Von Ramstein-Miete bis Tech-Stopp

Vergeltung für Trumps Zölle: So könnte die EU den USA im Grönland-Streit Paroli bieten

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Die EU formiert sich gegen Trumps Zölle im Grönland-Streit. Klingbeil nennt mehrere Möglichkeiten. Die Opposition findet hingegen deutliche Worte für die Merz-Regierung.

Berlin/Washington, D.C. – Nach Trumps Drohung, zusätzliche Zölle gegen acht NATO-Verbündete zu verhängen, die sich einer US-Übernahme Grönlands widersetzen, zeichnet sich in Europa ein Wandel der Tonlage ab. Vizekanzler Lars Klingbeil kündigte am Montag in Berlin konkrete Gegenmaßnahmen an: „Wir lassen uns nicht erpressen. Es wird eine geschlossene, eine deutliche Antwort Europas geben und wir bereiten jetzt mit unseren europäischen Partnern geschlossene Gegenmaßnahmen vor“, erklärte der SPD-Politiker.

Botschaft an Washington: Viele Grönländer gehen auf die Straße, um gegen eine Übernahme der USA zu protestieren.

Die betroffenen Länder – neben Deutschland sind dies Großbritannien, Dänemark, Frankreich, Finnland, die Niederlande, Norwegen und Schweden – scheinen sich darauf zu verständigen, dass eine Antwort erforderlich ist. Schwedischer Ministerpräsident Ulf Kristersson stellte laut Guardian klar: „Wir lassen uns nicht erpressen.“ Mehrere Verbündete, darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland, veröffentlichten gemeinsam mit Dänemark eine Erklärung, die vor einer „gefährlichen Abwärtsspirale“ warnt und verspricht, „vereint und koordiniert“ zu antworten, wie es unter anderem bei Reuters heißt.

EU gegen Trumps Zölle – Mögliche Vergeltung im Grönland-Streit

Diese Koordination gegen Trumps Zölle im Gröndland-Streit zeigte bereits erste konkrete Ergebnisse: EU-Botschafter erreichten am Sonntag eine grundsätzliche Einigung, die Bemühungen zu intensivieren, Trump von der Zollerhebung abzubringen, während gleichzeitig Vergeltungsmaßnahmen vorbereitet werden. Im Zentrum steht die Reaktivierung eines bereits ausgearbeiteten Vergeltungspakets im Wert von 93 Milliarden Euro gegen US-Waren. Dieses Paket war ursprünglich als Antwort auf Trumps frühere Handelskriegsdrohungen entwickelt worden, wurde aber nach dem Handelsabkommen vom Sommer 2025 ausgesetzt.

Klingbeil skizzierte drei konkrete Reaktionsoptionen, wie die EU mit Trumps Zöllen umgehen könnte: Die bisherige Zolleinigung, die es mit den USA gebe und die in dieser Woche im Europäischen Parlament verabschiedet werden sollte, liege auf Eis. Das Zweite sei, dass es ausgesetzte EU-Zölle auf Importe aus den USA gebe – diese könnten in Kraft treten. Dazu gebe es einen europäischen Instrumentenkasten, mit dem die EU auf wirtschaftliche Erpressungen mit „sehr empfindlichen Maßnahmen“ reagieren könne. Die EU solle den Einsatz dieser Maßnahmen jetzt prüfen. Klingbeil sagte, er habe kein Interesse an einer Eskalation. „Wir sind bereit, Lösungen zu finden. Unsere Hand ist ausgestreckt, aber wir sind nicht bereit, uns erpressen zu lassen.“ Die Grenze sei erreicht. 

