung“ differenziert: Aller Entwicklungen an der Front zum Trotz würden sich die Russen gleichermaßen weiterhin um Putin scharen, betont Waleri Fjodorow, der Politologe und Chef des Meinungsforschungsinstituts VCIOM im Interview mit dem staatlichen Sender RBC: „So unterschiedlich diese Gruppen auch waren, alle, mit Ausnahme derjenigen, die weggezogen waren, schlossen sich um Wladimir Putin zusammen. Sie halten ihn nicht nur als Symbol, sondern auch als rettenden Anker fest. In der Extremsituation, in der sich Russland heute befindet, bleibt Putin ein Beschützer und Retter“, sagt er.

Ukraine selbstbewusst: Selenskyjs Volk glaubt weiterhin an Möglichkeit eines Sieges

Die scheinbare Unauflösligkeit der Situation zeigt sich darin, dass die Ukrainer ihrerseits mehrheitlich weiter an Erfolge auf dem Schlachtfeld glauben und emotional weit weit weg sind von einer Kapitulation – das hat eine Umfrage der in den USA ansässigen Carnegie-Stiftung ergeben. Nicole Gonik und Eric Ciaramella fassen die Umfrage dergestalt zusammen, dass die Erwartungen in einen Sieg der Ukraine noch hoch sind. Die Empfehlung der Autoren an Präsident Wolodymyr Selenskyj und westliche Regierungen lautet aber gleichwohl, klar zu kommunizieren, was militärisch überhaupt machbar sei.

„Je länger sich der Krieg hinzieht, desto weniger Vertrauen haben die Menschen darin, dass er für sie und für Russland zu einem guten Ende kommen wird“, sagte Aleksei Miniailo, ein russischer Oppositionspolitiker und Mitbegründer von Chronicles, gegenüber dem Magazin Newsweek. Allerdings scheint das eher eine Kritik an dem Verlauf des Krieges zu sein, anstatt an dessen Ursachen – was durchaus vom Kreml gesteuert ist; wie das Desaster um Kursk zeigt. Putin schiebt die Niederlage auf das Militär ab, wie die Washington Post berichtet: Der Kreml habe stillschweigend einer umfassenden Säuberung im Verteidigungsministerium zugestimmt – der Vorwurf lautet häufig: Korruption oder Betrug. Festnahmen ziehen sich wohl auch hinunter bis in niedrigere Offiziersränge.

Gegenoffensive in Sozialen Medien: Kritik an Putin unter Bloggern wächst

Möglicherweise hat sich dieser politische Kniff aber inzwischen abgenutzt. „Die Haltung der Russen gegenüber Putin könnte sich ändern“, hatte vor rund vier Wochen die New York Times (NYT) behauptet. Ende August hatten Meinungsforscher veröffentlicht, dass in wichtigen Regionen Russlands die Missstimmung gegen Wladimir Putin steige – auf der Basis von Daten in Sozialen Medien. Selbst die Propaganda des Kreml über die Mainstream-Kanäle könne da kaum gegensteuern, hatte das in den USA ansässige Analyse-Unternehmen FilterLabs AI behauptet.

FilterLabs habe laut eigener Aussage festgestellt, dass die Zustimmung gegenüber Putin sinke; sowohl in den sozialen Medien –darunter Plattformen wie Social Media, Messaging-Apps, Online-Foren und Kommentarbereiche für Nachrichten – als auch in der Mainstream-Presse. Spätestens seit dem Eindringen ukrainischer Truppen auf dem russischen Territorium habe sich demnach die Stimmung in der Bevölkerung verschlechtert; so geografisch wie militärisch oder strategisch nichtig der von der Ukraine besetzte Zipfel Russlands auch sein mag.

Zahlen belegen: Putins Nimbus bröckelt da, wo er Soldaten rekrutiert und Panzer produziert

FilterLabs hat eine Missstimmung gegenüber Putin festgestellt gerade in den Regionen, „die das russische Verteidigungsministerium für die Rekrutierung von Zeitsoldaten ins Visier genommen hat“, wie die Analysten schreiben. Mit dem Vormarsch der Ukraine nach Russland hinein habe Putins Nimbus einen gehörigen Kratzer erhalten. FilterLabs hat auch Missmut festgestellt in Regionen, die für die Rüstungsproduktion entscheidend sind.

Fakt scheint demnach zu sein, dass Putins Arm kürzer ist als vielleicht vermutet. FilterLabs kommt zu der Überzeugung, dass die Kontrolle der Mainstream-Medien aus Moskau heraus noch leidlich funktioniere. „Außerhalb der nationalen Nachrichten und der Hauptstadt ist es jedoch angesichts wirtschaftlicher und anderer Herausforderungen schwieriger, den Abwärtstrend der Stimmung in den Nachrichtenagenturen zu kontrollieren“, schreibt FilterLab.

„Putins Reaktion auf den Übergriff der Ukraine wurde im besten Fall als unzureichend und im schlimmsten Fall als beleidigend empfunden“, sagte Jonathan Teubner, der Geschäftsführer von FilterLabs, wie die NYT berichtet. Teubners Analysen sind die eine Seite der Medaille im Für und Wider der Diskussion ob der Stabilität des Systems Putin. „Es ist derzeit schwierig, die Wirkung der ukrainischen Gegenoffensive einzuschätzen“, sagte Teubner laut der NYT. „Aber es ist klar, dass sie schockierend und für Putin peinlich ist. Kreml-Propaganda, Manipulation und Ablenkungsmanöver können angesichts der schlechten Nachrichten, die in ganz Russland breit diskutiert werden, nur begrenzt etwas bewirken“, führt er aus.

Kursk als Wendepunkt: Russland will scheinbar endlich zur Ruhe kommen

Damit hätte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erreicht, was er gegenüber der freien Welt als Ziel der ukrainischen Offensive in Richtung Moskau ausgegeben hatte – mit all den Verlusten auf beiden Seiten, die damit ihren politischen Wert erhielten. Allerdings bleibt fraglich, ob der Countdown der putinschen Diktatur tatsächlich läuft, oder ob der Potentat das Leiden der kämpfenden Kräfte oder der zivilen Bevölkerung ins Unendliche wird verlängern können.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

In Russland herrsche im Allgemeinen eine bunte Mischung aus Angst und dem Wunsch, das Leben auf unterschiedliche Weise zu normalisieren, wie der russische Meinungsforscher Waleri Fjodorow gesagt hat. Demnach wolle der Russe vielleicht tatsächlich die Auseinandersetzung mit der Ukraine gewinnen, aber er wolle auch sein eigenes Leben vom Weltgeschehen abstrahieren, formuliert Fjodorow gegenüber RBC. Gleichzeitig beobachte er Anpassungsprozesse: Auch wer nicht aktiv kämpfe, habe eventuell Angehörige an der Front; womit der Krieg näher an das eigene Leben heranreiche und entsprechende Gefühle und dann letztendlich Stimmungen provoziere.

Und die Hauptstadt Moskau sei ohnehin ein Kosmos für sich – da sei der Krieg noch viel abstrakter spürbar als beispielsweise in Kursk. Dennoch registriere die Bevölkerung, dass jeder Tag Überraschungen bringen könnte – beispielsweise einen Drohnen-Angriff auf den Kreml, wie Fjodorow sagt. „Die meisten sind überzeugt, dass wir nicht angefangen haben und dass wir uns eher gegen den kollektiven Westen verteidigen, als ihn anzugreifen.“

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