VonJulian Baumannschließen
Boris Palmer hat seine Aussagen über Friedrich Merz und Robert Habeck in einem Interview verteidigt. Nach eigenen Aussagen hatte er im Nachgang „jede Menge unflätige Mails“ erhalten.
Tübingen - Spätestens seit der offiziellen Auflösung des Bundestages durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) Ende Dezember ist der Wahlkampf für die Neuwahlen am 23. Februar in vollem Gange. Während CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz aktuell wegen eines Vorstoßes für die Ausbürgerung von Straftätern Schlagzeilen erzeugt, musste eine Wahlkampfaktion für Robert Habeck (Kanzlerkandidat der Grünen) auf dem Siegestor in München sogar von der Polizei beendet werden. In einem Interview wurde jüngst auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) zu den Kandidaten befragt.
In dem besagten Interview mit der Schwäbischen Zeitung wurde Boris Palmer die Frage gestellt, ob er schon einmal daran gedacht habe, sein Kreuz bei der Bundestagswahl bei einer anderen Partei als den Grünen – seiner ehemaligen Partei – zu setzen. Daraufhin sprach sich Palmer für CDU-Chef Merz als Bundeskanzler aus, mit Habeck an der Seite. Diese Aussagen brachten dem Rathauschef „jede Menge unflätige Mails“ ein, wie er auf seinem Facebook-Profil erklärt. Von seiner Meinung rückt Palmer aber nicht ab.
Boris Palmer sieht keine Alternative zu Merz – „Scholz etwa? Der ist für mich echt durch“
In Bezug auf seine Aussagen zu Friedrich Merz und Robert Habeck ist Boris Palmer offenbar zwischen die Fronten geraten. „Die einen erklären mir, ich sei ein Idiot, weil ich Friedrich Merz mit einem klaren Auftrag für Reformen als Bundeskanzler sehen will“, erklärt er auf Facebook. „Die anderen teilen mir mit, dass sie mich ab sofort für einen Volldepp halten, weil ich will, dass Robert Habeck als Minister den Klimaschutz weiter voranbringt.“ Allerdings sieht der ehemalige Grünen-Politiker auch keine großen Alternativen zu seinen Aussagen.
Konkret hatte Boris Palmer in dem Interview gesagt, dass Friedrich Merz eine Chance bekommen sollte, eine Agenda 2030 umzusetzen und Robert Habeck sollte dafür sorgen können, dass die Klimaschutzpolitik dabei nicht eingestampft wird. „Ja liebe Leute, wer soll den Kanzler werden, wenn nicht Merz?“, verteidigt er seine Position. „Scholz etwa? Der ist für mich echt durch.“ Und auch bei der Frage, mit wem Merz dann regieren solle, sieht Palmer keine andere Option. „Jaja, klar, mit der AfD, vergesst es einfach“, macht er deutlich. „Das wird nicht passieren.“
Boris Palmer sieht schwarz-grüne Koalition als beste Option, die bei den Neuwahlen entstehen kann
Eben deshalb sei eine schwarz-grüne Koalition zum einen die realistischste und zum anderen die beste Option, die bei der Wahl noch entstehen könne. Alt-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich bereits für die Möglichkeit einer schwarz-grünen Koalition im Bund ausgesprochen und dabei unter anderem die Landesregierung von Baden-Württemberg als Beispiel herangezogen. Dort reagieren die beiden Parteien bereits seit einigen Jahren erfolgreich zusammen. „Es ist immer leicht, alle zu Deppen zu erklären, wenn man nicht sagen muss, wie es gehen soll“, schreibt Palmer.
Von seiner Meinung weicht der Oberbürgermeister der schwäbischen Studentenstadt deshalb auch nach den unflätigen E-Mails nicht ab. „Everybody‘s Darling is everybody‘s Depp“, erklärt er. „Dazu will ich nicht werden. Ich stehe zu meiner Meinung.“ Zuletzt hatte Boris Palmer mit einem extremen historischen Vergleich für Aufregung gesorgt.
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