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Grönland
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf. So ließ Außenminister William Seward im Jahr 1868 einen „Bericht über die Ressourcen Islands und Grönlands“ erstellen. Es gebe dort Rohstoffvorkommen, die für die USA von Nutzen sein könnten, hieß es damals. Kurz zuvor hatte Seward bereits den erfolgreichen Kauf Alaskas vom russischen Zarenreich organisiert und wollte die Expansionspolitik fortsetzen. © Odd Andersen/AFP
Grönland
Der erste konkrete Kaufversuch scheiterte nicht an Dänemark, sondern am US-Kongress selbst. Dänemark hatte dem Verkauf Grönlands zugestimmt, doch der amerikanische Kongress wollte nicht schon wieder hohe Summen für nahezu unbewohnte „Eisregionen“ ausgeben. Die Abgeordneten waren nach dem teuren Alaska-Kauf skeptisch gegenüber weiteren kostspieligen Territorialerwerbungen in unwirtlichen Gebieten. © Odd Andersen/AFP
Expeditionen nach Grönland
Zwischen 1853 und 1909 führten die USA systematisch wissenschaftliche Expeditionen nach Nordgrönland durch, das damals noch staatsrechtliches Niemandsland war. Forscher wie Elisha Kent Kane, Isaac Israel Hayes und Robert Edwin Peary (dessen Basislager der Expedition von 1909 im Bild zu sehen ist) erkundeten das von den Inughuit bewohnte Gebiet und lieferten sich spektakuläre Wettläufe um die Erreichung des Nordpols. Diese Expeditionen legten den Grundstein für spätere amerikanische Gebietsansprüche. © Imago
Dänisch Westindien
1916/17 gelang den USA ein diplomatischer Schachzug: Dänemark verkaufte seine Kolonie Dänisch-Westindien in der Karibik an die Vereinigten Staaten, die daraufhin im Gegenzug die dänische Oberhoheit über ganz Grönland anerkannten. Dieser Handel war strategisch wichtig, da Dänemark bis dahin nur die grönländische Westküste kolonisiert hatte und Nord- sowie Ostgrönland Niemandsland gewesen waren. © Imago
Dänemark im Jahr 1940
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 flammte das US-Interesse an Grönland erneut auf. Washington befürchtete, Nazi-Deutschland könnte die gewaltige Insel unter seine Kontrolle bringen und damit eine strategische Bedrohung für Nordamerika darstellen. Grönland war durch die britische Seeherrschaft von dem besetzten Dänemark abgeschnitten. © Imago
Grönland
Der dänische Gesandte Henrik Kauffmann handelte am 9. April 1941 eigenmächtig einen Vertrag mit den USA aus, der die Errichtung amerikanischer Militärbasen in Grönland genehmigte. Kauffmann erklärte, dass er keine Weisungen aus dem deutsch besetzten Kopenhagen mehr entgegennehmen werde und sich zum alleinigen Vertreter der dänischen Interessen für Grönland erkläre. Diese „Entscheidung ebnete den Weg für die amerikanische Militarisierung Grönlands, die seither aufrechterhalten wurde.“ © Odd Andersen/AFP
Rostiges Fahrzeug ehemaliger US Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg Ikatek Grönland
Bis Kriegsende waren knapp 6000 US-Militärs auf vier Marine- und 13 Armeestützpunkten auf Grönland stationiert (im Bild: der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg, Ikatek). Die Insel diente vor allem als Basis für atlantiküberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und wurde als Auftankstation für eigene Seemissionen genutzt. 1941 wurde zudem die Sirius-Schlittenpatrouille gegründet, um deutsche Versuche zur Errichtung von Wetterstationen der Wehrmacht in der Arktis zu verhindern. © Egmont Strigl/Imago
Harry Truman unterzeichnet NATO-Vertrag 1949
