Bundeswehr

„Haben fünf bis acht Jahre“: Verteidigungsminister Pistorius warnt vor Angriff von Kreml-Chef Putin

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Deutschland hat Nachholbedarf in der Verteidigung von potenziellen Angriffen, erklärt Verteidigungsminister Boris Pistorius. Industrie und Wehrpflicht stehen zur Diskussion.

Berlin – Mit dem Ukraine-Krieg wurde die Rüstungsindustrie und die Bundeswehr in ein anderes Licht gerückt. Wie die deutsche Verteidigung in Zukunft aussehen soll, wird debattiert. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) lässt vermuten: Vom Kreml geht auch in den kommenden Jahren Gefahr für Europa aus.

„Haben fünf bis acht Jahre“: Deutschland hat Nachholbedarf in Rüstungsindustrie

„Wir Europäer müssen unser Engagement hochfahren, um die Sicherheit auf unserem Kontinent zu gewährleisten“, erklärte Pistorius in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Grund dafür ist die bisherige Rolle der USA, die bald wegfallen könnte. Unabhängig vom nächsten US-Präsident müsse damit gerechnet werden, dass sie ihre militärische Unterstützung reduzieren werden – Pistorius hofft auf eine lediglich moderate Reduzierung.

Besonders in der Rüstungsindustrie gebe es Nachholbedarf. Es würde dauern, bis die Kapazitäten hochgefahren sein werden. „Wir haben jetzt ungefähr fünf bis acht Jahre, in denen wir aufholen müssen – sowohl bei den Streitkräften als auch in der Industrie und in der Gesellschaft“, so der Verteidigungsminister.

„Das ist nicht bloß Säbelrasseln“: Verteidigungsminister Boris Pistorius warnt vor Gefahren der europäischen Sicherheit.

„Das ist nicht bloß Säbelrasseln“: Pistorius lässt auf kommende Gefahren durch Putin schließen

Pistorius zieht einen Vergleich mit Russland: „Putin steigert Russlands Rüstungsproduktion derzeit ganz erheblich. Laut Duma-Beschluss eine Steigerung von mehr als 60 Prozent.“ Er betont, dass am Ende des Jahrzehnts Gefahren auf Deutschland zukommen könnten. Man müsse die Drohungen des russischen Präsidenten gegen die baltischen Staaten, Georgien und Moldau ernst nehmen. „Das ist nicht bloß Säbelrasseln“, sagte der Verteidigungsminister. Auf die Gefahren werde Deutschland in Zukunft vorbereitet sein – und lässt offen, welche Rolle Deutschland in Putins Drohungen spielen wird.

„Ein Fehler“: Pistorius hält die Abschaffung der Wehrpflicht für falsch

Pistorius prüfe alle Optionen, um die Bundeswehr weiterzuentwickeln, um die Leistungsfähigkeit gewährleisten zu können, erklärte er. Das beinhalte auch Dienstpflichtmodelle – die, wie alle Modelle, politische Mehrheiten brauchen. „Es hat seinerzeit Gründe gegeben, die Wehrpflicht auszusetzen“, sagte er. „Rückblickend war es aber ein Fehler.“ Es sei strukturell, verfassungsrechtlich und politisch schwierig, sie einfach wieder einzuführen.

In Betracht ziehen würde Pistorius das schwedische Wehrdienstmodell. „Dort werden alle jungen Frauen und Männer gemustert und nur ein ausgewählter Teil von ihnen leistet am Ende den Grundwehrdienst“, erklärte der Verteidigungsminister. Nun sei es Teil der Überlegungen, ob solch ein Modell auch in Deutschland denkbar wäre. (hk)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Political-Moments

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