Anti-U-Boot-Raketen und Schiffstürme

Schwere Verluste in der Ukraine: Russland schustert „Frankenstein-Panzer“ skurril zusammen

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Ein modifizierter MT-LB mit zusätzlich montiertem A-22-Ogon-Raketenwerfer. Russland baut seine Panzer im Ukraine-Krieg teils derartig um.
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Russland verliert im Ukraine-Krieg tausende Panzer. Die russischen Soldaten basteln auf ihre Militär-Gefährte teils Waffensysteme, die eigentlich einen völlig anderen Zweck haben.

Donbass - Russland und seine Panzer: Im Ukraine-Krieg gehen sie in großer Zahl verloren, genauso wie Artilleriegeschütze oder LKW zum Transport von Munition.

Erneut „Frankenstein-Panzer“ der russischen Armee gesichtet

Während 276.990 russische Soldaten getötet oder verwundet wurden, hat die russische Armee laut des Generalstabs in Kiew bei ihrem völkerrechtswidrigen Angriff auf das Nachbarland angeblich schon 4675 Kampf- und Schützenpanzer (Stand 27. September) eingebüßt.

Weswegen Moskau jetzt wohl sogar neue, alte T-80-Panzer bauen lässt. Auf dem Schlachtfeld selbst werden derweil immer häufiger sogenannte „Frankenstein-Panzer“ gesichtet. Dabei handelt es sich um Gefährte, auf denen notdürftig und teils völlig skurril Waffensysteme anderer Waffengattungen installiert wurden.

Die neuesten Beispiele: Auf zwei russischen MT-LB wurden laut dem ukrainischen Militärblog „Ukrainian Front“ Raketenwerfer vom Typ A-22 „Ogon“ montiert, die üblicherweise vorne auf den riesigen Landungsbooten der Pomornik-Klasse stehen und die Bodentruppen bei deren Anlandung decken sollen.

Ukraine-Krieg: Russische Armee montiert auf MT-LB-Transporter Wasserbombenwerfer

Zudem sind Fotos von einem MT-LB mit einem aufmontierten Raketenwerfer aufgetaucht, der eigentlich auf Kriegsschiffen zur Jagd auf U-Boote eingesetzt wird. Eigentlich. Es handelt sich dabei offenbar um einen russischen Wasserbombenwerfer vom Typ RBU-6000 aus den 1960er Jahren. Dieser besteht aus zwölf Werferrohren im Kaliber 213 mm, die hufeisenförmig nebeneinander angebracht sind.

Verschossen werden in der Regel ungelenkte RGB-60-Wasserbomben, was die Treffergenauigkeit stark einschränkt. Auf den Kriegsschiffen, auf denen der Wasserbombenwerfer normalerweise zum Einsatz kommt, werden deshalb mehrere Granaten gleichzeitig abgefeuert. Ob die russische Armee das bei ihrem Angriffskrieg in der Ukraine an Land genauso handhabt, ist nicht überliefert.

Russischer Truppentransporter MT-LB: In der Ukraine Plattform für Schiffsgeschütz

Auffällig ist dagegen, dass der gepanzerte, amphibische Truppentransporter MT-LB in den meisten Fällen als Plattform für das jeweilige Waffensystem dient. Nicht zuletzt hat die Karosserie ein durchgängig flaches Dach, das sich wohl zur Montage eignet. Kurios: Fotos zufolge hatten die Russen auf ein weiteres MT-LB sogar einen Geschützturm 2M-3 montiert, der ansonsten für die Luftverteidigung auf Schiffen vorgesehen ist.

Ukraine-Krieg: Russische Streitkräfte haben tausende MT-LB vorrätig

Warum der MT-LB? Die russische Armee hat diesen in großer Zahl vorrätig. Laut Erhebungen von The International Institute for Strategic Studies (IISS) waren noch im Januar 2018 etwa 3500 MT-LB im Besitz des russischen Heeres, der Marineinfanterie standen demnach zum selben Zeitpunkt rund 300 Exemplare zur Verfügung. Weil der Truppentransporter auf Ketten einen vergleichsweise simplen Dieselmotor vom Typ JaMS-238 hat, lässt er sich zudem leichter waren.

Aber: Auch der MT-LB hat einen großen Nachteil, der sich bei vielen russischen Panzerfahrzeugen beobachten lässt, während etwa die ukrainischen Soldaten umgekehrt die Leopard-2-Kampfpanzer mit Blick auf ihren Schutz loben. Denn: Die Sicherheit der Besatzung ist bei der Konstruktion wohl nur nachrangig beachtet worden. So hat der MT-LB eine Panzerung von gerade mal drei bis zehn Millimetern, die zudem weitgehend aus Aluminium und nicht aus dem härteren Stahl besteht. Entsprechend anfällig ist das Gefährt für Panzerabwehrlenkwaffen. (pm)

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