Nach dem Krieg wollte Dänemark die amerikanische Militärpräsenz auf der Insel wieder rückgängig machen, doch ohne Erfolg. US-Präsident Harry Truman (hier bei der Unterzeichnung des NATO-Pakts 1949) schlug Kopenhagen drei Optionen vor: entweder das Abkommen von 1941 fortzusetzen, die US-Stützpunkte für 99 Jahre zu leasen oder Grönland für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Die dänische Antwort war eindeutig: „Absurd.“ © Imago
Frederik IX
„Wir verkaufen nicht!“ – Diese klare Absage stammte vom dänischen König Frederik IX (hier ein Gedenkstein in Nuuk) im Jahr 1960, nachdem US-Präsident Eisenhower wiederholt die Absicht geäußert hatte, Grönland von Dänemark kaufen zu wollen. 65 Jahre später sind die Aussagen Dänemarks und der USA zum gleichen Thema nahezu identisch, auch an den Motiven Washingtons hat sich im Wesentlichen nichts geändert. © Imago
Thule Air Base in Grönland
1951 gelang es den USA dennoch, ein Abkommen auszuhandeln, das ihnen gewährte, Grönland weiterhin militärisch zu nutzen, wenn sie dafür die Verteidigung Grönlands übernahmen. In diesem Jahr wurde die Thule Air Base als wichtigster militärischer Stützpunkt in Grönland errichtet. Bis 1958 nutzten die USA den Flughafen Narsarsuaq und bis 1992 den Flughafen Kangerlussuaq als Militärbasen. © Imago
Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
Die amerikanische Militärpräsenz führte zu schweren diplomatischen Krisen und Problemen. Zu den bedeutendsten gehörten die Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner von Uummannaq direkt neben der Thule Air Base nach Qaanaaq im Jahr 1953 und der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968 (im Bild). Mit diesem Vorfall musste Dänemark anerkennen, dass die USA heimlich Atomwaffen in Grönland lagerten. © Imago
Grönland
Nach Ende des Kalten Kriegs verminderten die USA ihre militärischen Aktivitäten und zogen sich 1991 aus Kangerlussuaq (im Bild) und Kulusuk zurück. Jedes Mal hinterließen sie das Gebiet mit Schrott verunreinigt und häufig mit umweltschädlichen Stoffen verseucht, weigerten sich aber dafür zu haften. Dänemark erklärte sich bereit, die Verantwortung für das Aufräumen zu übernehmen. © Sergi Reboredo/Imago
Colin Powell, Per Stig Møller und Josef Motzfeldt
2004 wurde das sogenannte Igaliku-Abkommen von den Außenministern Colin Powell (USA, rechts), Per Stig Møller (Dänemark, links) und Josef Motzfeldt (Grönland, Mitte) unterzeichnet. Die USA verpflichteten sich zur Zusammenarbeit für den Umweltschutz und Grönland erhielt mehrere entwicklungsmäßige und finanzielle Vorteile von den USA. Das Abkommen wurde im Heimatort des grönländischen Außenministers geschlossen. © AFP
Klimawandel in Grönland
Das schmelzende Polareis verschärft die strategische Bedeutung Grönlands dramatisch. Die Arktis erwärmt sich laut einer Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik viermal so stark wie im globalen Durchschnitt. Das zurückgehende Meereis öffnet neue Seewege zwischen Asien und Europa und macht Lagerstätten von Rohstoffen an Land und auf dem Meeresboden besser zugänglich. © Jason Briner/dpa
Grönland
In der Arktis werden in Gebieten, die durch die Klimakrise zugänglich werden, riesige Mengen an unentdeckten Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet. Diese beiden Faktoren - Kontrolle der neuen Seewege in der Arktis und Zugang zu den immensen Rohstoffvorkommen - sind die wesentlichen Gründe für den jetzigen, erneuten Vorstoß der USA, sich Grönland „anzueignen.“ © Steffen Trumpf/dpa
Anti-Trump-Demo in Kopenhagen 2019
Donald Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit 2019 ein „gieriges Auge“ auf Grönland geworfen und einen Kauf der Insel ins Gespräch gebracht. Seine Begründung: Man benötige die strategisch gelegene Insel für die „nationale Sicherheit“ der USA. In Kopenhagen kam es deswegen schon damals zu Demonstrationen.  © Niels Christian Vilmann/Imago
