Gehen Putin die Panzer aus?

Video aufgetaucht: Wegen hoher Panzer-Verluste – Russland plant neue Produktion

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Schwerer Kampfpanzer der russischen Armee: der T-80 bei einer Übung.
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Weil Moskaus Panzer reihenweise auf dem ukrainischen Schlachtfeld zurückbleiben, fährt Russland offenbar die Produktion eines alten Modells wieder hoch. Ein Video zeigt einen ersten Schritt dazu.

Kaluga - Die Verluste Russlands im Ukraine-Krieg bleiben immens hoch, während die Offensive Kiews zumindest im Süden des Landes rund 13 Kilometer südlich von Orichiw in der Oblast Saporischschja vorankommt. Laut ukrainischem Generalstab hat die russische Armee im Angriffskrieg von Kreml-Machthaber Wladimir Putin Stand 27. September bereits 4675 Panzer verloren.

Hohe Verluste im Ukraine-Krieg: Russland fährt Produktion von T-80-Panzern wieder hoch

Darunter sollen laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes neben vielen Schützenpanzern mehr als 2000 Kampfpanzer sein, von denen Moskau bei Beginn der völkerrechtswidrigen Invasion am 24. Februar 2022 angeblich rund 3000 einsatzbereit hatte. Gehen Putin allmählich die verfügbaren Panzer aus?

Russland will nun wohl die Produktion der alten T-80-Panzer wieder hochfahren. Das schreibt Forbes und verweist auf ein Video, das bei X (vormals Twitter) kursiert und die aktuelle Fabrikation einer Gasturbine für den T-80 zeigen soll. Ferner habe Alexander Potapov, CEO des russischen Rüstungskonzerns Uralwagonsawod, Mitte September angekündigt, dass sein Unternehmen die Produktion der 46 Tonnen schweren T-80 „von Grund auf“ wieder aufnehmen werde.

Das genannte Video zeigt Arbeiter der Kaluga-Turbine-Anlage in der gleichnamigen Stadt Kaluga, knapp 190 Kilometer südwestlich von Moskau gelegen. Die Arbeiter gießen dabei in vorgefertigten Rahmen Stahl, um aus den gegossenen Einzelteilen die Gasturbine zusammenbauen zu können. Das Ziel bestehe offenbar darin, eine neue 1500-PS-Turbine zu bauen, berichtet Forbes.

T-80-Panzer Russlands: Wohl neue Gasturbine für mehr Geschwindigkeit und Reichweite

Das würde wohl nicht nur die ohnehin vergleichsweise hohe Geschwindigkeit des Panzers mit 45 km/h im Gelände und bis zu 70 km/h auf der Straße nochmal steigern. Sondern vor allem auch die Reichweite erhöhen, was eine große Schwachstelle des T-80 darstellt. Denn: Mit der 1250-PS-Gasturbine der bisher „neuesten“ Version von Anfang der 1990er Jahre, dem T-80U, kommt die Drei-Mann-Besatzung maximal 335 Kilometer weit. Das ist nicht viel.

Im Gelände und beim Kampf fährt man schließlich nicht geradewegs über eine Straße, sondern im Zick-Zack-Kurs. Der Rückzug zur Basis oder zum Unterstand im Hinterland der ersten Frontlinie muss ebenfalls eingeplant werden. Weswegen an den T-80 zum Ende der Sowjetunion zusätzliche Treibstofftanks am Heck des Turms angebracht wurden, um die Reichweite auf 600 Kilometer zu erhöhen. Aber: Deren warme Abgase lassen sich mit Wärmebildsensoren, die zum Beispiel die gelieferten Leopard-2-Panzer für die Ukraine installiert haben, aus mehreren Kilometern Entfernung erkennen. Was freilich einen Nachteil im Gefecht bedeutet.

„Die Arbeiten im Kaluga-Turbinenwerk sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Russen es mit dem Bau neuer Panzer ernst meinen“, kommentiert Forbes das Video aus dem Tweet (siehe oben), in dem zudem angeblich fertige Turbinen zu sehen sind. Dennoch dürfte es mit dem Bau der neuen, alten Panzer nicht schnell gehen. Denn: Die Fabrik in der Großstadt (rund 340.000 Einwohner) am Fluss Oka hatte zuvor 30 Jahre lang keine entsprechenden Turbinen mehr gebaut, heißt es in dem Bericht. Das Personal muss gegebenenfalls erst darin geschult werden.

Russlands Panzer im Ukraine-Krieg: Neue T-80 sollen hohe Verluste kompensieren

Und: Die Panzer müssen letztlich bei Uralwagonsawod im von Kaluga über 2000 Kilometer entfernten Nischni Tagil zusammengebaut werden. Hierhin müssen reihenweise Zulieferer Einzelteile für den Panzer liefern. Auch sie müssen ihre Produktion teils wohl erst wieder hochfahren oder anpassen, sollten die Montage-Elemente nicht denen des aktuell produzierten T-90M entsprechend, der für russische Besatzungen schon mal selbst zur Gefahr wird.

Auch von den vergleichsweise modernen T-90M blieben laut ukrainischer Drohnen-Videos etliche auf dem Schlachtfeld zurück. Erhebungen der Südwest Presse zufolge wurden einzig zwischen Februar 2022 und April diesen Jahres 25 russische T-90A und fünf russische T-90M zerstört oder erbeutet. Nachschub ist also von Nöten. Für die russische Invasion in der Ukraine lässt Putins Machtapparat nun offenbar alte Panzer modifiziert neubauen. Während Russlands Soldaten ihre Panzer teils sogar mit Baumstämmen zum Schutz gegen Panzerabwehrlenkwaffen versehen. Und die Verluste dennoch steigen und steigen. (pm)

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