Grönland und Trump
Doch so unverhohlen wie jetzt hatte Trump noch nie gedroht, Grönland „haben“ zu wollen. Trump verweist auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis-Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. Sogar eine militärische Intervention schließt er nicht aus. Die große Mehrheit der rund 57.000 auf der Insel lebenden Menschen wollen dagegen mit den USA nichts zu tun haben: Grönland stehe nicht zum Verkauf, hieß es bei einer Demonstration im März 2025. © Christian Klindt Soelbeck/dpa
Vance in Grönland
Ende März 2025 reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Grönland. Dort äußerte er vor den stationierten US-Soldaten scharfe Kritik am NATO-Verbündeten Dänemark, zu dem die riesige Eisinsel gehört. Das Land tue angesichts der Bedrohungen durch Russland und China zu wenig für die Sicherheit Grönlands, sagte Vance auf die US-Militärstützpunkt Pituffik im abgeschiedenen Norden Grönlands.  © Jim Watson/AFP
Die Frau von Trump-Berater Stephen Miller zündelt.
Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller stellte in einem CNN-Interview sogar infrage, ob Grönland rechtmäßig zum NATO-Partner Dänemark gehöre. „Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland?“, fragte Miller provokativ. Ein Social Media Post seiner Ehefrau Katie Miller zeigte eine Karte von Grönland in US-amerikanischen Farben. © Screenshot X
Grönland-Konflikt
In der EU und in der NATO hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Donald Trump meint es ernst mit seinen Grönland-Ambitionen. Europas Spitzenpolitiker reagieren mit klaren Worten auf Trumps Forderungen. Deutschland und weitere Länder stellen sich nach Trumps Drohungen demonstrativ hinter Grönland und Dänemark. Erst im September 2025 hatten dänische Streitkräfte mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen Staaten an einer NATO-Übung auf Gönland teilgenommen (im Bild). © Ebrahim Noroozi/dpa
Mette Frederiksen und Donald Trump
Dänemark hat Trumps Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. © Christian Hartmann/AFP
Thule, Grönland
Mehrere NATO-Bündnisstaaten haben sich zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen – auch Deutschland. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den USA das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. © Imago
US-Militärbasis Pituffik Space Base in Grönland
Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Dieser Stützpunkt unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Dänemark hat grundsätzlich nichts gegen eine verstärkte US-Militärpräsenz auf der Insel, solange die Souveränität respektiert wird. Die dänischen Streitkräfte sind hauptsächlich über das Arktische Kommando in Nuuk auf der Insel präsent. © Thomas Traasdahl/dpa
Grönland
Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Tatsächlich ist der Fall, dass ein NATO-Land das andere überfällt, in den Statuten der Allianz nicht vorgesehen – der Feind kommt traditionell immer von außen. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Alpenglühen in Alaska
Trump hat im Streit um Grönland aber auch immer von einem „Erwerb“ gesprochen. Der Kauf zusätzlichen Territoriums ist in der US-Geschichte kein Novum. In der Vergangenheit haben die USA für bestimmte Gebietserweiterungen immer wieder Geld in die Hand genommen. Dazu zählt beispielsweise auch Alaska (im Bild), das die damalige US-Regierung im Jahr 1867 für einen Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar von Russland erwarb.  © Al Grillo/dpa

Als drastischste Option diskutiert die EU den Einsatz ihres sogenannten Anti-Zwangs-Instruments. Diese „Handels-Bazooka“ könnte den Zugang zum europäischen Binnenmarkt komplett abschneiden und gezielt gegen große amerikanische Technologieunternehmen oder andere Dienstleister eingesetzt werden, die umfangreiche Geschäfte auf dem Kontinent betreiben.

Reaktion auf Trump-Zölle: EU erwägt symbolträchtige Maßnahmen

Besonders Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängt seine EU-Kollegen aktiv dazu, das Anti-Zwangs-Instrument wegen Trumps Drohungen im Grönland-Streit zu aktivieren, obwohl Frankreich in der Vergangenheit davor zurückschreckte, als Trump mit Vergeltung drohte. Als bewährte EU-Taktik gelten gezielte Zölle auf symbolträchtige US-Exporte wie Bourbon aus Kentucky, um gezielt Trumps Wählerbasis zu treffen.

Neben handelspolitischen Instrumenten diskutiert Europa der Times zufolge auch unkonventionellere Hebel. Während radikalere Optionen im Gespräch sind, sehen Berliner Beamte einen kompletten Rauswurf der US-Streitkräfte aus Militärbasen in Europa skeptisch. Laut The Economist erwägt die EU jedoch tatsächlich, amerikanische Militärstützpunkte in Europa als Druckmittel zu nutzen. Einrichtungen wie die Ramstein Air Base in Deutschland sind von entscheidender Bedeutung für die Projektion amerikanischer Militärmacht nach Afrika und in den Nahen Osten. Als wahrscheinliches Mittel der Wahl gilt eine deutliche Erhöhung der Miete für diese Einrichtungen.

Kampf gegen Trumps Zölle im Grönland-Streit: Technologiesektor als Hebel

Parallel zur militärischen Dimension verfügt die EU auch im Technologiesektor über mächtige Hebel, die im Streit mit Trump vor dem Hintergrund der Grönland-Debatte genutzt werden könnten. Brüssel hat bereits aggressiver gehandelt, etwa durch eine Geldstrafe von 120 Millionen Euro gegen X, Elon Musks Social-Media-Plattform, wegen verschiedener Verstöße gegen das Digitale-Dienste-Gesetz, wie etwa die New York Times schreibt. Das Anti-Zwangs-Instrument könnte gezielt gegen Dienstleister wie große amerikanische Technologieunternehmen eingesetzt werden und Beschränkungen für Unternehmen verhängen, die umfangreiche Geschäfte auf dem Kontinent betreiben.

Die womöglich schärfste Waffe im europäischen Arsenal betrifft jedoch den Energiesektor. Die EU kauft etwa die Hälfte des verflüssigten Erdgases und Rohöls, das die USA exportieren. Zölle auf diese Brennstoffe würden der amerikanischen Energieindustrie schweren Schaden zufügen, aber auch Deutschland und andere Mitgliedstaaten kurzfristig hart treffen, wie Reuters unter anderem schreibt. Die Vergeltungsmaßnahmen werden ausgearbeitet, um europäischen Führern Verhandlungsmacht bei entscheidenden Treffen mit Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos zu geben.

Kritik an Bundesregierung im US-Zoll-Streit – „zu lange am Rockzipfel der USA“

In der deutschen Regierungskoalition aus Union und SPD zeigen sich unterschiedliche Ansätze. Während Klingbeil eine harte Linie vertritt, mahnte CDU-Fraktionschef Jens Spahn eine „besonnene Antwort“ an. Zwar müsse man „klar und deutlich“ mit den USA reden, aber keine Seite habe etwas davon, „wenn wir eskalieren“. Es gebe viele gemeinsame Sicherheitsinteressen mit den USA, etwa bezüglich der Ukraine. „Wir brauchen einander und das sollten wir uns in den Gesprächen immer wieder deutlich machen.“

Gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media der BSW-Bundesvorsitzende, Fabio De Masi: „Die deutsche Politik hing viel zu lange am Rockzipfel der USA. Die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen muss sofort aufgekündigt werden. Nord Stream sollte – eingebettet in einen Waffenstillstand – wieder in Betrieb genommen werden.“ Dies würde die Abhängigkeit von Trumps Fracking-Gas reduzieren, so der Politiker. „Zudem sollten wir Profite von US-Big-Tech-Konzernen in Europa stärker besteuern und mit der Kündigung von US-Militärbasen drohen. Bei Gegenzöllen fehlt uns ein Hebel, da die europäische Wirtschaft unter hohen Energiepreisen leidet“

Die Grünen griffen die Regierung ebenfalls deutlich wegen der Reaktion auf Trump scharf an. Fraktionschefin Katharina Dröge kritisierte: „Unser Eindruck ist, dass insbesondere die CDU in der Bundesregierung hier hart mit sich selbst ringt und auf der Suche ist nach einem Kurs – und dass sie diesen Kurs aktuell nicht mehr finden.“ Trump spreche inzwischen offen aus, „dass so etwas wie ein internationales Recht für ihn nicht existiert, sondern allein seine eigenen Entscheidungen für ihn der Kompass des Handels sind“. (Quellen: dpa, Times, The Economist, Reuters, Guardian, eine Stimmen) (fbu)

Rubriklistenbild: © Alessandro RAMPAZZO / AFP

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